NRW: Weniger Zeitungen, mehr Blogs

Publishing 4,8 Millionen Einwohner in NRW (26,8 %) haben keine Wahl zwischen verschiedenen Regionalzeitungen. 57 Prozent der Bürger stehen immerhin zwei Zeitungen zur Verfügung. Das sind Ergebnisse einer Studie des Formatt-Instituts über Situation und Ausblick des Lokaljournalismus in Nordrhein-Westfalen. Im Vergleich zu 1992 verschlechterte sich die Medienvielfalt dramatisch. Immerhin wachse mittlerweile das Angebot an lokaljournalistischer Berichterstattung im Internet beständig.

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1992 konnten noch über 90 Prozent der NRW-Bürger zwischen verschiedenen Zeitungen wählen. Etwa ein Viertel habe damals sogar unter drei verschiedenen regionalen Zeitungen wählen können. Während sich diese Werte bis 2002 kaum verändert hätten, sei es in den vergangenen Jahren zu einer dramatischen Entwicklung gekommen. Gleichzeitig haben laut Studie, die die Medienministerin Angelica Schwall-Düren in der vergangenen Woche im Medienausschuss des Landtags vorgestellt hatte, die regionalen Zeitungen in NRW fast ein Viertel ihrer verkauften Auflage eingebüßt.
Nach wie vor seien in NRW die lokalen und regionalen Zeitungen dominierend. Sie würden überwiegend im Abonnement verkauft, der Einzelverkauf spiele mit etwa fünf Prozent kaum eine Rolle. Allgemein unterscheide der Zeitungsmarkt in NRW sich nicht grundlegend von jenen der meisten anderen Bundesländer, erklären die Verfasser der Studie.
Horst Röper, Leiter des Formatt-Instituts und Autor der Studie erklärt: "Überrascht hat uns, dass der Umfang der lokalen Berichterstattung der Zeitungen im Vergleich zu Untersuchungen aus den Jahren 1990 und 1993 trotz der derzeitigen Krise der Branche ausgeweitet worden ist. Ermöglicht wurden diese Umfangerweiterungen über Kooperationen zwischen den Lokalredaktionen." Das Problem sei jedoch: Diese Kooperationen gingen oft zu Lasten der Konkurrenz zwischen den einzelnen Blättern. 
Die Untersuchung zeigt aber auch: Das Angebot an lokaljournalistischer Berichterstattung im Internet wachse beständig. Auch reine Online-Medien seien vertreten und seien eine willkommene Ergänzung zum etablierten Medienangebot, da sie die Vielfalt der Berichterstattung stärken. Dies habe eine Fallstudie über den Regierungsbezirk Arnsberg gezeigt.
Wegen der noch schwachen Werbefinanzierung registriere die Studie aber sowohl quantitativ als auch qualitativ Einschränkungen bei den lokaljournalistischen Online-Angeboten. Im Bericht ist zu lesen: "Neue Portale entstehen, andere verlieren an Breite im Angebot und an Aktualität oder verschwinden vollständig. Die Szene ist volatil. Das hängt u. a. damit zusammen, dass Journalisten zeitweilig bei Onlineportalen eine ‚Parkposition‘ finden, bei einem besseren beruflichen Angebot dann aber zu den klassischen Medien zurückkehren."
NRW-Medienministerin Angelica Schwall-Düren will angesichts der Untersuchungsergebnisse den Journalismus gezielter fördern. Sie erklärt: "Aus dem anhaltenden Strukturwandel erwachsen große Herausforderungen für den Lokaljournalismus." Aufbauend auf den Ergebnissen der Studie werde man "mit der Stiftung ‚Vielfalt und Partizipation‘ neue Wege in der Journalismusförderung beschreiten."
Den vollständigen Bericht der Studie gibt es hier.

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