Unister-Chef Thomas Wagner tritt zurück

Publishing Der Druck auf den Reiseportalbetreiber Unister war enorm in den vergangenen Wochen: Verdacht auf Steuerhinterziehung, Handel mit nicht genehmigten Versicherungen, Sicherheitslücken im Bezahlsystem und Razzien mit anschließenden Festnahmen. Das Unternehmen scheint nun Konsequenzen zu ziehen: Der Gründer und bisheriger Geschäftsführer Thomas Wagner tritt zurück und will sich künftig als Direktor für Strategie und Produktentwicklung ins Unternehmen einbringen. Das gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt.

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Die Gespräche über die Neubesetzung des Geschäftsführerpostens würden seit einiger Zeit geführt. In Kürze soll der Nachfolger bekanntgegeben werden. “Ich möchte mich zukünftig auf das konzentrieren, was mir selbst immer am meisten Freude gemacht hat und wo ich persönlich die Unternehmensgruppe am besten unterstützen kann: Die Weiterentwicklung unserer Portale und Geschäftsbereiche”, kommentiert Thomas Wagner seinen Wechsel. Die Gesellschafterstruktur der Gruppe bliebe unverändert.

Seit Juli 2012 stand Unister in der Kritik. Die Computer Bild berichtet unter dem Titel “Das Abzock-Imperium” über dubiose Geschäftspraktikten auf den Unister-Reiseportalen.

Anfang Dezember führten Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen eiine Razzia in den Leipziger Geschäftsräumen durch. Insgesamt hätten die Ermittler 20 Büros und Wohnungen in Leipzig, Hamburg und Stralsund durchsucht, berichtete die Leipziger Volkszeitung. Acht Mitarbeiter der Führungsebene, standen unter Verdacht, Steuern in Höhe von rund einer Million Euro hinterzogen zu haben. Mehrere Unistermanager saßen in Untersuchungshaft, laut der Bild-Zeitung auch Wagner.
Mitte Dezember gab dann der Reiseveranstalter Tui den Ausstieg aus den Unister-Portalen bekannt. Nur wenig später berichteten sowohl Computer Bild als auch der MDR, dass das Unternehmen die Kreditkartendaten von Kunden nicht ausreichend geschützt hätte. 400.000 Nutzer seien davon betroffen gewesen. Demnach seien die hinterlegten Daten nicht ausreichend gesichert worden. Dadurch sei ein Schaden von rund einer Million US-Dollar (758.000 Euro) entstanden.

Der Konzern sieht seine System auf dem neuesten Stand der Technik. Datenschützer haben ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Als Folge der Sicherheitslücke im Bezahlsystem musste Unister laut Medienberichten umgerechnet rund 140.000 Euro Straf- und Wiedergutmachungszahlungen an Visa und Mastercard zahlen. Wie die Computerbild berichtet, waren sensible Kreditkartendaten von schlecht gesicherten Servern in die Hände von Betrügern gelangt.

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