Suizid: TV-Doc gibt Medien die Schuld

Die Sendung "Koh-Lanta" ist die französische Version der Reality TV-Show "Survivor" und lief auf Frankreichs größtem privaten Sender TF1. Während der Dreharbeiten kam es zu zwei Todesfällen. Ein Schauspieler brach während eines Wettbewerbs zusammen, daraufhin nahm sich der betreuende Arzt das Leben. In einem Abschiedsbrief beschuldigte er die Medien. In Frankreich kommt es jetzt wohl zu einer Altersbeschränkung für Realityshows.

Anzeige

Bereits am 22. März, dem ersten Drehtag von "Koh-Lanta", kam es zum ersten Todesfall: Der Schauspieler Gérard Babin brach nach Angaben seiner Mitkandidaten beim Tauziehen zusammen. Kurz darauf haben die Verantwortlichen des Senders bekanntgegeben, dass der 25-Jährige einem Herzstillstand erlegen sei. Kandidaten hätten bemerkt, dass Babin während des Spiels verkrampfe, gingen aber von einem Schwächeanfall aus. Die Umstände des Todesfalls sind bislang ungeklärt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Für die Boulevardmedien war der Vorfall ein gefundenes Fressen, auch in Deutschland. Sie zitierten anonym Zeugen, die dem Produktionsteam und Team-Arzt Thierry Costa zu langsames Eingreifen vorwerfen. Angeblich sei sogar die Anweisung gefallen, dem Schauspieler erst mal nicht zu helfen. Die Nachrichten-Seite 20min.ch hingegen berichtet, dass der Arzt die Dreharbeiten auf Grund des Zustands des Schauspielers unterbrechen wollte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. 
In der Boulevard-Zeitung Le Parisien hat Babins Anwalt zusätzlich Vorwürfe erhoben, sein Mandant könne noch leben. Er spekulierte über mangelnde Hygiene- und Sicherheitsvorkehrungen, berichtet sueddeutsche.de. "Mein Name ist in den Medien in den Dreck gezogen worden", schrieb der 38-Jährige Teamarzt Costa in einem Abschiedsbrief, den man am Drehort in Kambodscha fand. Die Anschuldigungen der Berichterstattung würden nicht der Wahrheit entsprechen, er habe sich nichts vorzuwerfen. Costa wolle mit der zerstörten Reputation nicht weiterleben.
"Dieses tragische Ereignis muss die Urheber der Anschuldigungen dazu bringen, Verantwortung für ihre Kommentare zu übernehmen", heißt es seitens der Produktionsfirma Adventure Line. Filmaufnahmen sollen Klarheit über den Vorfall bringen.
Die Show "Koh-Lanta" wurde nach den tragischen Vorfällen sofort eingestellt. Die französische Fernsehaufsicht prüft jetzt eine Altersbeschränkung für Realityshows. Sie sollen künftig für Kinder unter zwölf Jahren verboten werden.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige