Home macht Androiden zu Facebook-Phones

Mark Zuckerberg hat nicht zuviel versprochen: "Kommt und seht Euch unser neues Zuhause auf Android an", hat Facebook für den gestrigen Presseevent angekündigt. Und genau das präsentierte Facebook auch: Mit der App "Home" eine neue Heimat für Android-Nutzer. Das weltgrößte soziale Netwerk lässt mit Home die Muskeln spielen und übernimmt die Kontrolle über die Smartphone-Nutzung. Andere Apps verschwinden im Hintergrund, Fotos und Nachrichten blockieren künftig den Startbildschirm. Die Börse applaudiert.

Anzeige

Mark Zuckerberg hat nicht Wort gebrochen – das Facebook-Phone bleibt Legende. Zumindest wenn man es als eigenständiges Hardware-Angebot begreift. „Heute reden wir endlich über das Facebook Phone“, erhöhte Zuckerberg zu Beginn der Pressekonferenz  die Spannung, um dann noch mal seine Absage zu erneuern: „Wir bauen kein Smartphone. Und kein mobiles Betriebssystem.“

Und doch stellte der Gründer und Chef des weltgrößtes sozialen Netzwerks gestern etwas vor, was man als Facebook-Phone bezeichnen kann: Das HTC First, auf dem Facebook plötzlich weitaus mehr im Mittelpunkt steht als zuvor. Hergestellt und vermarktet wird das Smartphone indes weiter vom taiwanesischen Techkonzern.

Killerapp Home: Angriff auf die Smartphone-Nutzung

Zuckerbergs eigentliche Strategie ist indes eine andere: Am besten jedes Smartphone soll ein Facebook-Phone werden – zumindest jedes Android-fähige Smartphone. Dafür enthüllte Facebook gestern mit "Home" eine Launcher-App, die das Zeug zur Killerapplikation hat.

Home ist nicht weniger als eine Demonstration der Stärke: Nachdem Facebook 2012 die Milliarden-Nutzer-Grenze durchbrochen und auch relativ problemlos Werbung auf dem Smartphone etabliert hat, folgt jetzt die logische Konsequenz der nächsten Phase der mobilen Muskelspiele – der Angriff auf die Smartphone-Nutzung vom ersten Fingertipp an.

Cover-Feed macht den Startbildschirm zur Facebook-Zentrale

Bereits 20 Prozent der auf Smartphones verbrachten Zeit wird auf Facebook zugebracht, zitierte Zuckerberg gestern eine aktuelle Comscore-Studie. Das soziale Netwerk ist damit für viele Nutzer die meistgenutzte App. Warum sie also nicht noch mehr in den Nutzungsmittelpunkt stellen?

Das ist die Ausgangsidee von Home, das als Android-App zum Facebook-Launcher wird: Android-Nutzer funktionieren ihr Smartphone damit tatsächlich zum Facebook-Phone um. Auf dem Startbildschirm fließen über den Cover-Feed die neuesten Updates der Freunde ebenso wie Benachrichtungen ein, mit einem Doppelklick wird ein Like erzeugt. Nur ein Klick weit entfernt ist auch der Messenger.

Home: Facebooks Ausweitung der Kampfzone auf Android-Smartphones

Dank des Cover Feeds wird Facebook damit in der Smartphone-Nutzung omnipräsent, während andere Apps in den Hintergrund gedrängt werden. „Das ist die beste Version von Facebook, die es gibt“, machte Zuckerberg kräftig Werbung in eigener Sache. US-Nutzer von Android, die ein neues HTC oder Samsung-Smartphone besitzen, können Facebook Home schon Ende nächster Woche (ab 12. April) auf Google Play herunterladen.

Das HTC First, auf dem Facebook Home bereits vorinstalliert ist, startet dann ebenfalls seinen Verkauf in den USA bei AT&T für einen Kampfpreis von 99 Dollar. Wann HTCs „Facebook-Phone“ nach Deutschland kommt, ist noch unklar. Anleger gefiel Facebooks Ausweitung der Kampfzone auf Android-Smartphones unterdessen: Die zuletzt angeschlagene Aktie kletterte um drei Prozent nach oben.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige