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Zeitreise: das ZDF im 50-Jahre-Quotencheck

Am 1. April 1963 startete mit dem ZDF einer der bis heute erfolgreichsten TV-Sender Deutschlands. Den 50. Geburtstag nimmt MEEDIA zum Anlass, um auf die TV-Quoten zu blicken - und zwar auf die aller 50 Jahre. Über die besten Zeiten in den 1970er- und 1980er-Jahren bis zum Niedergang durch das Privat-TV Anfang der 1990er Jahre und dem Konsolidierungskurs im 21. Jahrhundert: Wie hat sich der Sender entwickelt, welches waren die historischen Quotenhits - und wie sieht es heute aus?

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Als das ZDF im Jahr 1963 an den Start ging, war der Sender – logischerweise direkt die Nummer 2 des Landes. Gegen die ARD hatte man in den Anfangsjahren allerdings keine große Chance. So gewann die ARD 1963 nach MEEDIA vorliegenden Zahlen mit 87% zu 13%, der Marktanteil des ZDF steigerte sich bis 1966 nur langsam auf 26%. 1968 gelang dann aber der Durchbruch: mit 41% kam man der ARD recht nahe. Weiter nach oben ging es bis zum Jahr 1974, als der Sender den bis heute – und wohl bis in alle Zeiten – gültigen Jahres-Rekord von 48% erreichte.

1975 wurde ein neues Quoten-Messverfahren eingeführt, von nun an lagen tagesaktuelle Daten vom Vortag vor – und damit auch konkrete Zuschauerzahlen. Einer der großen Straßenfeger der späten 1970er-Jahre hieß im ZDF "Peter Alexander präsentiert". Sage und schreibe 25,29 Mio. Leute sahen die Show vom 2. Dezember 1976 – ein Rekord, der erst zehn Jahre später durch das Fußball-WM-Finale Deutschland-Argentinien getoppt wurde, das 27,02 Mio. sahen.

Bis dahin gab es aber noch weitere große ZDF-Produktionen, die mehr als 20 Mio. Zuschauer erreichten. Den Abschluss des Abenteuer-Vierteilers "Michael Strogoff" mit Raimund Harmstorf sahen am 6. Januar 1977 beispielsweise 25,14 Mio. Leute, auch die Krimireihen "Derrick" und "Der Kommissar", sowie die Show "Der große Preis" traten in den 20-Mio.-Zuschauer-Club ein.

1983 erreichte das ZDF den nächsten Meilenstein: Erstmals war man alleiniger Marktführer, schlug die ARD mit 44% zu 43%. Die großen Quotenbringer des Jahres 1983 waren vor allem "Das Traumschiff" und "Wetten, dass..?". So schaffte "Das Traumschiff" gleich fünfmal den Sprung über die 20-Mio.-Marke, am 4. Dezember sogar auf 23,40 Mio., "Wetten, dass..?" erreichte ein paar Tage später am 10. Dezember 20,40 Mio. Zuschauer.

Die Marktführerschaft verlor der Sender zwar wieder, doch große Publikumsmagneten hatte man dennoch im Programm: 1984 sahen zum Beispiel 20,67 Mio. den Heinz-Erhardt-Film "Natürlich die Autofahrer", 1986 stellte das WM-Finale wie erwähnt mit 27,02 Mio. einen neuen ZDF-Rekord auf und 1987 machte vor allem die Serie "Fackeln im Sturm" von sich reden, die mit ihren Folgen 3 bis 6 auf Werte von 21,46 Mio. bis 23,89 Mio. sprang. Auch "Das Traumschiff" und der Klassiker "Diese Drombuschs" schafften Zahlen von mehr als 23 Mio.

Ein heute beinahe vergessener Show-Flop trug sich ebenfalls in die Liste der historischen ZDF-Quoten ein. So sahen am 10. Dezember 1988 grandiose 21,72 Mio. Leute die erste Ausgabe von Frank Elstners "Nase vorn", einer Show, bei der auch das TV-Publikum mit einer Rubbelkarte mitspielen konnte. Die Reaktionen auf die Premiere waren allerdings verheerend und Ende 1990 war mit nur noch 12,46 Mio. Sehern Schluss. Heute würden alle Show-Macher des Landes über solche Zahlen jubeln. Ebenfalls 1988 auf dem Zeit ihres Erfolgs: "Die Schwarzwaldklinik" mit 20,09 Mio. Zuschauern am 23. Januar.

