Print-Chefredakteure im Mode-Check

Video-Editorials sind in Mode. Vor allem, seit es digitale Ausgaben von Magazinen und Zeitungen gibt. Mit warmen Worten und flotten Moderationen legen die Chefs von stern und Zeit, Dominik Wichmann und Giovanni di Lorenzo, ihren Lesern die neue Ausgabe ans Herz. Focus-Chef Jörg Quoos hat die Video-Präsentation leider abgeschafft, präsentiert sich dafür aber in einem Werbespot. Wir haben uns mal die modischen Extravaganzen der Alpha-Journalisten vor-, bzw. aufgeknöpft.

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Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo


Fast pastoral: Giovanni di Lorenzo
Der Chefredakteur der Herzen präsentiert sich auch in seinen Werbevideos für die jeweils neue Ausgabe der Lieblingszeitung aller Studienräte gewohnt stilsicher und zielgruppenaffin. Di Lorenzo kombiniert das dunkle Sakko mit dem nachtblauen Pullunder (oder Pullover, man sieht das ja nicht). Ganz dezent! Gemeinsam mit dem weißen Hemd darunter ergibt sich ein Ensemble, das schwarz-kreativ, man möchte fast meinen: pastoral wirkt. Die Frisur ist bei ihm stets ein bisschen zerzaust. Aber nur ein bisschen, niemals so ganz. Gerade so, als sei er sich eben noch beim gedanklichen Martyrium um die wirklich allerbeste Zeit-Zeile mit dem MontBlanc-Füller aus dem Zeit-Shop durch die Haare gefahren.

Dazu passt als neckisches Accessoire und verspielte Referenz an die Zielgruppe perfekt: die Lesebrille. Die hat di Lorenzo freilich fast nie auf, sondern er nutzt sie gekonnt, um damit scheinbar fahrig in der Luft herumzuwedeln, wenn er die neuen Knallerstories präsentiert oder locker-flockig zum Kollegen überleitet. Die TV-Erfahrung aus seinen Talkshows kommt ihm hier zu Gute.

Stilnote: 1 mit Sternchen

stern-Chefredakteur Dominik Wichmann


Fester Blick durch die Hornbrille: Dominik Wichmann
Der neue Allein-Chef des stern blickt seine Leser entschlossen und treuherzig durch die Hornbrille an. Dominik Wichmann ist das modische Chamäleon unter den drei hier vorgestellten Chefredakteuren. Den aktuellen stern präsentiert er im typischen Medienmanager-Outfit: dunkles Sakko und weißes Hemd. Das ist die modische Nummer sicher, aber auch so ein ganz kleines bisschen langweilig. Extrem essentiell: immer, wirklich immer den obersten Knopf offenlassen. Oberster Knopf zu, das geht erst ab Vorstandsebene. Wenn überhaupt. Mehrere Knöpfe auf – das können sich ausschließlich Richard David Precht und Matthias Matussek erlauben. Wenn überhaupt.


Wohlfühl-Sakko: einmal ohne, einmal mit Einstecktuch
Aber Wichmann experimentiert. Er mäandert von Editorial zu Editorial durch seinen sicherlich begehbaren Kleiderschrank. Zweimal trug er schon ein wollig wirkendes Wohlfühl-Sakko auf, das wirkt, als habe er sich ein wenig in der Größe vergriffen (too big to fit). Gerne Kombiniert mit einem blau-weiß karierten Einstecktuch. Eine versteckte, ultra-subtile Referenz an seine Münchner Zeit – who knows?

Retrobrauner-Chic zum Relaunch
Den ersten Relaunch-stern präsentierte er dafür ganz ohne Jacket im trendig retrobraunen V-Neck-Pulli mit Hemd drunter. Ein anderes mal dann wählte er einen Pullover aus der di-Lorenzo-Kollektion: ganz dunkel aber gewitzt kombiniert mit einem Polo-Hemd.

Slim-Fit: der Pulli aus der Kollektion Giovanni

Stilnote: 1 – 2

Focus-Chefredakteur Jörg Quoos


Mr. Old-School Jörg Quoos: Krawatte locker, Ärmel hoch (ein bisschen)
Hier haben wir Mr. Old-School – zumindest was die Chef-Mode betrifft. Zwar hat Jörg Quoos – sehr zu unserem Leidwesen – die wöchentliche Video-Präsentation der neuen Focus-Themen abgeschafft. Aber dankenswerter Weise hat der Focus eine Art Neuauflage der legendären Helmut-Markwort-Werbespots produziert, in denen der Chef persönlich auftritt. Hier zeigt sich Quoos ganz hemdsärmelig aufgekrempelt. Bemerkenswert: Als einziger der drei Chefs trägt er gelockerte Krawatte. Natürlich in einem Rot-Ton. Hellblaues Hemd, rote Krawatte – da macht man nix verkehrt. Das wissen auch US-Politiker.

Und weil Jörg Quoos keine Brille hat, durch die er schauen oder mit der er wedeln kann, sticht er mit einem anderen Accessoire ins Auge: der markanten Herren-Uhr. Das symbolisiert Erfolg und Tatkraft. Es gibt wohl kein männlicheres Accessoire als die mechanische (!) Uhr.

Und auch der Focus-Chef weiß: der oberste Hemdknopf, er MUSS einfach offen bleiben – egal ob Krawatte oder nicht. Sonst platzt Chef-Journalisten zu schnell der Kragen.

Stilnote: 2+

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