Schweden-Krimi für Journalismus-Fans

Fernsehen Am heutigen Donnerstagabend zeigt das Erste die erste Folge der neuen Schweden-Krimi-Serie "Ein Fall für Annika Bengtzon". Die Verfilmungen der Romane von Liza Marklund bieten spannende TV-Unterhaltung. Medienfans dürfte vor allem der Schauplatz der Handlung gefallen: Statt wie sonst üblich aus Polizei-Perspektive werden die Kriminalfälle aus der Perspektive der titelgebenden Journalistin und ihrer Zeitungsredaktion erzählt. Autorin Liza Marklund arbeitet auch selbst als Journalistin.

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Es ist eigentlich nur ein normaler Pressetermin, den Annika Bengtzon am Rande der Nobelpreisgala in Stockholm wahrnimmt. Doch dann fallen Schüsse und die Journalistin der Nachtausgabe ist eine der wenigen Augenzeuginnen. Statt in die Redaktion geht es erst einmal zur Polizei, die der jungen Mutter zudem auch noch sehr zum Ärger ihres Chefredakteurs einen Maulkorb verpasst.
So beginnt der erste Film der neuen Reihe "Ein Fall für Annika Bengtzon", "Nobels Testament", den das Erste heute um 21:45 Uhr ausstrahlt. Weitere Episoden folgen zur gleichen Zeit am Ostersonntag und Ostermontag. Drei weitere Folgen werden im Mai gezeigt. Die einzelnen Filme sind in sich geschlossen, lediglich die private Nebenhandlung ist fortlaufend.
Alle Filme behandeln im Zentrum unterschiedliche Kriminalfälle in Stockholm oder Umgebung, an denen die Hauptfigur und ihre Redaktion mehr oder weniger direkt beteiligt sind. Die Fälle sind dabei vielschichtig. In "Nobels Testament" zum Beispiel werden im Laufe der Handlung eine ganze Reihe an Verdächtigen eingeführt. Der Fall aus "Studio 6" vermengt eine private Geschichte des Opfers mit einer möglichen Regierungsverschwörung und der Vorgeschichte von Annika Bengtzon. Ähnlich ist es in der Episode "Der rote Wolf".
Hinzu kommt in allen Filmen das Setting der Zeitungsredaktion, die im Konfliktfeld zwischen Moral und Auflage, Gründlichkeit und Zeitdruck arbeitet. Eine Redaktion, die ebenso die Wahrheit ans Licht möchte, wie die Polizei. Bezügliches des Weges dorthin und mitunter auch bei der Definition der Wahrheit haben die Journalisten aber durchaus andere Ansichten. Hinzu kommen die internen Rangkämpfe innerhalb der Redaktion, die nicht immer an einem Strang zieht. Das erinnert entfernt an die US-Serie "The Newsroom", dennoch bietet "Ein Fall für Annika Bengtzon" einen interessanten und weitgehend realistischen Blick auf die Arbeit einer Redaktion.
Die gleichnamige Buchreihe von Liza Marklund, die auch selbst als Journalistin arbeitet, ist in Schweden bereits seit geraumer Zeit ein Erfolg. Marklunds Bücher wurden in 30 Sprachen übersetzt und haben sich über 13 Millionen Mal verkauft. Die Verfilmungen, an denen von deutscher Seite unter anderen die ARD Degeto beteiligt war, könnten daran anknüpfen, ähnlich wie die Verfilmungen der Romane von Hennig Mankell oder Stieg Larsson, sowie weiterer skandinavischer Krimis, die vor allem im ZDF gezeigt werden.
Liza Marklund jedenfalls zeigt sich mit den Filmen zufrieden: "Einige Filme der Serie gehören zu den besten Krimiverfilmungen in Schweden, und das ist nicht mein Verdienst", sagt die 50-Jährige. Die Produktion schaffe es, "die Stimmung in einer Zeitungsredaktion authentisch und unterhaltend wiederzugeben." Auch für Hauptdarstellerin Malin Crépin findet Marklund lobende Worte: "Sie hat die für die Rolle perfekte Kombination aus messerscharfer Pfiffigkeit und totaler Verletzlichkeit gefunden." 
Insgesamt sind so bislang sechs spannende Filme entstanden, die bei weiten nicht nur für Journalisten empfehlenswert sind, aber vielleicht gerade für sie eine kleine Erinnerung daran sein können, weshalb sie diesen Job gewählt haben.

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