Bertelsmann: lieber Musik statt Science

Bertelsmann hat erklärt, an dem Fachmedien- und Wissenschaftsverlag Springer Science & Business Media (SSBM) nicht länger interessiert zu sein. Lange wurde Bertelsmann als heißer Käufer-Kandidat gehandelt. Angeblich wollten die Gütersloher 70 Prozent an Springer. Finanziert werden sollte der Deal wohl mit Erlösen aus dem Verkauf von RTL-Anteilen. Jetzt machte der Vorstand um Thomas Rabe einen Rückzieher. Stattdessen soll das Musikrechtegeschäft ausgebaut werden.

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“Der Bereich Business Information zählt für Bertelsmann zu den strategischen Wachstumsplattformen. Deshalb verfolgen wir hier mehrere Investitionsoptionen – Springer Science ist allerdings nicht darunter", teilte ein Bertelsmann-Sprecher mit. Parallel meldete das in Sachen Bertelsmann stets exzellent informierte manager magazin (mm), dass der Medienkonzern sein Geschäft mit Musikrechten ausweiten will.

Erst kürzlich hat Bertelsmann vom Mit-Gesellschafter KKR, ein Finanzinvestor, die Mehrheit am Musikrechteverlag BMG Rights Management für kolportierte 250 Mio. Euro übernommen. Hinzu kamen laut mm nochmals Schulden-Übernahmen in Höhe von rund 500. Mio. Euro. Laut Thomas Hesse, der im Bertelsmann-Vorstand für Konzernentwicklung und Neugeschäft zuständig ist, soll der Umsatz bei BMG in vier bis fünf Jahren von 300 auf 500 Mio. Euro wachsen. Hesse im manager magazin: “Wir sind im Markt extrem gut verdrahtet und sehen eine ganze Reihe von Akquisitionsmöglichkeiten.” Bertelsmann verfüge “über die nötigen finanziellen Mittel für die nächsten Schritte.”

Eine klassische Rolle rückwärts – immerhin hatte Bertelsmann 2006 die Musikrechtefirma BMG für 1,6 Mrd. Euro an Vivendi verkauft. Bei Springer wurde eine ähnliche Rolle rückwärts nun erstmal abgeblasen. Bis 2003 gehörte SSBM zum Bertelsmann-Reich (damals BertelsmannSpringer), dann wurde der Verlag an die Finanzinvestoren Cinven und Candover verkauft, der BertelsmannSpringer mit dem niederländischen Wissenschaftsverlag Kluwer Academic Publishers fusionierte und daraus Springer Science + Business Media formte. Ironischerweise stockte Bertelsmann damals mit dem Verkaufserlös seine RTL-Anteile auf. jetzt will man RTL-Anteile loswerden, um woanders einzukaufen. Medien-Monoply nach Gütersloh-Art.

Der Verkauf des Fach- und Wissenschaftsverlags wird auch ohne Bertelsmann weiter vorangetrieben. Laut Bloomberg forciert der Eigentümer EQT, ein Finanz-Investor, den Verkauf oder einen Börsengang und erhofft sich angeblich bis zu 4 Mrd. davon.

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