Anzeige

New Scientist Deutschland steht auf der Kippe

Im November startete der deutsche Ableger des New Scientist im Spiegel-Verlag. Das Hamburger Abendblatt berichtete am Wochenende von einer Abo-Auflage von etwa 6.000 Exemplaren. Gegenüber MEEDIA bestreitet der Verlag diese Zahlen nicht, betont aber, es gäbe derzeit keine validen Daten. Dem Abendblatt-Beitrag wolle man nichts hinzufügen. Es bleibe dabei: Mitte des Jahres wolle man eine Bilanz ziehen. Für das ehrgeizige Projekt könnte dies dann bereits das Aus bedeuten.

Anzeige

In seiner Medienkolumne im Hamburger Abendblatt schrieb Kai-Hinrich Renner: "Während von dem Mutterblatt Woche für Woche knapp 140.000 Exemplare abgesetzt werden, hat sein deutscher Abkömmling offenbar Auflagenprobleme. Von einer Abo-Auflage von 6.000 Exemplaren ist in Verlagskreisen die Rede, wobei es sich bei vielen dieser Abonnements um Testabos handeln soll, von denen niemand weiß, ob sie in reguläre Abos umgewandelt werden." Und weiter: "Die verkaufte Auflage des New Scientist soll insgesamt im unteren fünfstelligen Bereich liegen." Zu wenig, um zu überleben?
Wie auch gegenüber MEEDIA bestätigt wird, soll im Sommer über die weitere Zukunft des Magazins entschieden werden. Nicht etwa wegen der aktuellen Zahlen – hier lägen keine validen Daten vor – sondern weil dieser Termin für eine Bilanz geplant gewesen sei. Klar dürfte aber sein: Wollen Chefredakteur Lothar Kuhn und sein Team den Spiegel-Verlag überzeugen, den deutschen Ableger weiter zu produzieren, müssen sie Erfolge vorweisen. 
Aktuell stehen die Zeichen jedoch eher schlecht. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Der deutsche New Scientist konnte keine Themen setzen
Das Magazin schaffte es zu selten, Impulse zu setzen und zitiert zu werden. Das gilt insbesondere für die deutschen Geschichten. Sie waren bislang nicht taktgebend genug oder fanden zumindest nicht den Weg in die Wissenschaftsredaktionen anderer Medien. Deshalb wurde der deutsche New Scientist kaum außerhalb der Zielgruppe wahrgenommen. 
Das Heft ist zu teuer
Mit 4,50 Euro geht der Erwerb des New Scientist ordentlich auf die Brieftasche. Auch im Abo ist das Magazin nur unwesentlich günstiger. Dafür geboten bekommt man gerade einmal knapp 70 Seiten.
Die Zielgruppe ist zu klein
Die Zielgruppe ist sehr klein. "Es ist unser Anspruch, das aktuellste deutsche Wissensmagazin zu sein", sagte Chefredakteur Lothar Kuhn im November im MEEDIA-Interview. Man wolle dabei verständlich sein, auch für interessierte Leser ohne Wissenschafts-Hintergrund. Für die breite Masse der Laienleser scheinen aber weiter die populären Magazine wie Welt der Wunder oder PM interessanter zu sein. Bleibt also doch nur das (überschaubare) Fachpublikum.
Das Original kannibalisiert die nationale Ausgabe
Die Leser aus dem Wissenschafts-Milieu sind aber fit im Englischen, lesen vermutlich bereits seit längerem das Original und bleiben diesem treu. Da die deutsche Version des New Scientist nur zu einem Teil eigene Geschichten aufweist und ansonsten adaptierte Beiträge des Originals publiziert, dürften viele Leser bei ihrem Abonnement des englischsprachigen Titels bleiben.
Für eine kleine Zielgruppe ist der Vertrieb zu teuer 
Aus diesen Punkten ergibt sich ein weiteres Problem: Eine Auflage im niedrigen fünfstelligen Bereich kann profitabel sein. Kostenspielig bleibt jedoch der Vertrieb, setzt man auf ein Printprodukt, das noch dazu deutschlandweit auch in Kiosken zu finden sein soll. Das gilt auch für ein Produkt, das in einem großen Verlag vertrieben wird, zumal der Erscheinungstag ein anderer ist, als der des Flagschiffs Spiegel.
Ausweg: Digital only?
Der New Scientist ist zweifelsohne eine Traditionsmarke und wartet mit guten Stücken auf. Für den deutschen Markt droht des Prestige-Projekt des Spiegel-Verlags jedoch zu scheitern. Die nationale, deutschsprachige Zielgruppe scheint zu klein, der Impact der "deutschen" Beiträge national wie international zu gering. Der Aufwand, vor allem im Vertrieb, steht daher nicht in einem passenden Verhältnis zum Ertrag.
Ein Ausweg könnte der Umstieg auf ein rein digitales Angebot sein. Dies löst das Problem des Vertriebs und der Druckkosten, die bekanntlich pro Heft umso größer sind, je kleiner die Auflage ist. Eine deutsche Tablet-Ausgabe könnte gegebenenfalls auch als Ergänzung zur englischen Print-Ausgabe vertrieben werden.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige