„Shitstorm-Agentur“ war nur ein PR-Fake

Bietet eine PR-Agentur käufliche Shitstorms an? Diese Meldung ging in den vergangenen Tagen durch die Medien, auch MEEDIA berichtete von dem Fall. Die Süddeutsche Zeitung hat heute noch ein großes Interview mit dem selbst-erklärten Shitstorm-Macher Oliver Bienkowski im Feuilleton. Mittlerweile hat der die Aktion aufgeklärt: die gekauften Shitstorms waren ein Fake. Angeblich wollte er damit auf die Lage Obdachloser aufmerksam machen. Was ihm auf jeden Fall gelungen ist, ist viel lauer Wind in eigener Sache.

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"Im Gegensatz zu Unternehmen haben Gruppen am Rande der Gesellschaft keine große Lobby, die es ihnen ermöglicht, mit viel Investment große Reichweite und Aufmerksamkeit für ihre lebensbedrohlichen Anliegen zu finanzieren. Jetzt nutzen wir unsere erprobten Mechanismen und Hebel der Medienmanipulation um ein Thema aufzuzeigen und wieder zur Diskussion zu bringen, welches uns besonders am Herzen liegt", schreibt Oliver Bienkowski von der Agentur Cavemen. Das Thema, was ihm angeblich am Herzen liegt: die Situation von Obdachlosen.
Nun möchte man gesellschaftlichen Randgruppen gerne vertrauenswürdigere Fürsprecher wünschen. Den "Ablauf der Medienmanipulation" beschreibt Bienkowski auf seiner Seite wie folgt: Zunächst habe man das Angebot der Shitstormagentur ins Netz gestellt und entsprechende Google-Anzeigen gebucht.  
Ende März wurde das Thema "Shitstorm-Agentur" dann von der Zeit, aufgegriffen, schreibt der Werber. Daraufhin "startete unser Raketentriebwerk die nächste Stufe", ist zu lesen. Kurz darauf habe sich heise.de bei Bienkowski gemeldet, denen er glaubhaft habe machen können, dass er eine Shitstorm-Agentur betreibt. Weiter schreibt er: "Jetzt ging die Sache richtig los. Am 03.04.2013 19 Uhr kopierte Focus Online die Meldung um 19 Uhr von Heise. Nach einem Telefonat mit Meedia.de folgte auch dort ein Artikel. Die in der Schweiz ansässige Werbewoche übernahm am 03.04.2013 den Bericht direkt von Meedia.de. Die Stille Post ging also immer weiter", und weckt damit den Eindruck, dass alle Medien blind voneinander kopiert hätten.
Tatsächlich beziehen sich die einzelnen Texte aufeinander, kopiert oder übernommen sind sie jedoch nicht. In einer ersten Version seiner Stellungnahme verbreitete Bienkowski sogar die Unwahrheit, indem er schrieb "Meedia.de folgte ohne nur einmal bei uns anzurufen." Tatsächlich hat ein MEEDIA-Mitarbeiter mit ihm in der Sache aber telefoniert. Diese falsche Behauptung wurde inzwischen nach Protest von MEEDIA kommentarlos korrigiert.
Bienkowski legte in seinem selbst ernannten "Medien-Hack" nach und behauptete, Obdachlose für die Shitstorms zu beschäftigen. Ein entsprechender Artikel wurde bei W&V online veröffentlicht, wobei die Kollegen im Beitrag deutlich machten, dass es Zweifel an Bienkowskis Aussagen gibt. Gleiches kann man vom Interview in der Süddeutschen sagen. Hier wird Bienkowski zu seiner angeblichen Shitstorm-Agentur befragt. Als er dem SZ-Redakteur die Räuberpistole von den Obdachlosen, die für ihn angeblich Sitstorms lostreten, auftischt, fragt der nach: "Bitte? Was haben Sie getan?" Später im Interview wird Bienkowski gefragt ob er die Shitstorms für Aktionskunst hält und ob er das alles tatsächlich ernst meint.
Bienkowskis Kommentar zum Interview: "Gute Sache, 68.000 Euro Image und Markenwerbung gespart – so viel kostet eine Seite Werbung in der Süddeutschen Zeitung." Das SZ-Interview war für ihn der Zeitpunkt, bei der Aktion den Stecker zu ziehen. Laut Bericht fuhr man zu einer Düsseldorfer Bahnhofsmission, bei der man, hilfsbereit wie man ist, "schon im Dezember 2013 selbst gebackene Kekse" verteilt habe, um ein Foto zu machen. Dieses prangt nun mit der Auflösung des "Medien-Hacks" auf der Seite der vermeintlichen Shitstorm-Agentur.
Angefügt an den stellenweise wirren Text sind Screenshots verschiedener Beiträge zum Thema. Dem interessierten Leser wird auffallen: Die meisten Berichte äußern schon im Textauszug Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Geschichte. Bienkowski und seine Truppe haben den Medien also eine dreiste Lüge zum aktuellen Hype-Thema "Shitstorms" aufgetischt. Er hat eine Menge Rummel für seine Agentur abbekommen und feiert sich selbst als eine Art Till Eulenspiegel 2.0. Wie der übergeigte PR-Stunt in eigener Sache Obdachlosen helfen soll, das bleibt wahrscheinlich auf ewig das Geheimnis des Oliver Bienkowski.

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