Wie schlecht ist der Saar-”Tatort” wirklich?

Fernsehen "Unerträglich", "unverständlich", "unglaubwürdig" und "unwitzig". Die Bild ging bereits im Vorfeld hart mit dem "Tatort" aus Saarbrücken ins Gericht, nannte ihn gar den "wohl schlechtesten Tatort aller Zeiten". Auch die Kritiker von SZ, FAZ und Spiegel Online schrieben den neuen Streifen mit Devid Striesow herunter. Und tatsächlich: Die Quote des Sonntagabend-Krimis blieb klar unter den Werten der vergangenen Wochen. Dennoch schalteten immer noch 8,35 Millionen Menschen ein. Eine Presseschau.

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Selten wurde ein "Tatort" vorab mit so viel Kritik überschüttet, wie "Eine Handvoll Paradies". Matthias Hannemann schrieb für die FAZ: "Mit dem zweiten Fall wird die Akte Stellbrink für den Sender offenbar zu einem Problem." Der Kommissar sei "eine peinliche Schießbudenfigur, mehr würdelos als kauzig, mehr dümmlich denn liebenswürdig – und unglaubwürdig, das ist das Schlimmste."
Felix Müller kam in der Welt zu einem anderen Urteil: Striesows Kommissar Stellbrinck sei "unter all den bewusst abziehbildhaft gehaltenen Charakteren" die einzige Figur, "die man sich auch im wirklichen Leben vorstellen kann." Der "Tatort" parodiere sich selbst, ebenso wie der Schauspieler: "Er parodiert sich andauernd selbst. So gut können das nur ganz wenige."
In der Süddeutschen Zeitung ist die hingegen harsche Kritik zu lesen. Das Fazit von Holger Gertz: "Redakteur Bauer und Regisseur Salonen haben kein Gefühl für schrägen Humor. Sie bräuchten dringend jemanden, der ihnen das mal sagt." Und weiter: "Der SR verschleudert seinen Namen, den er sich mit Weber und Brückner gemacht hat. Und der Zuschauer verschleudert Lebenszeit, wenn er sich das ansieht." 
Die Bild nennt den Tatort gar "unerträglich", "unverständlich", "unglaubwürdig" und "unwitzig". Der Fall sei nicht zu retten. Und das Boulevard-Blatt legt nach, fragt: "Warum ist der Tatort von der Saar so schwach?" Nach den "Ermittlungen" der Bild das Grundproblem: "Der Saar-Tatort soll lustig sein. Doch der finnische Regisseur Hannu Salonen (40) hat zuvor nie Komödien gedreht. Mit Hauptdarsteller Striesow bildet er eine unbeirrbare, beratungsresistente Einheit." Die Bild weiter: "Alle wissen, dass Salonen es nicht kann." Zudem fehle dem SR das Geld, neben Striesow weitere hochkarätige Schauspieler zu verpflichten, und musste beide bisherigen Fälle an einem Stück filmen.
Kritik am Regisseur wird zwischen den Zeilen auch von Christian Buß von Spiegel Online geäußert. In seiner Kritik liest man vielsagend: "Wieder führte Hannu Salonen Regie." Darüber hinaus schreibt Buß: "Dieser Krimi ist ein weiterer Tiefpunkt beim ‘Tatort’-Trend zum groben Unfug", und nennt den Film einen "Nonsens-Krimi". Ebenfalls bei Spiegel Online heißt es vernichtend im "Schnell-Check" auf die Frage, ob sich das Einschalte lohne: "Nein. Die zweite Episode mit Devid Striesow bestätigt leider nur den Eindruck der desaströsen ersten: Der Relaunch des Saar-’Tatorts’ ist gescheitert."
Den negativen Kritiken sind offenbar einige "Tatort"-Fans geflogt. 8,35 Millionen schalteten Sonntagabend ein. Das sind noch einmal fast 800.000 weniger als beim ersten der neuen Saarland-"Tatorte", was zur zweitschlechtesten "Tatort"-Quote in diesem Jahr führt. Zum Vergleich: Der vergangene Film aus Münster lockte 12,7 Millionen Zuschauer vor die Geräte. Der Krimi an Ostern aus München immerhin 9,3 Millionen.
Allerdings darf man nicht vergessen: Die Münster-Quote (ebenso wie der Schweiger-"Tatort" zuvor) waren absolute Spitzenwerte. Auch München holte einen Bestwert in eigener Sache. Betrachtet man die durchschnittlichen Quoten der vergangenen Jahre, liegt das neue Saarland-Team mit durchschnittlich 8,75 Millionen Zuschauern fast auf dem Niveau der Krimis aus Köln, München, Leipzig und Frankfurt.
Quotentechnisch vorwerfen muss man den Machern lediglich, dass sie nicht am allgemeinen Aufwärtstrend des "Tatorts" teilhaben und – und das ist das eigentliche Problem – hinter den Quoten des alten, geschassten Teams Kappl / Deininger bleiben. Inhaltlich hingegen bereichern die Saarländer die Tatort-Landschaft um eine neue Facette. Dass ein "Tatort" in Form einer Komödie daherkommt, ist zudem nicht zwingend schlecht – siehe Münster. Auch hier gibt es unrealistische, überzeichnete Figuren und Fälle, wenngleich der Humor hier ein anderer ist. Und auch hier haben die Fälle zum Teil dennoch sehr ernste Aspekte, so wurde einmal zum Beispiel der Fall einer intersexuellen Tennis-Spielerin zum Thema gemacht.
Das bedeutet freilich nicht, dass das Saarbrückener Konzept funktioniert. Auch der Hamburger Ermittler Batu brachte einen neue Facette in die Reihe, doch das Prinzip scheiterte. Die Quoten für Batu waren aber deutlich schlechter (im Schnitt 7 Millionen). Davon ist man in Saarbrücken noch ein ganzes Stück entfernt. Beim dritten Krimi aus dem Saarland haben die Macher nun zumindest die Möglichkeit, auf die Kritik zu reagieren. 

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