„Game of Thrones“: Piraterie als Kompliment

Piraterie ist böse und macht die Film- und Fernsehindustrie kaputt, heißt es immer wieder aus Hollywood. Ganz Hollywood? Nein, ein kleines Dorf namens HBO trotzt dem Trend. Und das, obwohl “Game of Thrones” die illegalen Downloadcharts anführt. Durchschnittlich vier Millionen Mal wird jede Folge der Erfolgsserie um die sieben Königreiche heruntergeladen. Für den Sender kein Grund zur Besorgnis. Programmdirektor Michael Lombardo sieht das als “Kompliment”. Aktuelle Studien stützen seine These.

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So hätten die illegalen Downloads den DVD- bzw. Bluray-Verkäufen geholfen, ließ Lombardo gegenüber der Entertainment Weekly verlauten. Im Februar verkaufte HBO zum DVD-Launch der zweiten Staffel allein am ersten Tag 241.000 Exemplare, ein Zuwachs von 44 Prozent zur ersten Staffel. Einzelne Folgen seien bis zu 355.000 Mal heruntergeladen worden, ein Anstieg von 112 Prozent zu Staffel eins. Auch die erste Folge der dritten Staffel brach im Web alle Rekorde. Aktuellen Schätzungen zufolge wurde der Staffelauftakt am Sonntag bereits eine Million Mal heruntergeladen. Durchschnittlich 163.000 Peers sorgten für eine rasante Verbreitung in P2P-Netzwerken. Bislang hielt laut TorrentFreak die US-Serie “Heroes” diesen Rekord mit 144.000 Peers.

Deutsche Fassung ab 19. April
“Piraterie ist etwas, das einhergeht mit einer überaus erfolgreichen Show im Pay-TV”, so Lombardo weiter. So wird aus der meist heruntergeladenen Serie im Netz auch der größte Umsatzbringer für HBO. Trotzdem sei man bemüht, Piraterie einzudämmen, wo es nur geht. Allerdings, so der Programmdirektor, hätte man bislang noch nicht die “Game of Thrones”-Polizei auf Patrouille geschickt.

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Die meisten illegalen Downloads kommen laut TorrentFreak aus den USA, auf Platz zwei liegt Australien gefolgt von Großbritannien. Australien gilt mit seinen 22 Millionen Einwohnern als das Land mit der höchsten Piraterie-Quote. Auch in Deutschland verfügt “Game of Thrones" über eine große Fangemeinde, die zum Launch in den Social Networks ihre Serienhelden feierte. Dass vermutlich ein Großteil der Zuschauer die Folge eins der dritten Staffel illegal heruntergeladen hatte, liegt mitunter an der restriktiven Lizenzpolitik des Heimatsenders HBO. Zugriff auf das TV-Programm haben nur Abonnenten des Pay-TV-Senders aus den USA. Zwar lassen sich die Inhalte auch über den Streamingdienst HBO Go ansehen. Allerdings haben dort nur Abonnenten Zugriff. Ähnlich verfährt bislang Sky Deutschland mit Sky Go.
Nur wenige Stunden später, am 1. April, war die erste Folge zwar in der englischen Originalfassung auf Sky Go in Deutschland verfügbar und einen Tag später auf Sky Anytime abrufbar. Vielen Serienfans dauerte das aber offenbar zu lange. Verständlich, schließlich würde sich ein Fußball-Fan auch nur ungern ein Champions-League-Finale mit mehreren Stunden Versatz anschauen. Wer sich dennoch in Geduld üben möchte: Am 19. Mai startet die lineare Ausstrahlung auf Sky Atlantic HD. "Game of Thrones” ist dann wahlweise in der deutschen Synchronisation oder der englischen Originalfassung zu sehen.

Piraterie fördert Mundpropaganda
Schon im November vergangenen Jahres kam eine Studie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und der Copenhagen Business School kommt zu dem Ergebnis, dass die Umsätze der Filmbranche seit dem Megaupload-Aus gesunken waren. Um das herauszufinden, analysierte ein Team die Umsätze von 1344 Filmen in 49 Ländern über einen Zeitraum von fünf Jahren. Demnach seien die Einnahmen vieler Kinofilme seit der Abschaltung von Megaupload erheblich zurückgegangen. Die Leiter der Studie, Christian Peukert und Jörg Claussen, machten dafür das Fehlen der nötigen Mundpropaganda verantwortlich. Während bei Blockbustern, die mit hohen Werbespendings bekannt gemacht wurden, kaum Umsatzeinbrüche spürbar waren, litten offenbar vor allem kleinere Filmproduktion an der fehlenden Vorab-Reichweite. 
Im Oktober sorgte darüber hinaus eine Studie des Institut American Assembly der Columbia University für Aufsehen, nach der aktive Filesharer mehr Geld für Musik ausgeben als Menschen, die nicht illegal Musik im Internet herunterladen. Demnach haben Filesharer in Deutschland durchschnittlich 3917 Musiktitel lokal abgespeichert, von denen 2050 kostenfrei aus legalen Angeboten heruntergeladen wurden.    

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