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Jeff Bezos’ Ritterschlag für Henry Blodget

Der Lautsprecher der US-Techpresse hat einen dicken Fisch an Land gezogen: Henry Blodget konnte am Freitag stolz wie Bolle eine neue Finanzierungsrunde von 5 Millionen Dollar für den Business Insider verkünden, die vom Amazon-Gründer Jeff Bezos angeführt wird. Der Deal kommt nicht ohne Geschmäckle daher: Blodget begründete seine frühere Karriere als Staranalyst in den 90ern-Jahren maßgeblich durch ein optimistisches Kursziel des Internet-Pioniers. Bloget ist bis heute bekennender Bezos-Fan.

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Der Lautsprecher der US-Techpresse hat einen dicken Fisch an Land gezogen: Henry Blodget konnte am Freitag stolz wie Bolle eine neue Finanzierungsrunde von 5 Millionen Dollar für den Business Insider verkünden, die vom Amazon-Gründer Jeff Bezos angeführt wird. Der Deal kommt nicht ohne Geschmäckle daher: Blodget begründete seine frühere Karriere als Staranalyst in den 90er-Jahren maßgeblich durch ein optimistisches Kursziel des Internet-Pioniers. Bloget ist bis heute bekennender Bezos-Fan.

Die Welt von Henry Blodget ist der von Kai Diekmann nicht unähnlich: beide leben für die schnelle, große Schlagzeile. Wer das inzwischen auch schon sechs Jahre alte Techportal Business Insider tagein, tagaus verfolgt, muss sich wundern, dass bei all den angekündigten Dramen in Großbuchstaben nicht längst schon die (Tech-)Welt untergegangen ist.

Besonders der Platzhirsch der Branche ist ein beliebtes Ziel des früheren Internetaktien-Analysten: Das Apple-Bashing von Henry Blodget ist längst notorisch. Apple habe etwa seit Jahren den Kurs verloren, sei verdammt, verflucht und schlicht am Ende, starten die Abgesänge nach neuen Analystenschätzungen und -Prognosen immer wieder von Neuem.

Business Insider: Amazon kommt vergleichsweise gut weg

Doch Apple, das Blodget beständig bei Presse-Events ignoriert, ist kein Einzelfall. Auch Facebook oder Groupon kamen in den mitunter scharfsinnigen Analysen des früheren Star-Internetaktien-Analysten nach ihren Börsengängen immer wieder unter Feuer. Ein anderes Internet-Schwergewicht kommt beim 2007 gegründeten Blog-Konglomerat indes vergleichsweise gut weg: der Online-Pionier Amazon.

Über „die Weisheit von Jeff Bezos“ ist beim Business Insider etwa in drei Teilen in epischer Breite zu lesen. Oder: „Amazons neues mobiles Werbenetzwerk ist eine große Bedrohung für Google“. Oder: „Eine wunderbare Lektion von Warren Buffett, die eine der größten Mysterien von Amazon erklärt“.

Blodget bekennt: Habe Bezos bewundert

Tatsächlich macht Blodget aus einer Hochachtung für das zweitwertvollste Internet-Unternehmen der Welt keinen Hehl: „Ich habe Jeff (Bezos) und Amazon seit Mitte der Neunziger bewundert“, erklärte der CEO und Chefredakteur des Blogkonglomerats am Freitag in einer Mail an seine Mitarbeiter.

Tatsächlich verbindet Blodget und Bezos seitdem auch etwas. Der aufstrebende Internet-Einzelhändler war es nämlich, der die Karriere des ehrgeizigen Junganalysten 1998 erst richtig ins Laufen brauchte: Blodget gab 1998 als Analyst bei Oppenheimer das vermeintlich luftige Kursziel von (heute splittbereinigten) 400 Dollar heraus, das Amazon damals wenig später tatsächlich erreichen sollte.

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Blodgets Karriere als Internetaktienanalyst hob ab, er wechselte zu Merrill Lynch, wo er 2001 spektakulär gefeuert wurde, als bekannt wurde, dass der heute 47-Jährige intern längst nicht alles gut hieß, was er Kunden öffentlich als „Kauf“ empfahl. Nach Jahren in der Verbannung und einem lebenslangen Berufsverbot als Analyst startete Blodget mit dem Business Insider 2007 ein Comeback – diesmal auf der anderen Seite der Nachricht: als Journalist.

Der Business Insider verliert weiter Geld

Das Comeback – ganz gleich, was man von der journalistischen Aufbereitung des Business Insiders halten mag – ist relativ beachtlich. Das Blogkonglomerat, das sich inzwischen in schon 14 verschiedene Mini-Portale aufteilt, erreicht laut dem US-Marktforscher comScore immerhin schon 9 Millionen Besucher.

Profitabel arbeitet das Tech- und Wirtschaftsportal allerdings noch nicht: Im vergangenen Jahr hat der Business Insider, den Bloget einst mit dem Internet-Unternehmer Kevin P. Ryan (Doubleclick) gründete, bei Umsätzen von 10 Millionen Dollar drei Millionen Dollar verloren. Auch dieses Jahr könnten nach Angaben von Bloomberg bei Umsätzen von 15 Millionen Dollar Verluste anfallen.

Deal mit Bezos persönlich beim Essen eingefädelt

Um die Expansion am Laufen zu halten, hat der Workaholic Blodget nun frisches Kapital aufgetrieben. Über fünf Millionen Dollar beläuft sich die neue Finanzierungsrunde, an der neben Bezos auch die früheren Kapitalgeber RRE Ventures and Institutional Venture Partners beteiligt waren.

Eingefädelt wurde der Deal beim Lunch von Blodget mit Bezos vor einigen Monaten. Um für journalistische Hygiene zu sorgen, will der Business Insider Artikel über Amazon künftig mit einem Offenlegungshinweis versehen, dass der Internet-Einzelhändler in das Portal investiert hat. Ob sich die Berichterstattung zwischen den Zeilen verändert, bleibt abzuwarten – eine Steilvorlage für Spitzen hat Blodget der Konkurrenz von TechCrunch, Mashable & Co damit zumindest aber geliefert.

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