Mitfahrgelegenheit.de wird kostenpflichtig

Publishing Mitfahrgelegenheit.de ist für viele Pendler oder Wochenendreisende eine beliebte Anlaufstation im Netz. Wie es der Name verspricht, können Fahrer hier Mitfahrer finden, mit denen sie sich die Kosten teilen können und umgekehrt Reisende eine günstige und auch kurzfristige Alternative zur Bahn finden. Die Betreiber der Seite haben nun jedoch die Nutzungsbedingungen geändert. Sehr zum Ärger vieler User fallen nun für Fahrten über 100 Kilometer Gebühren an. Zudem wird eine Anmeldung verpflichtend.

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Laut eigenen Angaben stehen auf Mitfahrgelegenheit.de ständig rund 750.000 Mitfahrangebote zum Abruf bereit. Ein Buchungssystem ermöglichte für angemeldete Nutzer schon seit längerem die verbindliche Abwicklung von Fahrten. Allerdings war es den Fahrern bisher stets möglich, lediglich eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer anzugeben, über die potentielle Mitfahrer sie kontaktieren konnten. Diese brauchten dafür noch nicht einmal angemeldet sein. 
Damit ist jetzt Schluss: Ab heute wird das Buchungssystem für Fahrten über 100 Kilometer zur Pflicht. Fahrten können ausschließlich über das System organisiert werden. Bei bisher eingetragenen Fahrten stehen zum Teil zwar noch die Kontaktdaten im Inserat, bei neu angelegten Fahrten sind diese jedoch nur noch nach einer Buchungsanfrage über das neue System sichtbar.
Die Verantwortlichen schreiben, ihr System soll durch die Neuerungen "einfacher", "verbindlicher" und "zuverlässiger" werden. Für die Nutzer bedeutet es vor allem zweierlei: Um eine Fahrt zu buchen, müssen sich zukünftig auch Mitfahrer registrieren und Fahrer müssen ab sofort eine Bankverbindung angeben. 
Dies ist nötig, da Mitfahrgelegenheit.de auch für bar abgerechnete Fahrten künftig die Hand aufhält: satte elf Prozent des Mitfahr-Preises will die Seite für ihre Vermittlungsdienste haben. Die Betreiber wollen offenkundig mit ihrem Dienst nun ansprechend Geld verdienen. Eine kleine Beispielrechnung: Für eine nach Durchschnittspreis von 15 Euro abgerechnete Mitfahrt von Hamburg nach Berlin werden so immerhin 1,65 Euro Gebühr fällig – wohlgemerkt pro Mitfahrer. 
Im Fall einer Zahlung über das Buchungssystem behält Mitfahrgelegenheit.de die Gebühren direkt ein, bei Barzahlern wird es am Monatsende vom Konto abgebucht. Deshalb müssen Anbieter von Fahrten sowohl einer monatlichen Rechnungsstellung im Lastschriftverfahren zustimmen, als auch einer Identitäts- und Bonitätsprüfung.
Für viele Nutzer ist das zu viel. Sie wollen Mitfahrgelegenheit.de den Rücken kehren und suchen nach Alternativen. Protest findet sich zum Beispiel auf Twitter und uf der Facebook-Seite des Angebots. Nutzer beklagen, dass nicht weiter unkompliziert, wie bisher, Kontakt aufgenommen werden kann. So schreibt eine Nutzerin: "Weder als Fahrer noch als Mitfahrer habe ich bisher das Buchungssystem genutzt, weil ich gerade die Freiheit und Flexibilität genossen habe." Ein Twitterer regt an: "Ich würde gern 10€ pro jahr zahlen, wenn ich dafür das Buchungssystem nicht nutzen muss."
Besonderen Ärger ziehe die Gebühren auf sich. Ein Nutzer schreibt: "mitfahrgelegenheit.de wird kostenpflichtig? ich bin raus :)" eine andere hinterlässt den Hinweis: "Ich kann euch sagen, dass ihr neben mir viele andere Leute dadurch jetzt schon verloren habt!" Auch wird gefragt: "Warum finanziert ihr euch nicht mit Werbeeinnahmen, so wie jede kompetente, benutzerfreundliche Seite?!?" Auch die Bonitätsprüfung kommt nicht gut an.
Sollten Buchungssystem und Gebühren von den Nutzern akzeptiert werden, dürfte Mitfahrgelegenheit.de künftig gute Einnahmen erzielen. Wenn jedoch viele Nutzer ihre Drohungen wahrmachen und dem Dienst den Rücken kehren, könnte schnell die kritische Masse verloren gehen – und gerade die ist nötig für eine funktionierende Mitfahrer-Vermittlung. Bei Mitfahrgelegenheit.de gibt man sich allerdings optimistisch. Auf Anfrage von MEEDIA.de betonte ein Sprecher, dass man davon ausgehe, dass das neue System von den Nutzern akzeptiert werde, da es viele Vorteile biete.

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