Inzwischen gab es auch neue Konkurrenz für ARD und ZDF: Die Privatsender gingen an den Start und bauten ihre Marktanteile Jahr für Jahr aus. Die erfolgsverwöhnten Öffentlich-Rechtlichen stürzten in der Zuschauergunst mit kaum für möglich gehaltenem Tempo ab: 1988 fiel das ZDF erstmals seit 1967 unter die 40%-Marke, 1990 unter die 30%-Marke, 1993 schon unter 20% und 1995 sogar unter 15%. In wenigen Jahren hatte man seinen Marktanteil mehr als halbiert.

20-Mio.-Zuschauerzahlen waren von da an fast nur noch Fußball-WMs und EMs vorbehalten. Immerhin schaffte "Wetten, dass..?" 1990 noch einmal 20,95 Mio. Zuschauer. Einen neuen Rekord stellte das ZDF im Jahr 1996 auf: das EM-Finale gegen Tschechien sahen Ende Juni 28,44 Mio. Leute – ein Rekord, der wie der 1986er-Rekord erneut zehn Jahre hielt.

Abseits des Fußballs war der ZDF-Quoten-Gigant der 1990er-Jahre ganz klar "Wetten, dass..?". Nach den 20,95 Mio. gab es bis 1999 immer noch Zuschauerzahlen von mehr als 18 Mio. 1990 schafften aber auch "Diese Drombuschs" noch den Sprung über die 19-Mio.-Marke und der Auftakt der Vorabendserie "Hotel Paradies", der in der Prime Time gezeigt wurde, kam am 16. Januar 1990 auf 17,82 Mio. "Derrick", "Der Alte" und "Das Traumschiff" sprangen neben "Wetten, dass..?" 1991 über die 15-Mio.-Marke, 1992 gelang das noch den "Drombuschs", die am 16. Januar 1994 mit immer noch eindrucksvollen 12,87 Mio. Zuschauern zu Ende gingen.

Besonders die Freitags-Krimis, neben "Derrick" und "Der Alte" auch "Ein Fall für zwei", erzielten auch in den Jahren 1994 und 1995 noch Zuschauerzahlen von 12 Mio. und mehr. Dem Karnevals-Klassiker "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" gelang das Mitte der 1990er-Jahre auch noch. "Derrick" ging am 16. Oktober 1998 mit immer noch 10,29 Mio. Zuschauern in Rente. Was für ein großer Erfolg "Wetten, dass..?" auch Ende der 1990er-Jahre noch war, zeigt z.B. ein Blick auf die Jahres-Charts 1999: Auf den ersten fünf Plätzen lag "Wetten, dass..?" – mit Zuschauerzahlen von bis zu 18,06 Mio.

Das neue Jahrtausend kam und die Programme mit mehr als 10 Mio. Zuschauern wurden immer seltener. Abseits vom Fußball, Olympia und "Wetten, dass..?" gelang das im ZDF noch kaum einer Sendung. Die wenigen Ausnahmen: Der Zweiteiler "Dresden", der im März 2006 starke Zahlen von 12,66 Mio. und 11,29 Mio. erreichte, die "Schwarzwaldklinik"-Reunion "Die nächste Generation", die im Februar 2005 auf 12,48 Mio. kam, und "Das Traumschiff", das 2003 und 2008 jeweils knapp über die 10-Mio.-Marke fuhr.

Trotz der geringeren Zahl von Straßenfegern nimmt der Erfolg von Fußball-EMs und -WMs weiter zu. So stellte das ZDF mit dem WM-Halbfinale 2006 zwischen Deutschland und Italien auch einen neuen Alltime-Quoten-Rekord auf: 29,66 Mio. Die erste 30-Mio.-Zuschauerzahl blieb dem ZDF aber verwährt: Die erreichte vier Jahre später Das Erste mit dem WM-Halbfinale zwischen Deutschland und Spanien, das 31,10 Mio. sahen.

Die Marktanteile des ZDF sinken seit Mitte der 1990er-Jahre zwar immer noch, aber nicht mehr so rasant wie in den Anfangsjahren des Privatfernsehens. 2007 fiel das ZDF erstmals unter die 13%, die es im Gründungsjahr 1963 erreicht hatte. Damals gab es zwei Sender, heute Hunderte. Insofern hat sich der Sender letztlich recht gut gehalten. Auch im Vergleich zur Konkurrenz geht es dem ZDF relativ ordentlich gut. Das zeigt auch die Tatsache, dass der Sender 2012 erst zum dritten Mal nach 1983 und 1989 alleiniger Marktführer war. Dafür reichen inzwischen in einem überfüllten TV-Markt jedoch ganze 12,6%.

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