„So macht Geschichtsaufarbeitung Spaß“

Selten war sich die TV-Kritik so einig: Der ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ ist, beispielsweise für Zeit-Autor Nikolaus von Festenberg, „das am meisten beeindruckende Unternehmen der jüngeren Fernsehzeit“. Etwas salopp formulierte Eckahrd Fuhr in der Welt: „Bier kalt gestellt und drei Abende lang Nazis geguckt! So macht Geschichtsaufarbeitung Spaß.“ Via Twitter lobt das Altpapier: „Nico Hofmanns ZDF-Dreiteiler #UMUV kostete 15 Mio Euro. Und kein einziger Kritiker ruft "Verschwendung!"

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Spiegel Online fragt, warum soll ich mir 270 Minuten Kriegsgräuel antun? Die Antwort: „Weil man im deutschen Film noch nie so unmittelbar in den Nationalsozialismus eingestiegen ist. Wie wurden Mama und Papa, Oma und Opa Teil eines verbrecherischen Systems? Und waren sie Verblendete oder schlicht Verzweifelte? Ein TV-Ereignis, dass schmerzhafte Fragen unausweichlich macht.“

Nikolaus von Festenberg (Zeit): „Mitten im Vielen das Besondere. Der ZDF-Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter, die fiktive Rekonstruktion des großen kriegerischen Mordens an Körpern und Seelen, ist das am meisten beeindruckende Unternehmen der jüngeren Fernsehzeit. Nicht wegen des Themas, sondern wegen der Form“. Weiter schreibt von Ferstenberg: „Man entdeckt: Das Medium perfektioniert sich als Geschichtserzähler, als selbstbewusster Historiker, der gelernt hat, was er kann und was er nicht kann. Vergangenheit ist zwar vorbei, aber das Fernseherzählen von Vergangenem ist Fernsehzukunft“.

Auch bei Welt Online lobt Eckhard Fuhr die Macher und die Machart der Serie: „Nico Hofmanns Produktionsfirma Teamworx hat inzwischen so viel Erfahrung mit dem Genre, dass sie uns mit "Unsere Mütter, unsere Väter" nicht enttäuschen wird. Also den Sessel zurechtgerückt, Bier kalt gestellt und drei Abende lang Nazis geguckt! So macht Geschichtsaufarbeitung Spaß.

In der taz schreibt Jürn Kruse über den Drehbuchautoren Stefan Kolditz: „Als 2010 die Bücher fertig waren und ein Regisseur für dieses Großprojekt gesucht wurde, schrieb Kolditz an Heike Hempel, die ZDF-Hauptabteilungsleiterin Fernsehfilm: „Wir sollten hier nicht auf Nummer sicher gehen. Das ist womöglich das Projekt unseres Lebens.“

Hajo Schumacher (Berliner Morgenpost): "Das Lebenswerk des TV-Produzenten Nico Hofmann, von den eigenen Eltern inspiriert, verwendet die schlaue Dramaturgie amerikanischer Serien, ist historisch genau ohne kompensatorische Penibilität und hat den Mut, nicht das erste naheliegende Moralurteil zu fällen. Stattdessen werden Vielschichtigkeit und Zerrissenheit gezeigt, jene Zwischenwelten, die eisige Achtundsechziger ihren Eltern nicht zugestehen mochten, was nur zu längerem und noch verbissenerem Schweigen führte."

Josef Seitz kommentiert bei Focus Online: „Es ist ein anderer Kriegsfilm, der Nico Hofmann diesmal gelungen ist. Unsentimental ist er erzählt. Sogar auf die tragende Liebesgeschichte verzichtet das ZDF. Der Tod trifft hier nicht auf Helden. Und die, die überleben, werden sehr nachvollziehbar zu Schurken. „Der Krieg“, hat es zu Beginn geheißen, „wird nur das Schlechteste in uns zum Vorschein bringen.“ Selten war diese Schurkenmaschinerie so klar dargestellt.“

Auch die Zuschauer waren begeistert. So twitterte Marin Köhler: „Hey @ZDF Primetime. Und dann das: Großes Fernsehen. Erschütternd. Bewegend. Was für ein Auftakt! Völlig fertig. Herzlichen Dank!! #umuv“. Frau_Brecht zwitschert: „Episch! #umuv das @zdf bietet 2013 die besten TV- Events. Denke auch an Adlon“. Kritisch merkt Alf Frommer an: „Auch wenn es gutes TV ist, ein wenig wirkt #umuv wie ein Film der im Schnelldurchgang Häkchen an alle Nazi-Verbrechen macht.“

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