Wie das Web auf das Boston-Attentat reagiert

Wer am Montagabend auf Facebook oder Twitter unterwegs war, wurde sofort mit den Explosionen während des Marathons in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts konfrontiert. So schrecklich der Anschlag war, so schnell und unmittelbar war auch die Berichterstattung. Im Sekundentakt liefen neue Bilder in den News-Feeds und Timelines ein und bewiesen einmal mehr: Facebook und Co. sind längst vollwertige Medien. Das Web half Behörden und den News-Anbietern bei der Bewältigung der Situation.

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Kurze Zeit, nachdem die ersten Nutzer Tweets zu dem Anschlag absetzten, entwickelte sich das Hashtag #BostonMarathon weltweit zum Trending Topic. Nutzer prüften nahezu in Echtzeit die Berichterstattung im Web und im TV auf Fehler und verteilten neue Aufnahmen vom Unglücksort. Reddit aggregierte in einem Thread in Rekordgeschwindigkeit Augenzeugenberichte, Rundfunk- und Fernsehbeiträge sowie Behördeninformationen. Auch Wikipedia startete blitzschnell eine eigene Seite für den Boston-Marathon, die stetig um Behördeninformationen und News aus dem Weißen Haus ergänzt wurde.

Über die Seite der Boston Athletic Association konnten sich Nutzer informieren, ob ihnen bekannte Läufer die Ziellinie erreicht haben. Google.org launchte innerhalb weniger Stunden den Google Person Finder, über den Nutzer nach vermissten Personen suchen und Informationen über Mitmenschen eintragen konnten. Das Tool gleicht den Namen der gesuchten Personen unter anderem mit den eigenen Web-Tools ab und gibt wieder, ob diese Person in den vergangenen Minuten oder Stunden eine Nachricht abgesetzt hat.
Aber nicht nur das Social Web reagierte beeindruckend schnell auf die Explosionen in Boston. Der Boston Globe etwa baute seine Homepage in einen Twitterfeed um, der über die Bekanntmachungen von Behörden und anderen News-Portalen informierte. Die New York Times und das Wall Street Journal fuhren kurzerhand ihre Paywalls herunter.
Auch die Behörden nutzen die Social-Media-Kanäle, um sich einen Überblick über das Geschehen zu verschaffen und die nächsten Schritte zu planen. “Die Behörden haben erkannt, dass die Menschen bei solchen Ereignissen zuerst in den sozialen Medien aktiv werden. Sie wollen wissen, was die Menschen über das Geschehen sagen und was als nächstes zu tun ist”, erklärte Terrosimus-Forscher Bill Braniff gegenüber National Geographic. “Und an diesem Tag griffen die Behörden Informationen aus Twitter auf und leiteten sie an die traditionellen Medien weiter.” Hätten Menschen lange Zeit die TV-Nachrichten als Anlass genommen, im Fall einer Naturkatastrophe die Familie in Sicherheit zu bringen, würde man nun vermehrt auf Twitter nach Neuigkeiten Ausschau halten. Experten gehen zudem davon aus, dass die Flut an Videos und Bildern von dem Anschlag in den sozialen Medien den Behörden dabei helfen könnten, die Täter zu identifzieren.
Libby Hemphill, Social-Media-Forscherin von der University of Illinois, machte gegenüber National Geographic allerdings einen großen Unterschied zur Reaktion auf Hurrikan Sandy in den Social Networks aus. Während der Strom an Bildern und Videos während einer Naturkatastrophe nicht abreiße, ließe sich beim Boston Marathon bereits eine Abnahme der Beiträge in den sozialen Medien festmachen: “Die Menschen haben aufgehört, das Geschehen zu dokumentieren und versuchen zu ergründen, was eigentlich passiert ist.”
Die Hintergründe zu den zwei Explosionen während des Marathons in Boston sind weiterhin unklar. Bei dem Attentat kamen bislang drei Personen ums Leben, zahlreiche sind schwer verletzt.

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