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Franziskus: elf Fakten zum neuen Papst

Er ist ein Papst der Gegensätze und doch wird im das Potenzial nachgesagt, die katholische Kirche in wichtigen Fragen zu einen. Er gilt als stiller Intellektueller, aber auch als weltoffener Pragmatiker. Sein Heimatland Argentinien feiert Franziskus schon als Volkshelden. Die Kardinäle loben ihn für seinen bescheidenen Lebensstil und den Einsatz für Armen. Der eigene Ordnen warf ihm jedoch die Nähe zur Militärdiktatur vor. MEEDIA hat die wichtigsten Fakten zum neuen Pontifex zusammengetragen.

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Der Erste, in mehrfacher Hinsicht: Mit Jorge Mario Bergoglio als neuem Papst hat der Vatikan für gleich mehrere Premieren gesorgt. So ist Franziskus der erste Pontifex aus Lateinamerika und damit der erste Nicht-Europäer seit 1.272 Jahren. Der gebürtige Argentinier ist zudem der erste Jesuit, der zum Papst gewählt wird.

Liebling der Kardinäle: Tatsächlich hatte der 76-Jährige bei der letzten Papstwahl gute Chancen. Angeblich sollen damals bis zu 40 Kardinäle für ihn als neuen Pontifex gestimmt haben. Sein Verzicht hätte schließlich Weg für die Wahl von Joseph Ratzinger freigemacht.

Der Bescheidene: Er ist eines von fünf Kindern italienischer Einwanderer, weswegen er neben der argentinischen auch die italienische Staatsbürgerschaft besitzt. Als Sohn eines Bahnangestellten wuchs der 76-Jährige in einfachen Verhältnissen auf, besuchte eine technische Schule und machte einen Abschluss als Chemie-Techniker, bevor er 1957 ins Priester-Seminar ging. Dass er auf den vatikantypischen Pomp nur allzu gern verzichtet, bewies auch sein erster Auftritt auf dem Balkon des Petersdoms. Auf den pelzbesetzten Umhang verzichtete Franziskus. Wo es ging, soll er als Bischof von Argentinien lieber den Bus genommen haben als die Limousine. Den offiziellen Sitz des Bischofs mied er, wohnte in einem einfachen Apartment. Die öffentlichen Verkehrsmitteln tauscht er nun wohl gegen das Papamobil ein.

Der Erz-Konservative: Als Bergoglio die Gesetzesvorlage der argentinischen Regierung zur gleichgeschlechtlichen Ehe kurzerhand als "Teufels-Manöver" bezeichnete, hagelte es Kritik. Argentiniens Staatschefin Cristina Kirchner erklärte, dass derlei Äußerungen doch an die Zeiten der Inquisition erinnere.

Der Doch-nicht-so-Konservative: Auch wenn Franziskus Homosexualität nicht gutheißt, wich er in der Vergangenheit von der konservativen Kirchendoktrin ab und kritisierte Priester, die sich weigerten, die Kinder alleinerziehender Mütter zu taufen. In einem so erzkatholischen Land wie Argentinien keine leichte Entscheidung. Im Jahr 2001 wusch und küsste er die Füße von Aids-Patienten in einem Hospiz.

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Der Denunziant: Mehrfach wurde Kritik laut, die Bergoglio eine Nähe zur argentinischen Militärdiktatur vorwarf. Damit nicht genug: So soll er unter anderem für das Verschwinden von Mitgliedern des Jesuiten-Ordens im Jahr 1976 verantwortlich sein, die ihn nach ihrer Freilassung für die Festnahme verantwortlich machten. Bergoglio erklärte, er habe sie noch rechzeitig gewarnt. Ordensbrüder hatten ihm zudem vorgeworfen, sich zu wenig gegen die damalige Regierung gestellt zu haben.

Der Name: Bergoglio gab sich den Namen Franziskus, der des Heiligen Franz von Assisi. Der Begründer des Franziskaner-Ordens war für seine überaus bescheidene Lebensweise bekannt. Dabei ist Franziskus eigentlich Jesuit. Die Jesuiten haben sich dem besonderem Gehorsam gegenüber der Kirche und dem Papst verpflichtet und sind in vielen Ländern als Missionare tätig. Wegen des strikten Gehorsams und der örtlichen Flexibiltät fanden die Jesuiten schnell Verbreitung in der katholischen Kirche. Heutzutage gelten sie als intellektuelle Elite im Kirchenstaat.

Der Kommunikator: Auch wenn der neue Pontifex bislang als medienscheu gilt, wird sich das vermutlich recht schnell ändern. Immerhin erwartet man von dem Oberhaupt der katholischen Kirche auch Präsenz. Von Vorteil könnte sein, dass der erste nicht-europäische Papst der Neuzeit viele Sprachen beherrscht. Neben Spanisch und Englisch spricht Bergoglio auch Italienisch und Deutsch, seitdem er sich Mitte der Achtziger für seine Dissertation länger im Land aufhielt.

Der Gegensätzliche: Franziskus könnte als neuer Papst Brücken schlagen. Das konservative Lager schätzt seine Arbeit bei den Jesuiten, der Rest bewundert ihn für die Arbeit in den Entwicklungsländern und den Einsatz für die Armen. Er gilt als Intellektueller, ist aber auch ein Pragmatiker, der den direkten Kontakt zu den Menschen sucht. Globalisierung und Ökologie sind seine Themen. Etwas gewagt formuliert könnte man fast behaupten: Dieser Papst ist am Puls der Zeit. Dennoch lehnt er Abtreibung, die Home-Ehe und Verhütung ab.

Der Liberale
: Konservativ, aber doch liberal? Zumindest beim neuen Papst können sich Kritiker Hoffnung machen, dass die katholische Kirche liberaler wird. "Wenn sich die Kirche nicht öffnet, nicht rausgeht, und sich nur um sich selbst schert, wird sie alt", hatte der neue Papst vor einiger Zeit erklärt (Übersetzung Spiegel Online). Wenn er die Wahl hätte zwischen einer Kirche, die sich beim Rausgehen auf die Straße Verletzungen zuzieht und einer Kirche, die erkrankt, weil sie sich nur mit sich selbst beschäftigt, dann hätte er keine Zweifel. "Ich würde die erste Option wählen."

Der Argentinier: Ähnlich der Euphorie, als Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt wurde und die Bild die legendäre Zeile “Wir sind Papst” druckte, feiert Argentinien den neuen Pontifex. Nach den Fußballern Maradona und Messi ist Franziskus der neue Volksheld. Übrigens: Der 76-Jährige ist ein Fußball-Fan. Sein Lieblingsverein San Lorenzo ernannte ihn sogar zum Ehrenmitglied. Sein Vater spielte für die Basketball-Abteilung von San Lorenzo.

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