Bellut bei „login“: Sieger ohne Argumente

Die Haushaltsabgabe von ARD und ZDF sorgten für einen Strum der Kritik in den Medien. Vielleicht sucht ZDF-Intendant Thomas Bellut deshalb immer öfter die Diskussion. Vor einigen Wochen talkte er bei "Maybrit Illner". Jetzt suchte Bellut den Diskurs mit dem jungen Publikum – bei "login". „Ist das ZDF von gestern?“ Mit dabei: Musik-Manager Tim Renner, Medienjournalist Stefan Niggemeier und Ex-RTL-Chef Helmut Thoma. Ein klares Ergebnis gab es nicht.

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Kurz vor dem 50. Sender-Geburtstag diskutierte Intendant Bellut gestern Abend über die Daseinsberechtigung des Marktführers. "Ist das ZDF von gestern?", fragte "login"-Moderator Wolf-Christian Ulrich. Bellut fiel darauf keine bessere Antwort ein, als mit jüngsten Erfolgen zu prahlen: "Gerade haben die Zuschauer Unsere Mütter, unsere Väter gesehen. Ein tolles Programm, auch für junge Zuschauer. So eine Fiction gibt es nur bei uns." Die Fakten sollten die Diskussion schon abkürzen: Der Durchschnitts-Zuschauer des ZDF ist 61 Jahre alt – pardon: "wir sind übrigens nur noch 60 im Durchschnitt", korrigierte Bellut den Moderator. Na dann!

Jüngste Erfolge waren Belluts einzige Argumente. So wies er – wie es sich gehört – darauf hin, dass das ZDF im vergangenen Jahr die Marktführung übernommen habe. "RTL ist der Verlierer des Jahres und liegt am Boden. Das Publikum möchte nicht mehr auf diese Weise unterhalten werden." Das Privatfernsehen befinde sich in einer Abwärtsspirale. Und dennoch: Beim jungen Publikum rennt die private Konkurrenz weiter davon. Bleibt die Frage: Darf die Quote das ZDF eigentlich interessieren? Es befindet sich im Schwitzkasten zwischen Quotendruck und Programmauftrag. Passt das in der heutigen Gesellschaft eigentlich noch zusammen? Wenn alles Feuilletonistische zu 3sat und alles Politische zu Phönix wandere, gehe das Hauptprogramm kaputt, meinte Renner. Recht haben, mochte er in dem Punkt. Die Diskussion im Internet forderte einheitlich mehr innovative Formate, Umstrukturierungen der Sendeplätze. Die Chancen hat das ZDF wohl schon verpasst.

Der bei der Jugend beliebte Sender zdfKultur? Abgeschafft! Und auch Jugend selbst wurde dem ZDF weggeschnappt – Joko und Klaas, Roche & Böhmermann, Stuckrad-Barre – weg, weg, weg! Für Bellut ist das nur ein Zeichen des Erfolgs, ein Kompliment quasi, dass man Nachwuchs gefördert habe. Wichtiger als das junge Publikum zu halten, scheinen Quotengaranten zu sein. Rund 150 Millionen Euro soll das ZDF für drei Jahre Champions League geblecht haben – ein Programm, das auch die Privaten mühelos – und gerne! –  geleistet hätten. "Jeder Sender braucht seine Leuchttürme", meinte Bellut dazu.

Beim Thema Champions League meldeten sich dann auch die anderen Talk-Gäste zu Wort. Für Thoma, dessen bisherige Kommentare sich auf: "Das Einfallsreichste, was die ARD und ZDF in den letzten 30 Jahren eingefallen ist, ist die Haushaltsabgabe", beschränkte, gab es in der Hinsicht keine Diskussion. "Selbst dem Marktführer ist es zu teuer geworden." Das ZDF treibe dank Gebühren die Preise in die Höhe. Ein Punkt, der sich für Niggemeier wunderbar mit dem Thema Transparenz verknüpfen ließ. Er forderte mehr öffentliche Zahlen und weniger Ministerpräsidenten in den Gremien. Bei Bellut stieß dies auf Verständnis: "Ich bin bereit, darüber zu reden." Die Zusammensetzung der Gremien sei aber Sache der Politik – recht hat er! Wo war die eigentlich am gestrigen Abend?

Am Ende von login durften die Zuschauer entscheiden, wer am Bildschirm überzeugt hat. Mit 59 zu 41 Prozent gewann Tim Renner. Warum? Keine Ahnung, überzeugen konnte keiner wirklich. Heimlicher Gewinner war aber dann doch der ZDF-Intendant. Weil er sich stellte, weil er bereit war zu diskutieren.
Wer die Sendung verpasst hat: In der ZDF-Mediathek kann sie noch mal gesehen werden.

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