Paid-Content: die Bundesliga-Pläne der Bild

Publishing Bild ist jetzt noch näher am Ball und noch dicker im Fußballgeschäft – mit interessanten Folgen für das Fußball-Business. Für den DFL-Manager Christian Seifert ist allein der Umstand, dass Springer die Bewegtbild-Rechte für die Bundesliga kaufte „eine neue Dimension“. Immerhin ist einer der wichtigsten Berichterstatter jetzt Medienpartner. Nicht ohne gewissen Stolz merkt Seifert an: „Bislang haben sie berichtet ohne zu bezahlen. Das ändert sich jetzt“. Seine genauen Paid-Content-Pläne hat der Verlag jetzt verraten.

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Glaubt man dem Konzernvorstand Andreas Wiele, dann kann sich Springer erst mit dem Ende der Sommerpause und den Start der neuen Bundesligasaison als wirklich komplettes Medienhaus fühlen. Denn neben Texten und Bildern, können die Berliner dann zum ersten Mal auch exklusives Bewegtbildmaterial anbieten. Und nicht irgendwelche Clips, sondern Bilder von der TV-Sportart Nummer eins.

Die Überlegung der Verlagsmanager ist einfach: Wenn es ein journalistisches Produkt gibt, für das die Menschen in Deutschland tatsächlich bereit sind Geld auszugeben, dann ist es Fußball. Ohne die Bundesliga hätte Sky keine Überlebenschance und die beste Möglichkeit ein wirklich erfolgreiches Paid Content-Modell im Internet einzuführen, geht wohl nur mit der tatkräftigen Hilfe von Jürgen Klopp, Bayern München und den Millionen von deutschen Fußball-Fans.

Die Pläne, die Springer nun am gestrigen Donnerstag in der verlagseigenen Ulsteinhalle im Berliner Verlagsgebäude vor rund 200 Fußball-Promis und Marketing-Profis präsentierte, sind ehrgeizig und durchdacht. Vor allem dürfte die ARD wenig begeistert sein. Ihr Sportflaggschiff hat nämlich einen ernsthaften Konkurrenten bekommen, auch wenn der Bild-Sportchef Alfred Draxler abwiegelt. „Wir wollen die heilige Kuh Sportschau nicht schlachten“. Denn eigentlich mache man kein Fernsehen, sondern „Fußball im Internet“.

Trotzdem ist das neue Paid-Angebot auch eine Kampfansage an die Free-TV-Berichterstattung. Denn Bild wird vor der ARD senden und sich im Gegensatz zum klassischen Fernsehen nicht mehr an eine lineare Erzählform halten müssen.

Bild-Bundesliga startet immer eine Stunde nach Abpfiff. Also Samstags ab 18.20 Uhr. Von der ersten Sekunde an, sind alle Spielberichte gleichzeitig online. Damit ist das neue Angebot gleich doppelt schneller. Zum einen braucht die „Sportschau“ immer bis nach 18.30 Uhr, bis sie den ersten Spielbericht einer Bundesligapartie zeigt und bis dann die Top-Spiele dran sind, ist es oftmals schon nach halb acht.

Die Bild-Berichte gibt es in zwei Versionen. Zum einen als 90-Sekündige Highlights und als klassischen Zusammenfassung über sechs Minuten. Produziert werden die Videos von der Sport1-Tochter Plazmedia. Ab Sonntagmitternacht hebt sich dann die Bezahlschranke und alle Zusammenfassungen sind frei.

Für die Bild.de-Sportredaktion bedeute dies, dass sie von diesem Moment an alle Artikel, die sich auf eine Bundesligapartie beziehen auch mit den passenden Bewegtbildmaterial ausstatten können. So etwas gab es derart noch nie. Springer deckt jetzt tatsächlich, Print, Online und Bewegtbild ab. Die Artikel können Text, Fotos und Videos enthalten. Zudem wollen die Berliner einen Rückkanal in die Redaktion einrichten. Heißt: Über eine Dialogfenster können die Leser direkt Fragen an die Sport-Redakteure richten, die garantiert immer ein Kollege beantwortet. Die Kommentar-Hotline soll täglich zwischen sieben und 24 Uhr besetzt sein.

Die ehrzeigen Pläne von Springer wissen als Konzept durchaus zu überzeugen. Allerdings hängt ihr Erfolg vor allem von einem Faktor ab: Sind die Nutzer im Web bereit für Zusammenfassungen der Fußball-Bundesliga zu zahlen? Diese Frage lässt sich jedoch erst dann seriös beantworten, wenn klar ist, wie teuer die Bild-Bundesliga sein wird. Was die Preisgestaltung betrifft, hüllen sich die Berliner noch in Schweigen.

An dem Erfolg des Produktes scheint zumindest der DFL-Manager Seifert keine Zweifel haben. Er denkt schon einen Schritt weiter. „Wir alle sind gespannt was passiert, wenn die Abdeckung von Smart-TVs steigt“. Denn dann ließe sich das Fußball-Angebot von Bild auf den eigenen Fernseher, in Full-HD zeitgleich mit der „Sportschau“ anschauen. Für die öffentlich-rechtlichen Programmmacher dürfte das keine schöne Vision sein.

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