Fußballradio 90elf verliert Bundesliga-Rechte

Bitterer Tag für das Fußball-Radio 90elf und all seine Hörer: Die DFL hat die Audiorechte für die Bundesliga ab der Saison 2013/14 vergeben und 90elf ging dabei leer aus. Stattdessen erwerben die ARD und Sport1 die Rechte. 90elf zeigt sich "unendlich enttäusch". Man sei bei dem Vergabe-Verfahren an die "Grenzen des wirtschaftlich Machbaren gegangen". Wie es mit 90elf weiter geht, steht nun in den Sternen, denn ohne Bundesliga-Rechte werden dem Anbieter große Teile des Publikums abhanden gehen.

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Dass die ARD den Zuschlag für die Radio-Rechte der 1. und 2. Bundesliga erhält, ist wenig überraschend. Mit Sport1, das das Paket "Audio Netcast" erwarb, also die Rechte an Web- und Mobile-Übertragungen aller Spiele, tritt nun aber ein neuer Akteur bei den Audio-Rechten auf. Sport1-Chefredakteur Olaf Schröder äußerst sich dazu erst einmal nur sehr allgemein: "Mit dem Erwerb der Audio-Verwertungsrechte Web und Mobile bauen wir unser digitales Portfolio weiter aus. Ab der neuen Saison erreichen wir unsere Zuschauer und User auch über Radio – neben Free- und Pay-TV, Online und Mobile." Was genau Sport1 mit den neuen Rechten vorhat – ob man die Bundesliga künftig also per Web und App übertragen möchte – oder ob man das Paket in irgendeiner Form z.B. auch bei der Bild unterbringen möchte, für deren Bundesliga-Pläne die Sport1-Schwester Plazamedia schon mit an Bord ist – das ist zur Stunde noch unklar. 

Klar ist, dass Sport1 den Mitbieter 90elf nun in die schwerste Krise des Unternehmens bringt: "Wir sind natürlich unendlich enttäuscht über diese Entscheidung!", so Florian Fritsche, Chef der 90elf-Mutter Regiocast Digital. Und weiter: "Wir haben in den zurückliegenden Wochen gekämpft wie die Löwen, haben eine überzeugende Bewerbung abgegeben und sind bei unserem Gebot an die Grenzen des wirtschaftlich Machbaren gegangen. Wir können mit erhobenem Haupt vom Platz gehen auch wenn wir dieses ‚Spiel‘ verloren haben. 90elf ist eine starke Marke mit einem großen Wert, auch ohne die Bundesliga-Live-Rechte", so Fritsche.

Ob die Marke aber tatsächlich so stark ist, dass sie auch ohne Bundesliga weiter leben kann, ist sehr fraglich. Wenn, dann sicher nur mit deutlich kleinerer Mannschaft. Denkbar wäre dann beispielsweise ein Ausbau von Übertragungen aus der 3. Liga oder internationalem Fußball. Dasselbe wie bisher wäre 90elf damit aber nicht.

Fritsche weiter: "Wir haben ein tolles Produkt entwickelt, das mehrfach ausgezeichnet wurde und bis heute wirtschaftlich auf gesunden Beinen stand. Auf dieser Grundlage und unserer inzwischen umfangreichen Erfahrung haben wir ein echtes Geschäftsmodell entwickelt. Wir wissen sehr genau, welche Summen refinanzierbar sind und ab wann es nur noch strategische Gebote sind", erklärt Fritsche. Diese Worte vergrößern die Fragezeichen hinter den Plänen von Sport1 noch.

90elf will die laufende Saison nun erst einmal ordentlich zu Ende bringen: "Diese Zeit werden wir nutzen, um uns über die Zukunft von 90elf Gedanken zu machen", so Fritsche.

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