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Der neue Papst als „zweite Hand Gottes“

Kein leichter Job für die internationale Presse. Mit Jorge Bergoglio ist ein relativ Unbekannter zum neuen Papst gewählt worden. Innerhalb kurzer Zeit mussten die meinungsführenden Medien zu einer Einschätzung kommen. Für die FAZ ist er ein „Jesuitischer Anwalt der Armen“, für die New York Times kam das Konklave zu einer „konventionellen Lösung“. Die beste Zeile brachte die Frankfurter Rundschau mit „Und wieder kommt die Hand Gottes aus Argentinien“. Die Top-Titelseite lieferte diesmal die Welt kompakt ab.

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In der New York Times beschreiben Emily Schmall und Larry Rohter Franziskus als eine „konventionelle Lösung“.

Dem widerspricht Andrew Brown im Guardian. Für ihn ist die Wahl „ein außergewöhnlicher Sprung weg von dem konservativen und behutsamen Verhalten der letzten zwei Päpste“.

Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung): „Die katholische Kirche hat einen neuen Papst – nach einem grandiosen Schauspiel, das die Welt offenbar umso mehr fasziniert, je ferner sie der Kirche rückt. Die Kraft dieser Kirche bröckelt und bröselt, aber die Kraft der Bilder, die diese Kirche aus dem Vatikan liefert, ist stärker denn je.“

Die beste Titelseite in Deutschland lieferte die Welt kompakt

Nach Meinung von Klaus-Dieter Frankenberger (FAZ) vollzieht die katholische Kirche mit der Wahl nur das, „was in den vergangenen Jahren schon Weltpolitik und Weltwirtschaft beschäftigt hat: die Hinwendung zu den aufstrebenden Regionen und Nationen des Südens und die Abwendung von Europa und dessen Herabstufung“.

Allerdings merken Josef Oehrlein und Daniel Deckers in der FAZ auch an: „Die Rolle Bergoglios in der Militärdiktatur (1976 bis 1983) ist nicht ganz geklärt. Ihm wird von manchen eine gewisse Nähe zu den damaligen Machthabern nachgesagt. Innerhalb der Ordensprovinz gab es Spaltungen. Viele, die damals zu ihm hielten, haben den Orden später verlassen.“

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De Telegraaf aus den Niederlanden analysiert: „Mit der Wahl des neuen Papstes Franziskus schlägt die Kirche von Rom nach Jahren des Stillstands einen neuen Weg ein. Der argentinische Kardinal Bergoglio, der gestern überraschend schnell aus der Mitte der 115 Kardinäle gewählt wurde, machte mit seinem ersten öffentlichen Auftritt deutlich, dass ein neuer Wind durch den Vatikan wehen wird.“

Neue Zürcher Zeitung: „Mit diesem Entscheid bekennt sich die katholische Kirche endlich auch im Papstamt zu ihrer Verfasstheit als Weltkirche, trotz der immer noch herrschenden europäischen Dominanz des Kardinalskollegiums. Das ist ein wichtiger Schritt. Die Tatsache, dass Bergoglio Sohn italienischer Einwanderer ist, dürfte den Kardinälen aus Italien die Zustimmung einfacher gemacht haben.“

In der Zeit Kommentiert W. Thielmann: "Die Kardinäle sind alt und ängstlich geworden. Sie haben einen der ihren zum Papst gemacht, einen, der alt ist und ihre Angst versteht. Es muss etwas geschehen, aber es darf nichts passieren. So haben sie den zweiten Übergangskandidaten in Folge gewählt. Immerhin, der Vorgänger hat Franziskus einen neuen Trumpf in die Hand gegeben: Er kann zurücktreten."

Die Welt erklärt den neuen Papst zu einem Mann, der nicht "den medienwirksamen Auftritt sucht, sondern einer, der persönlich sehr bescheiden lebt. So konnte es passieren, dass man ihn plötzlich in einer U-Bahn der Hauptstadt sitzen sah oder in einem der vielen Busse, den ‚colectivos‘."

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