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Zeit soll Blogger-Sprüche geklaut haben

Als Tom Hillenbrand die Zeit vom 27. März aufschlug, hat er vermutlich nicht schlecht gestaunt: Im "Chancen-Spezial" entdeckt er witzige Sprüche, die Unternehmensberater aufs Korn nehmen – es sind seine Sprüche, die er in seinem Blog beratersprech.de veröffentlicht hat, behauptet er. Als Reaktion lässt er in einer Glosse über den mutmaßlichen Content-Klau Luft ab und redet von "Würstchenjournalismus". Die Wochenzeitung überprüfe derzeit die Vorwürfe, so der zuständige Zeit-Redakteur.

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In einem Extra des Chancen-Ressorts beschäftigt sich die Zeit mit dem Berufsbild des Unternehmensberaters. Am oberen Rand der Seite sind Comic-Berater abgebildet, die den Leser mit Sprüchen wie "Requested ist nicht delivered. Du hättest follow-uppen müssen" in unverständlichem Fachchinesisch erfreuen. Sie sollen die Zunft ein bisschen aufs Korn nehmen und offenbar die Thematik auflockern.
Als Tom Hillenbrand, Betreiber des Blogs beratersprech.de, die Seiten entdeckt hat, hat er wohl an einen schlechten Scherz geglaubt. Denn die Sprüche seien von seinem Blog beratersprech.de geklaut, behauptet er. Als Reaktion darauf schrieb er eine Glosse und ließ sich über solchen "Würstchenjournalismus", wie er es nennt, aus.
Der Vorwurf scheint gerechtfertigt: Den oben genannten Spruch stellte Hillenbrand bereits am 15. Februar 2012. Zwei weitere, die in der Zeit zu finden sind, postete er im März und April desselben Jahres.
Dass er seine Sprüche in der Zeit findet, hätte mit mangelnder Kreativität des Journalisten zu tun. In der Glosse heißt es: "Dir fällt nur selten etwas ein. Wegen dieser Kreativitätsinsuffizienz arbeitest Du schließlich auch nicht in einem der coolen Ressorts, sondern musst stattdessen das vor den Stellenanzeigen stehende Füllmaterial einpassen." Blogger Hillenbrand ist im Hauptberuf Autor und schreibt auch die Kunden-Kolumne "Warteschleife" bei Spiegel Online. 
Hillenbrand kann nicht genau rekonstruieren, wie die Sprüche von seinem Blog in die Zeitung gekommen sind, mutmaßt aber folgenden Verlauf: "Du scrollst ein bisschen. Ein paar von den Sprüchen sind echt ganz witzig, das könnte funktionieren. (…), da beschleichen dich Zweifel, ob Du die Inhalte von beratersprech.de einfach kopieren und in deiner Zeitung verwursten darfst. Ist das nicht vielleicht Würstchenjournalismus?" Er wirft dem Autor mangelndes Problembewusstsein vor. Dieser habe das Copyright ignoriert, immerhin "geht es ja hier nicht um ‚richtige‘ gedruckte Inhalte. Sondern um so Zeugs im Internet", spekuliert der Spiegel Online-Kolumnist.
In einem Update berichtet Hillenbrand, dass die Zeit die Vorwürfe derzeit prüfe. "Sollten sie sich bestätigen, entschuldigen wir uns in aller Form und bringen gegebenenfalls eine Richtigstellung im Blatt", versichert Thomas Kerstan, Ressortleiter Chancen, gegenüber MEEDIA. Man arbeite sehr gewissenhaft und weise auf Quellen hin. "Dennoch können Fehler leider nicht ausgeschlossen werden", sagt Kerstan.
Update
Beratersprech.de meldet inzwischen, dass sich die Zeit bei Blogbetreiber Hillenbrand entschuldigt habe. In der kommenden Ausgabe wolle man das "Versäumnis korrigieren".

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