Schweiger wollte dpa-Berichte verhindern

Publishing Der Fall ging durch die Medien: Auf das Haus von Til Schweiger in Hamburg wurde ein Farbanschlag verübt. Außerdem wurde den Berichten zufolge das Auto seiner Lebensgefährtin, das direkt vor den Anwesen geparkt war, angezündet. Die Aufmerksamkeit war dem Schauspieler offenbar nicht recht: In einem Schreiben forderte sein Anwalt die dpa auf, nicht über den Vorfall zu berichten. Die dpa berichtete trotzdem - versah die Berichte aber mit einem Warnhinweis an Redaktionen.

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"Der dpa ist ein Schreiben des Rechtsanwaltes von Til Schweiger zugegangen, in dem er dazu auffordert, von einer Berichterstattung über den Farbanschlag auf das Haus des Schauspielers abzusehen. Wir sind der Auffassung, dass die dpa-Berichterstattung rechtmäßig ist, können jedoch keine Aussage über den tatsächlichen Ausgang möglicher Rechtsstreitigkeiten treffen", heißt es in einer Notiz unter der gestrigen dpa-Meldung zum Vorfall in Hamburg. 
Weiter ist in dem Redaktionshinweis zu lesen: "Wir weisen darauf hin, dass eine Verwendung dieser dpa-Meldung zu rechtlichen Auseinandersetzungen führen könnte. Auf eine breitere Berichterstattung inklusive Zusammenfassung und Fotos verzichtet dpa vorerst."
Wie die dpa gegenüber MEEDIA betont, habe es sich bei der Notiz um einen vorsorglichen Hinweis an die Redaktionen gehandelt. Das entsprechende Schreiben ("Presse-Unterweisung") sei am Montagmittag vom Schweiger-Managment an die dpa versandt worden, jedoch nicht ausschließlich an die Nachrichtenagentur gerichtet gewesen. Im Schreiben seien zudem keine konkreten rechtlichen Schritte angedroht worden, wie ein Sprecher betont.
Als der dpa das Schreiben vorlag, war bereits eine Meldung zum Farb-Anschlag über den dpa-Landesdienst Nord versendet worden. Auch nach der Aufforderung, nicht zu berichten, habe man das Thema weiter behandelt. Man sehe die Berichterstattung als gerechtfertigt an, teilte die dpa MEEDIA mit. Eine Meldung über den Basis-Dienst ging am Nachmittag, also nach Eingang der Anwalts-Post, an die Empfänger des dpa-Basis-Dienstes. Diese wurde versehen mit der oben zitierten Notiz, die Redaktionen darauf hinweisen sollte, dass es zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommen könnte. Eine größere Berichterstattung sei zu diesem Zeitpunkt ohnehin nicht geplant gewesen. Der entsprechende Satz am Ende des Hinweises stehe nicht im Zusammenhang mit der Bite des Schweiger-Anwaltes.
Trotz der möglichen Unwägbarkeiten berichteten am Montag und Dienstag zahlreiche Medien über den Vorfall. Die Bild machte ihn gar zum Aufmacher. Ebenso die Hamburger Morgenpost, der ein Bekennerschreiben zu der Tat vorliegt. Darin bekennt sich eine Gruppe namens "die Tatortverunreiniger_innen" zu den Attacken. Als Grund werden vermeintlich verherrlichende Darstellungen des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan genannt, die Schweiger mit öffentlichen Äußerungen und seinem Film "Schutzengel" transportiere.
Wie die dpa MEEDIA mitteilte, sei sie bislang nicht wieder vom Schweiger-Anwalt kontaktiert worden. Am heutigen Dienstag sei die Folge-Berichtertstattung zum Angriff auf das Haus des Schauspielers zudem fortgesetzt worden.

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