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So kämpfen die Mitfahrbörsen um Nutzer

Der Aufschrei war groß, als kurz vor Ostern das wohl bekannteste Portal für die Vermittlung von Fahrgemeinschaften, mitfahrgelegenheit.de, seine Nutzungsbedingungen änderte. Fahrer und Mitfahrer müssen dort nun registriert sein und ein Buchungssystem nutzen. Hinzu kommt: Ganze 11 Prozent Gebühren erhebt das Angebot nun. Viele Nutzer wandten sich von mitfahrgelegenheit.de ab und suchen nach Alternativen. Die Konkurrenz wirbt um diese Nutzer - und neue Angebote entstehen.

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Die Zahl der täglichen Neuregistrierungen habe das vierzigfache des Normalwertes erreicht, vermeldete zum Beispiel die aus Wien stammende Mitfahr-Börse drive2day.de‘>Fahrgemeinschaft.de positioniert sich als eine Art legitimer Erbe. Auf Facebook verkündete das Angebot: “Der Eigentümer von Fahrgemeinschaft.de ist u.a. auch Gründer von Mitfahrgelegenheit.de. Er ist enttäuscht dass die gut funktionierende und umweltschonende Idee von Mitfahrgelegenheit.de nun kommerziell ausgeschlachtet wird sowie das Vertrauen der User durch diverse Aktivitäten erschüttert wird.”
Angebot muss Serverleistung erhöhen
Weiter heißt es, er habe “sich entschlossen, den ‘alten’ Gedanken von Mitfahrgelegenheit.de in einem ‘neuen’ Portal zu erhalten.” Die Funktionalität des Portals sei vergleichbar zum früheren Mitfahrgelegenheit.de. Auch mit einer scherzhaften, vergleichenden Werbung wirbt man, um enttäuschte Nutzer der Konkurrenz anzulocken.
Offenbar mit Erfolg: Insgesamt habe sich die Nachfrage derzeit mehr als verzehnfacht, verrät das Portal gegenüber MEEDIA. Täglich verzeichne man etwa 300.000 Seitenaufrufe, 90.000 Nutzer seien registriert. Weiter betonen die Macher: Die Leistung der Server sei wegen des neuerlichen Andrangs um das fünffache der vorherigen Leistung gesteigert worden.
“Aktuelle Ereignisse bei bis dato noch marktführenden ‘grünen’ Konkurrenz Seiten, veranschaulichen die Probleme (für die Nutzer/innen) wenn sich Investoren & Startup Beteiligungen an noch recht jungen Unternehmen finanziell langfristig beteiligen”, ist bei einem weiteren Wettbewerber zu lesen: Mitfahrangebot.de. Auch hier verspricht man: “Das Mitfahrangebot-Projekt hat sich als Ziel gesetzt, keine Provisionen auf Mitfahrgelegenheiten zu erheben” und stichelt gegen die jüngsten Veränderungen bei der Konkurrenz.
Einige Angebote haben nur zweistellige Angebotszahlen
Das Prinzip ist auch bei Mitfahrangebot.de das gleiche. Einzig an der Website muss das Angebot noch arbeiten. Sie kommt im Look der Neunziger daher.
Aufgeräumter wirkt die Seite von mifaz.de.‘> ist hier zu lesen.
Der Versuch, über die Nutzer Geld zu verdienen, wird wie auch bei anderen kritisiert: “Angebote, die dem Umweltschutz dienen, sollten von möglichst vielen Personen genutzt werden können.” Mifaz.de finanziere sich durch die Unterstützung der Landkreise und Gemeinden.
Neue Angebote wittern ihre Chance
Auch neue Angebote versuchen sich jetzt. Am Wochenende startete bessermitfahren.de‘>Lifteee.com. Mit einem fünfköpfigen Team habe man das Portal in zwei Nächten entwickelt, verraten die Köpfe hinter der Seite MEEDIA. Durch Erfahrungen aus ehemaligen Produkten glauben die Macher, Lifteee auch ohne großen Personalaufwand am Markt positionieren zu können.
Die Lifteee-Leute sagen, das Projekt habe keinen kommerziellen Hintergrund, man habe jedoch bereits eine Anfrage für eine mögliche Kooperation, die das Projekt finanziell absichern würde. Für die Hamburger heißt es zunächst aber vor allem: Nutzer gewinnen. Aktuell werden beim neuen Portal gerade einmal gut 50 Fahrten angeboten.
Zufriedene Nutzer "kommunizieren von allein"
Flinc hingegen kann bereits auf rund 400.000 Fahr-Angebote pro Monat und mehr als 100.000 Nutzer verweisen. Auf diese setzt man nun auch, wenn es darum geht, neue User zu gewinnen: “Wir machen keine spezielle Aktion”, verrät Vorstand Benjamin Kirschner gegenüber MEEDIA. Man habe viele “begeistere Leute”. Kirschner: “Die kommunizieren von allein!”
Flinc unterscheidet sich von anderen Mitfahrbörsen, bietet unter anderen eine App an. Wo andere nur Wege von Punkt A nach Punkt B, maximal angereichert durch Viapunkte, anzeigen, bietet Flinc eine automatisierte Teilstrecken-Vermittlung und eine Integration in verschiedene Navigationsgeräte. Das, was andere präsentieren entspreche nicht dem, “was derzeit möglich ist”, so Kirschner. Er glaubt, dass diese Unterschiede auch neue Nutzer überzeugen können.
Allerdings: Zumindest von Außen wirkt das Konzept komplexer und benötigt so mehr Eingewöhnung. Auch bei Flinc gebe es derzeit sehr viele Probe-Anmeldungen, sagt Kirschner. Er betont aber, viel Nutzer seien ohnehin bei mehreren Anbietern angemeldet: “Es gibt wenige User, die nur bei einer Mitfahrbörse sind.”
In den Markt der Mitfahrbörsen ist auf jeden Fall Bewegung gekommen. Neben Vertrauen und Einfachheit wird letztlich aber vor allem ein Faktor entscheiden, welches Angebot oder welche Angebote Erfolg haben: Wo finde ich als Fahrer Mitfahrer und als Mitfahrer Angebote? Nur wer eine kritische Masse erreicht und es dadurch schafft gute Vermittlungschancen sicherzustellen, wird Erfolg haben.

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