Shades of Grey über Bertelsmann

Der Bertelsmann-Konzern hat eine durchwachsene Bilanz für 2012 vorgelegt. Viel ist die Rede von hohem Tempo. Die nackten Zahlen sind auch ganz gut: Umsatz um 4,5% auf 16,1 Mrd. Euro gestiegen. Der operative Gewinn lag mit 1,74% fast auf Vorjahres-Niveau. Das Ergebnis stieg sogar leicht von 612 auf 619 Mio. Euro. Aber ohne den Mega-Bestseller “50 Shades of Grey” wurde es weitaus düsterer aussehen, Druck und G+J schwächeln. Und am Horizont türmen sich Probleme.

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Markus Dohle ist der CEO von Random House, der Buchsparte von Bertelsmann. Und er ist der Star der Bilanz von 2012. Die Hausfrauen-Pornos aus der “50 Shades of Grey”-Reihe haben sich verkauft wie geschnitten Brot. Der schmonzettige Über-Bestseller hievte die Random-House-Bilanz auf Rekord-Niveau und rettet Bertelsmann das Jahr. Dementsprechend schien Dohle bei der Präsentation seiner Zahlen vor Stolz fast zu platzen. Der Umsatz bei Random House legte um 22,5% auf 2,1 Mrd. Euro zu. Der operative Gewinn kletterte um fabelhafte 75,7% auf 325 Mio. Euro. Was für eine irre Medienwelt, wenn die Bilanz eines Multi-Milliarden-Medienkonzerns am Erfolg des Sadomaso-Schinkens einer Ex-Stewardess zu hängen scheint.

Dohle sprach von einer “exzellenten Bestseller-Performance”. Das Problem ist: Kein Mensch kann vorhersagen, ob nächstes Jahr ein ähnlicher Wurf gelingt. Wahrscheinlich ist es eher nicht. Beim Punkt Ausblick rechnet Bertelsmann dementsprechend mit einem “normalisierten Geschäftsverlauf” für Random House. Umsatzrückgänge wegen des möglichen Fehlens eines neuen Knallers sind also schon eingepreist.

Die RTL Group ist die sichere Bank im Konzern: Sie steigerte ihren Umsatz um 3,2% auf 6 Mrd. Euro, der operative Gewinn sank allerdings um 5% auf 1,1 Mrd. Euro. Das schwache Auslandsgeschäft vor allem in Südeuropa ist schuld. Eine weniger gewichtige Rolle im Gesamtkonzert spielen die Dienstleistungssparte Arvato und die Drucksparte Be Printers. Bei Arvato legte der Umsatz zwar um knapp 6% auf 4,4 Mrd. Euro zu, der operative Gewinn sank aber um 10,4% auf 241 Mio. Euro. Bei Be Printers sank der Umsatz um 2,1%, der operative Gewinn ging um 16,7% auf 60 Mio. Euro zurück. Das mit dem Drucken ist ohne Zweifel ein auslaufendes Geschäftsmodell.

Was uns zum aktuellen Sorgenkind der Bertelsmann-Bilanz bringt: Gruner + Jahr. Der Verlag machte im vergangenen Jahr 3% weniger Umsatz, der operative Gewinn ging um dicke 27,9% auf 168 Mio. Euro zurück. Die Rendite sank von 10,2 auf 7,6%. Minus, Minus, Minus. Das ist ganz und gar nicht schön. Teilweise lässt sich die deutlich rückläufige Entwicklung bei G+J mit den Kosten für die Abwicklung der Wirtschaftspresse und Einstellung der Financial Times Deutschland erklären. Aber es lässt sich nicht verdecken, dass auch das operative Geschäft bei G+J unter starkem Druck steht. Bertelsmann-Boss Rabe war bemüht, nicht schlecht über G+J zu reden. Er lobte positive Entwicklungen in China und im Digital-Bereich. Auch die “Vitalisierung” wichtiger Zeitschriftenmarken –  er meinte wohl die Brigitte und vor allem den stern – hob Rabe gleich zu Beginn hervor. Die Sache mit G+J als integralem Bestandteil des Bertelsmann-Reichs dürfte aber noch nicht für alle Zeiten ausdiskutiert sein.

Bis 2014 hält Thomas Rabe einen Umsatz von über 18 Mrd. Euro für möglich – wenn es die berühmten “wirtschaftlichen Rahmenbedingungen” denn zulassen. Solches Wachstum muss von Zukäufen kommen. Der Bertelsmann lässt keinen Zweifel daran, dass der Konzern signifikant praktisch nur noch international und in neuen Geschäftsfeldern wachsen kann. China und Asien (vor allem Indien) stehen da ganz oben auf der Agenda. Und was die Geschäftsfelder betrifft, ruht offenbar große Hoffnung auf dem Bildungssektor und auf Business Information. Wobei hier der große Wurf, die Übernahme der Mehrheit bei Springer Science & Business Media, gerade mal wieder abgeblasen wurde.

Die Aussichten für das laufende Jahr sind also nicht ganz so rosig. RTL Group und BMG müssen den Umsatz stabil halten. Das Druckgeschäft bleibt rückläufig, G+J muss sich beweisen. Der Konzern rechnet darum mit einer “einer stabilen bis leicht rückläufigen Geschäftsentwicklung” und hofft weiter auf eine gute Zukaufsmöglichkeit. Supersexy ist das nicht.

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