Netradio-Moderatoren: „Hier rasten alle aus!“

Borussia Dortmund bietet seinen Fans seit vielen Jahren ein sogenanntes "Netradio" an, einen Audiostream zu den Spielen der Schwarz-Gelben. Für das, was dort zu hören ist, ist der Ausdruck "parteiisch" oft zu schwach. Für Schiedsrichter-Beschimpfungen gab es vom DFB in der Vergangenheit bereits Strafen für die Moderatoren. Am Dienstagabend erreichte der Wahnsinn nicht nur auf dem Platz eine neue Dimension. Und auch beim Fußballradio von 90elf musste sich der Kommentator den Emotionen ergeben.

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Da es die Heimmannschaft war, die am Ende glücklich war, gab es dieses Mal jedoch statt Beschimpfungen (die folgten via Twitter von der anderen Seite) beim BVB-Netradio ausgelassene Freude. Kommentator Danny Fritz, sowie Stadionsprecher und BVB-Legende Nobby Dickel rasteten völlig aus. Das entsprechende Audio-Highlight ist auf der Seite des BVB auch nachträglich anzuhören (hier der Direktlink).
Dabei sah es vorher gar nicht so gut aus. Zwei absolute Großchancen ließen die Dortmunder liegen. Die Kommentare: "Das gibt’s doch gar nicht!", "Nein, nein, nein, nein, nein – das kann doch alles nicht wahr sein!", "Fußballgott, wo bist du?". Dann kurz darauf das vermeintliche K.O.: Das zweite Tor für die Spanier. Die Stimmung dementsprechend gedrückt, gefolgt von Wut über die Abseitsposition des Torschützen.
Doch in der Nachspielzeit wieder Hoffnung bei Spielern wie Moderatoren: Kurz vor dem erneuten Ausgleich sagt Danny Fritz: "Nobby, jetzt muss ein Wunder her!" Der Antwortet: "Ja, wir machen noch was!", und sollte Recht behalten. Das 2:2 bringt Mut und dann brennen auch bei den Kommentatoren die Drähte durch. Stadionsprecher Dickel ruft laut ins Stadion nach Durchsage des Tors: "Weiter Jungs!", Danny Fritz sagt: "Jetzt kommt das Wunder von Dortmund" – dieses Mal behält er Recht.
Wenige Sekunden später die nächste Torchance ("Schieber, Reus, Reus in die Mitte, nu mach ihn rein!") und die Führung ("Tor"-Schreie bis in die Heiserkeit). Dann schreit Fritz das offensichtliche heraus: "Hier rasten alle aus!". Doch wer hat das Tor gemacht? "Es ist so was von scheißegal" Doch irgendeinen Namen muss Dickel ja ausrufen. "Santana, es ist Santana!". Und nun ist auch Dickel am Stadion-Mikro heiser. Fritz kommentiert derweil die vermutliche Abseitsposition des Torschützen, die dieses Mal, anders als beim 1:2, kein Aufreger ist: "Aber weiße wat, leck mich anne Bucks, sag ich nur!"
"Freunde ich kann nicht mehr", so der erschöpfte Kommentator und kurz darauf sind er und die Zuschauer und Zuhörer erlöst: "Es ist vorbei, der geilste Club der Welt steht im Halbfinale!"
Doch nicht nur bei den Dortmunder Moderatoren bleibt die Stimme weg. Auch bei Andreas Mann, der das Spiel für 90elf kommentiert, treibt die Nachspielzeit den Blutdruck in die Höhe: "Reus Tor, Reus Tor, drei Minuten noch, auf geht’s BVB!", schreit er beim Ausgleich. Und bekanntlich geht es heiß weiter: "Das Publikum muss noch mal ab gehen, auch ich geh noch mal ab!" – und dann die Führung: "Schieber mit dem Kopf, Reus quer, Linie, Tor, Tor, Toooor!"
Auch hier Verwirrung um den Torschützen: "Keine Ahnung wer das Tor geschossen hat, ist mir auch scheiß egal!" Als Nobby Dickel dann den Siegtorschützen ausruft, wird Andreas Mann das gemeinsame Leid bewusst: "Nobert Dickel kann auch nicht mehr, ich bin auch fast am Anschlag." Kurz darauf waren beide erlöst. Am nächsten Tag werden alle drei Kommentatoren wohl noch etwas heiser sein – ihre emotionalen Spielberichte dürften aber ebenso in die Fußball-Geschichte eingehen, wie das Spiel selbst.

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