Barack Obamas leiser Twitter-Abschied

Der Social Media-Präsident hat offenbar ausgetwittert. Barack Obama, der als erster Politiker die aufkommende Bedeutung der sozialen Medien verstand und sie zu einem zentralen Kommunikationsmittel seiner beiden Wahlkämpfen 2008 und 2012 machte, hat sich leise von Twitter verabschiedet. Die Leitung seines Accounts wurde an eine Lobby-Gruppierung Organizing for Action übergeben, die Obamas Wahlkampf-Team nachfolgt. Der US-Präsident hat seit seiner Vereidigung im Januar nicht mehr getwittert.

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Es war ein Tweet für die Ewigkeit, dabei waren es nur drei Worte: „Four more Years.“ Mehr gab es nicht zu sagen, Obama hatte gerade gegen Herausforderer Mitt Romney seine Amtszeit gewonnen. Dafür gab es etwas zu sehen: Der Präsident mit geschlossenen Augen in inniger Umarmung mit seiner Frau Michelle.

Es war der Moment, als die Wahl gelaufen war – Obama rief seinen Sieg via Twitter und Facebook Minuten vor der Fernsehsender aus. Mit über 800.000 Retweets ist es bis heute der meistzitierte Beitrag des Kurznachrichtendienstes.

Mit "-bo" persönlich gekennzeichnete Tweets sind längst Mangelware

Auch wenn sein Wahlkamf-Team den Account weitgehend managte, wirkte Obama auf Twitter doch sehr authentisch. "We’re all in this together. That’s how we campaigned, and that’s who we are. Thank you. –bo", äußerte Obama etwa ebenfalls nach dem Wahlsieg seine Dank via 140 Zeichen: "Wir stehen alle zusammen. So haben wir unseren Wahlkampf gestaltet, und so sind wir. Danke." Darunter die Initialen des Präsidenten "bo", die deutlich machen sollen, dass der Tweet von Obama persönlich verfasst wurde.

Damit scheint es indes fünf Monate nach der glamourösen Wahlnacht vorbei. Bis heute folgen Obama fast 30 Millionen Mitglieder auf Twitter, doch die Botschaften kommen längst nicht mehr vom Präsidenten. Der bislang letzte mit "-bo" gekennzeichnete Tweet datiert vom 21. Januar – dem Tag der Vereidigung: „Ich fühle mich geehrt und dankbar, dass wie die Chance haben, zu Ende zu bringen, was wir begonnen haben. Unsere Arbeit beginnt heute. Auf geht’s."

Obama bleibt Twitter seit Januar fern

Ein andere Arbeit ging offenbar an jenem Tag zu Ende: Seit mehr als zehn Wochen hat sich der US-Präsident via Twitter nicht mehr zu Wort gemeldet. Dafür gab es stillschweigende Änderungen zu besichtigen: Wie die Online-Ausgabe des US-Magazins The Atlantic herausarbeitet, wurde der Account vom Wahlkampf-Team an den Lobbyverband Organizing for Action übergeben.

Man kann davon ausgehen, dass sich hinter den Kulissen wenig geändert hat und die Social Media-Dienste weiter von Vertrauten des Präsidenten vorgenommen werden. The Atlanic kritisiert nun diesen fließenden Übergang, da Organizing for Action als Non-Profit-Organisation eine andere Rolle einnimmt als der von Spenden finanzierte Wahlkampf.

Hauptkritikpunkt ist jedoch die Authentizität des Twitter-Kontos, der als verifizierter Account geführt wird. Doch vom Präsidenten selbst ist seit drei Monaten nichts mehr zu lesen. Stattdessen werden Nutzer jeden Tag mit bis zu zehn News-Häppchen bei Laune gehalten, die mal auf einen Artikel verweisen oder zu Retweet auffordern. Der Social Media Präsident, so scheint es, hat indes sein Interesse an direkter Kommunikation mit seinen Anhängern über soziale Medien verloren…

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