Groupon und die gierigen Samwers

Es ist eine der interessantesten Internet-Reportagen der letzten Jahre, die in jedem Hochglanz-Magazin den Titel schmücken würde: Die großartige Aufstieg-und Fall-Geschichte von Groupon im Tech-Portal The Verge. Besonders für deutsche Leser ist der Artikel "Gier ist Groupon: Kann irgendjemand das Unternehmen vor sich selbst retten?" interessant. Man lernt einiges über die Samwers, die lange Zeit am Rabattportal beteiligt waren. Für The Verge sind die Berliner mitschuldig am Niedergang von Groupon.

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Es ist eine der interessantesten Internet-Reportagen der letzten Jahre, die in jedem Hochglanz-Magazin den Titel schmücken würde: Die großartige Aufstieg-und Fall-Geschichte von Groupon im Tech-Portal The Verge. Besonders für deutsche Leser ist der Artikel "Gier ist Groupon: Kann irgendjemand das Unternehmen vor sich selbst retten?" interessant. Man lernt einiges über die Samwers, die lange Zeit am Rabattportal beteiligt waren. Für The Verge sind die Berliner mitschuldig am Niedergang von Groupon.

Das Raumschiff hob steil ab – doch bevor es die Stratosphäre durchbrechen konnte, ist etwas passiert. So lässt sich die furiose Geschichte von Aufstieg und Fall des am schnellsten wachsenden Internet-Unternehmens der letzten Jahre beschreiben: Auch nach dem harten Aufprall an der Börse elektrisiert die Groupon-Story noch immer.

Henry Blodget hat sie 2011 im Business Insider von der Gründung bis zum IPO erzählt, doch seitdem ist eine Menge passiert. Das im vergangenen Jahr mit viel Ambitionen und jeder Menge Startkapital gegründete Techportal The Verge hat die Groupon-Saga nun weiter erzählt: "Gier ist Groupon: Kann irgendjemand das Unternehmen vor sich selbst retten?"

„Wenn Eric Lefkofsky ein Hai ist, dann sind die Samwers Killerwale“

Doch das 15.000-Zeichen-Epos ist mehr als nur eine Abrechnung mit dem gerade gefeuerten Gründer  Andrew Mason. Tatsächlich rücken in den USA eher unbekannte, diesseits des Atlantiks aber höchst vertraute Protagonisten ins Visier von The Verge: die Samwers!

Die Berliner Internet-Unternehmer kommen bei The Verge, gelinde ausgedrückt, nicht gut weg: „Wenn Eric Lefkofsky ein Hai ist, dann sind die Samwers Killerwale“, zitiert The Verge eine Quelle aus dem Unternehmen. Zusammen mit Gründer Lefkovsky habe Oliver Samwer auf einen schnellen Börsengang gedrängt und die Option einer Übernahme durch Google verworfen.  Berater wie die angesehene Internet-Analystin Mary Meeker, Starbucks-CEO Howard Schultz, aber auch Netscape-Gründer Marc Andreessen hätten Groupon von einem schnellen IPO abgeraten.

CEO Andrew Mason musste vor zwei Wochen gehen

Im November 2011, gerade mal drei Jahre nach der Gründung, debütierte Groupon  jedoch bereits mit größten Ambitionen an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq. Groupon galt seinerzeit als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt. Am ersten Handelstag schossen die Groupon-Aktien um über 50 Prozent in die Höhe und waren für einen kurzen Moment 20 Milliarden Dollar wert. Es sollte der Höhepunkt sein.

Alles, was danach folgte, war ein langer, einsamer Abstieg. Groupon schaffte es einfach nicht, schwarze Zahlen zu schreiben. Nach beständigen Quartalsenttäuschungen verloren Anleger immer mehr das Vertrauen. Vorläufiger Negativ-Höhepunkt Ende Februar: Die Bekanntgabe der Geschäftsdaten für das abgelaufene vierte Quartal, in dem Groupon abermals 81 Millionen Dollar verlor und gleich den Ausblick auf das laufende Geschäft kassierte.

Die angeschlagene Groupon-Aktie implodierte daraufhin um weitere 25 Prozent an nur einem Handelstag. Die Quittung folgte nur 24 Stunden später: Der Aufsichtsrat zog die Reißleine und feuerte CEO Mason nach Handelsschluss.

Interims-CEO Lefkofsky: „Für ihn ist Gier gut, Geld ist alles, was zählt“

Seitdem leitet Mitbegründer Eric Lefkofsky die Geschicke wieder interimsmäßig. Glaubt man The Verge, ist der 43-jährige Internet-Unternehmer aktuell das Hauptproblem des angeschlagenen Online-Rabattanbieters: „Für ihn ist Gier gut, Geld ist alles, was zählt“, erklärt ein früherer Groupon-Mitarbeiter.  

Mit den Samwers, die durch die Übernahme von CityDeal an Groupon beteiligt und ebenfalls auf schnellen Erfolg aus waren, hatte Lefkofsky seinen kongenialen europäischen Partner gefunden. „Wir wollten die Rakete zum Fliegen bringen, und keiner würde sie stoppen“, zitiert The Verge eine mit Groupon vertraute Person.

Samwers sorgten für „einen Kulturschock, der sich sehr schlecht auf die Moral auswirkte“

Tatsächlich waren Lefkofsky und CEO Andrew Mason vom operativen Geschick ihrer europäischen Statthalter so überzeugt, dass die Samwers bei Groupon immer mehr das Heft in die Hand nahmen. Und das offenbar mit allen Mitteln: „Ich habe in meiner Laufbahn noch nie so schlechte Arbeitsbedingungen gesehen“, wird eine Quelle zitiert, die das in mehreren Groupon-Büros in Europa gesehen hat. „Es war ein Ausbeuterbetrieb, das genaue Gegenteil, was Mason in Chicago geschaffen hatte.“

Doch: „Lefkofsky und Mason erlagen dem Zauber der Samwers.“ Irgendwann in 2011 überstiegen die teuer erkauften Umsätze in Europa sogar das US-Geschäft. Deutsche Manager rückten in die USA-Zentrale ein und läuteten einen „Kulturschock ein, der sich sehr schlecht auf die Moral auswirkte.

Ein halbes Jahr nach dem Börsengang war die schwarz-rot-goldene Magie zu Ende – die Samwers zogen sich zurück, hinterließen aber nach Meinung von The Verge ein Schlachtfeld: „Ihr Erbe bleibt. Die enorme Expansion hat ein Chaos hinterlassen, das einen großen Einfluss auf Groupons aktuelles Geschäft hat. (…) Groupons Niedergang nach dem IPO kann zu einem Großteil dem Einfluss der Samwers zugeschrieben werden.“ So deutlich sind deutsche Medien bislang nicht geworden.

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