“Offshore-Leaks”: Auch NDR verweigert Daten-Weitergabe

Fernsehen Der NDR wird keine Rechercheunterlagen des Projekts "Offshore-Leaks" an Behörden weitergeben. Das gab die Rundfunk-Anstalt am Freitagabend in einer Stellungnahme bekannt. Man habe großes Verständnis für das Interesse an den brisanten Unterlagen, es sei aber nicht möglich, dem von mehreren Politikern geäußerten Wunsch nachzukommen, so Sendersprecher Martin Gartzke. Das ICIJ prüfe jedoch, ob es Daten online stellen könne.

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"An allererster Stelle ist der Informantenschutz zu nennen, den unsere Redaktionen zu beachten haben", begründet Sendersprecher Martin Gartzke die Entscheidung. "Wir geben unsere Recherchematerial nicht an Dritte weiter: Diese Regel gilt für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk genauso wie für alle Medien."
Zuvor hatte bereits die Süddeutsche Zeitung, die in Deutschland ebenfalls an den Veröffentlichungen beteiligt ist, in einer Stellungnahme "in eigener Sache" deutlich gemacht, dass sie keine Materialien aus den "Offshore-Leaks" weiterreichen werde.
Der NDR betont nun, dass die Entscheidung über eine Weitergabe und Veröffentlichung des Materials ohnehin nicht bei einzelnen Medien, sondern bei dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington liege. Gartzke sagt: "Der NDR hat sich ebenso wie die Süddeutsche Zeitung gegenüber dem ICIJ verpflichtet, das Material nicht weiterzugeben."
Allerdings: Das ICIJ prüfe derzeit, ob die Organisation selbst Teile der Offshore-Leaks-Unterlagen unter Beachtung des Quellenschutzes online stellen kann. Am Donnerstag hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble gefordert, dass deutsche Finanzbehörden die Daten erhalten. "Wir gehen davon aus und begrüßen es, wenn nunmehr die relevanten Unterlagen an die zuständigen Steuerbehörden der Länder übermittelt werden", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministers.

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