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Im Kika-„Sumpf“ droht eine Schlammschlacht

Die MDR-Intendantin Karola Wille hat mit sofortiger Wirkung Steffen Kottkamp, den bisherigen Programmgeschäftsführer des öffentlich-rechtlichen Kinderkanals (Kika) gefeuert. Hintergrund sind Ermittlungen gegen Kottkamp in Zusammenhang mit dem Kika-Betrugsskandal. Kottkamp weist die Vorwürfe von sich und bezeichnet sich selbst in einem offenen Brief als "Bauernopfer". Wille habe weggeschaut. Kottkamp kündigt an, über Korruption beim MDR auszupacken

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Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt gegen Kottkamp im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal rund um den ehemaligen Herstellungssleiter Marco K., der den Kinderkanal mit gefälschten Rechnungen um Millionen geprellt hatte. Nachdem bekannt wurde, dass die Staatsanwaltschaft auch gegen Kottkamp ermittelt, wurde dieser zunächst beurlaubt. turi2 zitiert aus einem offenen Brief Kottkamps, in dem dieser vom "Sumpf" beim Kinderkanal schreibt. Die jetzige Intendantin und frühere MDR-Justiziarin Wille habe "wie alle anderen aktiv oder passiv weggeschaut".
Kottkamp kündigt an, über ihm bekannte Korruptionsvorgänge beim MDR gegenüber Gremien und der Presse "auszupacken". Der MDR hat Kottkamp als Ergebnis einer internen Untersuchung nach Akteneinsicht fristlos entlassen. Beim MDR heißt es: "Die arbeitsrechtliche Bewertung der Vorgänge führte jetzt zur sofortigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem Programmgeschäftsführer." Laut MDR-Mitteilung geht es um "monatliche Bargeld-Flüsse in den Jahren 2009 und 2010 zwischen dem ehemaligen und mittlerweile zu einer Haftstrafe verurteilten Herstellungsleiter des Kika und einem Mitarbeiter". Das Bargeld stamme aus überhöhten Rechnungen, die eine externe Firma an den Kika gestellt hatte. Programmgeschäftsführer Kottkamp bestreitet laut MDR, eine Beteiligung an den Vorgängen.

Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt aktuell auch gegen Kottkamps Vorgänger Frank Beckmann, der mittlerweile als Fernsehdirektor beim NDR tätig ist. Ihm wird Untreue vorgeworfen, weil die Kosten seiner Abschiedsfeier vom Kika zu hoch gewesen seien. Der NDR hat in seinem Medienmagazin "Zapp" jüngst über den Fall berichtet.

Der Kika ist ein Gemeinschaftsprogramm von ARD und ZDF. Die ARD-Anstalt MDR ist dabei der federführende Sender.

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