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BBC-Moderator grillt Londons Bürgermeister

Es gibt Interviews, die sorgen für einen Karrieresprung. Und es gibt Interviews, die beenden Karrieren. Das Gespräch, das BBC-Moderator Eddie Mair mit dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson am Sonntag führte, ist solch ein Interview. Frage für Frage nahm sich der Journalist alte Vergehen des beliebten Politikers vor um den Anwärter auf den Premier-Posten schließlich zu fragen: "Sie sind ein widerlicher Typ, oder?" Johnson gab schließlich zu, keinen guten Eindruck hinterlassen zu haben.

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Das Interview in einem Morgenprogramm der BBC (beim Guardian gibt es eine Zusammenfassung als Video) war eigentlich als eine Art Warm-up gedacht. Einige Zeit später folgte eine Reportage über den Tory–Mann, der einer der bekanntesten Politiker Großbritanniens ist und als parteiinterner Nachfolger von Premierminister David Cameron gilt. Eigentlich hätte Andrew Marr das Gespräch führen sollen. Da dieser jedoch noch krankheitsbedingt ausfiel, setzte die BBC Eddie Mair auf den Job an, der bislang eher wenige große Auftritte hatte. Das dürfte sich bald ändern.
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Denn der Journalist wusste seine Chance zu nutzen. Er konfrontierte Boris Johnson zunächst mit einem angeblich gefälschten Zitat, das der Politiker seiner Zeit bei der Times in einen Text einbaute und das ihn schließlich seinen Job kostete. Sichtlich unvorbereitet auf diese Frage riss sich Johnson nach mehrfachen Nachhaken zu einer Erklärung hin und sagte, dass ihm der Vorfall Leid tue.
Doch damit war das Leiden für den Politiker nicht vorbei. Weiter ging es mit dem Vorwurf, er habe seinen damaligen Parteivorsitzenden Michael Howard einst angelogen, als es darum ging, ob er eine außereheliche Affäre habe. Außerdem habe Johnson 1990 einem befreundeten Geschäftsmann die Adresse eines Journalisten gegeben, obwohl dieser damit drohte, besagten Journalisten anzugreifen. 
Der Interviewer fragt den Politiker gegen Ende gar, nachdem er alle wunden Punkte noch einmal aufgeführt hat: "Sie sind ein widerlicher Typ, oder?" Die britischen Kommentatoren sind sich weitestgehend einig: Eddie Mair hat Boris Johnson regerecht abgeschossen. Der Guardian bezeichnet die Szene als "Fahrrad-Unfall von einem Interview". Johnsons Vater bezeichnete das Interview im Nachgang als "widerlich". Der Politiker selbst reagiert besonnener. 
Es sei sicherlich nicht sein bester Auftritt gewesen, zitiert ihn der Guardian. Dies sei jedoch vor allem damit zu begründen, dass er nicht auf diese Fragen vorbereitet gewesen sei. Johnsons sagt aber auch, Eddie Mair habe "einen ausgezeichneten Job" gemacht. Und weiter: "Da ist kein Zweifel, dass dies das ist, wofür die BBC da ist – uns zur Rechenschaft zu ziehen."

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