Sibylle: Nannenpreis für Anneliese Friedmann

Sie ist die Herausgeberin der Abendzeitung, doch die meisten Leser dürften sie noch als "Sibylle" nennen. Gruner + Jahr und der stern zeichnen die Journalistin Anneliese Friedmann mit dem Henri Nannen Preis für ihr Lebenswerk aus. Unter dem Pseudonym "Sibylle" schrieb die studierte Kunsthistoriker Mode- und Lebensart-Kolumnen. Zuerst in der Abendzeitung, dann im stern. Für ihre Arbeit als Herausgeberin und den Einsatz für Bedürftige erhält Friedmann den Nannenpreis für ihr Lebenswerk.

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"Anneliese Friedmann ist eine hervorragende und mutige Journalistin, eine durchsetzungsstarke Verlegerin, eine unerschrockene Streiterin für ihre Standpunkte, eine lebenskluge Frau", begründet Jury-Mitglied Andreas Petzold die Entscheidung. "Sie hat als geheimnisvolle und doch lebensnahe ‚Sibylle‘ in den 50er und 60er Jahren den Leserinnen und Lesern die Welt erklärt und den Männern den Kopf verdreht. Sie hat dem Lebensgefühl ihrer Zeit Ausdruck verliehen wie damals keine zweite deutsche Journalistin. Ihre Texte wurden millionenfach gelesen." Als sie wegen des Todes von Werner Friedmann Herausgeberin der Abendzeitung werden musste, hätte  sie nicht gezögert und ist beherzt in den Chefsessel gewechselt. "Sie fand nach manchem Ringen mit ihrer Redaktion zusammen. Neben ihrer Liebe zum Journalismus vergaß sie die Bedürftigen nicht, für die sie sich bis heute einsetzt. Für dieses engagierte, mutige und dem Journalismus verpflichtete Leben erhält Anneliese Friedmann den Henri Nannen Preis 2013 für ihr Lebenswerk."
Der Stadt München blieb die Friedmann ein Leben lang treu. Nach dem Studium der Kunstgeschichte und Theaterkritik volontierte sie bei der Süddeutschen Zeitung, deren Modejournal sie in den 50er Jahren leitete. 1951 heiratete sie Werner Friedmann, den Chefredakteur der Abendzeitung und Anteilseigner des Süddeutschen Verlages. In dieser Zeit begann sie unter dem Pseudonym "Sibylle" Mode- und Lebensart-Kolumnen für die Abendzeitung zu schreiben. Ab 1960 erschienen die Sibylle-Kolumnen im stern. "Sie schrieb ihre Kolumnen als eine Mischung aus Reportage, Essay und Kommentar und war dabei oft lehrreich, immer unterhaltsam und nie von oben herab", heißt es in der Begründung weiter. Als ihr Mann Werner Friedmann 1969 starb, übernahm die Mutter dreier Kinder die Leitung der Abendzeitung und ist dort bis heute Herausgeberin.
Neben dem Journalismus engagierte sich 86-Jährige in der Werner Friedmann Stiftung in München, die Hilfe für ältere Künstler und Journalisten bietet. Außerdem rief sie "Stars in der Manege" ins Leben, dessen Erlöse Kinder in Not zu Gute kommen. Sie ist Mitglied im Kuratorium der Stiftung Pinakothek der Moderne in München und Mitglied mehrerer Fördervereine. Ausgezeichnet wurde sie unter anderem mit dem Paul-Klinger-Preis für ihr soziales Engagement, mit dem Publizistikpreis der Stadt München und der bayerischen Staatsmedaille für soziale Verdienste.

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