“Wetten dass..?”: der Kindergeburtstag XXL

Legt man die Quote als Maßstab an, dann geht es für Markus Lanz als “Wetten dass..?”-Moderator rapide bergab. Von knapp 14 Mio. Zuschauern bei der Premiere sank die Quote auf knapp 11, knapp 9 auf nunmehr 7,43 Mio. Zuschauer. Der zweitschlechteste Wert aller Zeiten. Die nun zu Ende gegangene erste “Wetten dass..?”-Staffel mit neuem Moderator zeigte: “Wetten dass..?” hat ein inhaltliches Problem. Die Show ist zu einem aufgeblasenen Kindergeburtstag XXL verkommen.

Anzeige

Sie haben es wieder getan. Nach dem ganzen Buhei rund um Hollywood-Star Tom Hanks, der eine lächerliche Katzenmütze auf dem Kopf tragen musste, während Markus Lanz um ihn herum Sackhüpfen spielte. In der vergangenen “Wetten dass..?”-Sendung wurde dem Sänger Michael Bublé also eine grauenhaft hässliche Katzenmaske aufgesetzt und er musste dieses eine Lied aus dem Musical “Cats” singen, sie wissen schon. Im Bild-Interview sagte Lanz hinterher, er hoffe, dass “noch viele Hanks und Bublés kommen, um unser reichhaltiges Angebot an Katzenmützen und -masken auszuprobieren.” Er hat das natürlich ironisch gemeint. Mit dem berühmten “Augenzwinkern”.

Das Problem von “Wetten dass..?” mit Markus Lanz ist, dass dieses Bild mit dem katzenbemützten Hanks und dem sackhüpfenden Moderator zum Sinnbild für seinen Show-Stil wurde. Katzenmützen- und -masken, Heiner Lauterbauch und seine Frau fahren auf Kloschüsseln durch die Gegend, Sylvie und Rafael van der Vaart ziehen auf einem Hollandrad-Tandem einen Wohnwagen, es werden Liegestütze gemacht (wahlweise mit Bierkasten oder Ehefrau), Männer ziehen Frauenkleider an, Lanz legt sich in ein Schokobad, Publikum und/oder Wettkandidaten tanzen wahlweise Gangnam Style oder Harlem-Shake – je nachdem. Man weiß vor lauter Kinderquatsch und Augenzwinkern ja weder ein noch aus.

Dieses infantile Gaga-Element wird bei den “Wetten dass..?”-Shows mit Markus Lanz deutlich überbetont. Vielleicht ist man beim ZDF der Meinung, dass Alles auf Teufel komm raus lustig sein muss – es ist aber in erster Linie nur kindisch. Dazu passt auch Lanz’ Assistentin “Cindy aus Marzahn”, die mit ihrem rosa Jogginganzug oder Lametta-Behang wie eine Art Kindergeburtstag-Animateuse in jeder Beziehung daneben steht.

Markus Lanz will als Person aber nicht recht zu diesem Wanderzirkus “Wetten dass..?” passen. Er strengt sich an, gibt vollen Einsatz, ist vorbereitet bis in die gegelten Haarspitzen, er will ein bisschen zu sehr. Lanz ist der falsche Mann, um mit Halle Berry, Tom Hanks, Denzel Washington oder 50Cent ein paar belanglose Nullkomma-Nix-Sätze auszutauschen wie einst Gottschalk. Lanz bereitet sich vor, liest im Internet und fragt dann Halle Berry, warum sie den Geruch von gebratenem Fleisch so liebt. Die Masche klappt in seiner Talkshow prima, auf der überdimensionierten “Wetten dass..?”-Bühne sind solche Fragereien Fremdkörper.

Es gibt nun weiß Gott schlimmere Sendungen als “Wetten dass..?” und man kann sich weiß Gott schlechtere Moderatoren für diese Sendung vorstellen als Markus Lanz (Jörg Pilawa zum Beispiel). Trotzdem: die Show ist zu lang, zu infantil, Moderator und Konzept passen nicht zusammen. Vielleicht nutzen Sender und Moderator  die nun anstehende Pause für ein paar konzeptionelle Überarbeitungen. Immer nur Kindergeburtstag-Remmidemmi kann erwachsenen Zuschauern nämlich ganz schön auf den Keks gehen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige