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Wirrer Web-Schaukasten der Nannen-Schule

Der 34. Lehrgang der Henri-Nannen-Journalistenschule hat sein aktuelles Praxisprojekt vorgestellt. Im Hafenmag haben sich die Nachwuchsjournalisten des Hamburger Hafens angenommen und ihn in verschiedenen Formaten beleuchtet. Im Webmagazin finden sich ausdruckstarke Texte, Fotos, Videos und Infografiken. Doch leider versäumt es der Nachwuchs, auch technisch eigene Akzente zu setzen. Der Nutzer verliert sich in einer verwirrenden Navigation, die zu sehr vom Print-Denken bestimmt ist.

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Mit einem beeindruckenden Bild begrüßt das Magazin unter Hafenmag.de seine Besucher. Im Editoral schreiben Annika Sartor und Frida Thurm stellvertretend für die gesamte 20-köpfige Klasse des Nannen-Schule-Jahrgangs "Willkommen im Hafen". Sie geben auch die Stoßrichtung vor: Der Hafen erzähle eine Menge Geschichten und die spannendsten davon sollen im Magazin zu finden sein.
"Wochenlang haben wir in unserem Multimedia-Seminar an der Henri-Nannen-Journalistenschule den Umgang mit Kamera, Mikrofon und Schnittprogramm gelernt", ist zu lesen. Das Magazin biete jedoch kein "umfassendes Bild des Hamburger Hafens – sondern unseren Blick auf ihn", schreiben die Nachwuchsjournalisten. Sie hätten die Geschichten ausgewählt, die sie am meisten gepackt hätten.
Dazu zählen ein Beitrag über die Marco Polo, das größte Containerschiff der Welt, Transporte von radioaktiven Materialien und Geschichten von Menschen, die wegen des Hafenumzugs umziehen mussten. Zweifellos spannende Geschichten. Technisch wie inhaltlich auf hohem Niveau sind auch die Videos im Magazin. Die Fotos sind ebenfalls sehr ausdrucksstark. Leider wird aufgrund fehlender Bild-Credits nicht immer ersichtlich, ob die Aufnahmen tatsächlich alle von den Schülern stammen. Wie die Macher jedoch verrieten, sind sie das.
Aber trotz all der guten Inhalte hat das Magazin ein großes Manko: Leider ist es für den Nutzer alles andere als leicht, sich im digitalen Hafen zurechtzufinden. Die Verwirrung fängt bereits damit an, dass der erste Klick (bzw. Wisch) nach rechts den Leser nicht etwa nach rechts, sondern nach oben führt. Dort wird ihm zunächst einmal die Navigation erklärt, oder es zumindest versucht. Kein gutes Zeichen, offenbar glaubt man selbst nicht daran, dass das eigene Magazin intuitiv zu bedienen ist. Überflüssigerweise werden zwei verschiedene Möglichkeiten der Navigation angeboten – hier erwartet man, dass ein Ausbilder gesagt hätte: "Entscheidet euch für eine und macht es den Leuten so leicht, wie möglich."
Statt der Pfeiltasten ist zunächst die Maus notwendig, um sich in eine Geschichte zu klicken. Doch nach unten geht es dabei nie, sondern stets seitwärts. Das ist besonders auf einem Tablet verwirrend, denn gut gemachte Tablet-Magazine nutzen schon lange die vertikale Navigation innerhalb eines Beitrags und die horizontale für Wechsel zwischen einzelnen Beiträgen. Nicht so beim Hafenmag, wo man offenbar trotz Videos und zum Teil interaktiver Infografiken dicht am Print-Vorbild hängt: Weiterblättern, weiterblättern, weiterblättern. 
Auch an anderen Stellen sorgt die Print-Denke dafür, dass Potential verschenkt wird: Es gibt keine Links, Texte lassen sich nicht markieren und obwohl jeder Beitrag eine eigene URL hat, gibt es keine Sharing-Funktionen für Twitter, Facebook oder Google+. Ein Panoramabild lässt sich nicht stufenlos scrollen, sondern nur in "Seiten".
Ausgedacht haben sich diese Navigation nicht die Journalistenschüler selbst. Für das Web-Magazin wurde das Framework des stern-Webmagazins genutzt, wie im Impressum zu lesen ist.
So bleibt das Hafenmag eine vertane Chance. Die Journalistenschüler versäumten es, ihre guten Inhalte nutzerfreundlicher zu präsentieren. Die Schule versäumte es, das innovative Potential zu nutzen, das zweifelsohne in den talentierten Nachwuchskräften steckt.

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