Unterhaltsame Nadelstiche vom „Minister“

Guttenberg ist zurück. Nachdem Sat.1 in den vergangenen Wochen in Wahlkampf-Manier mit großen Plakaten für die Satire "Der Minister" geworben hat, wurde der Sender gestern mit einer guten Quote belohnt. Auch Zuschauer konnte man zufrieden sein: Die Satire bot kurzweilige Unterhaltung und vermochte es dennoch, den einen oder anderen Nadelstich zu setzen, der zum Nachdenken zwingt. Beeindruckend war auch die hohe Zahl an kleinen liebevollen Details im Film.

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Nein, natürlich sahen wir gestern bei Sat.1 nicht die Geschichte von Herrn zu Guttenberg, sondern die von Franz Ferdinand von und zu Donnersberg. Große Mühe, die Kunstfigur, das Plagiat, wenn man so will, vom Original zu entfremden, hat man sich dennoch nicht gemacht. Ganz im Gegenteil: Die satirischen Entsprechungen von zu Guttenberg und seiner Frau Stefanie (gespielt von Kai Schumann und Alexandra Neidel), von Bild-Chef Kai Diekmann ( "Jan Breitmann", gespielt von Thomas Heinze), Angela Merkel ("Angela Murkel", verkörpert durch Katharina Thalbach) in den Hauptrollen waren sehr nah an den Originalen.
Überzeichnet freilich – aber ähnlich wie etwa bei "Switch reloaded" allein dadurch vom Original zu unterscheiden. Regie, Kamera und Maske leisteten aber nicht nur bei den Protagonisten gute Arbeit. Große Mühe gab man sich auch bei den Nebencharakteren, die zum Beispiel die SPD-Troika, Horst Seehofer oder Annette Schavan darstellen sollten. 
Für die Geschichte als solche musste sich Drehbuch-Autorin Dorothee Schön gar nicht viel zusätzlich einfallen lassen, immerhin bot das Original genug Stoff, den sie nur noch anreichern musste. So wurde für "Der Minister" die Figur des Max Drexel (Johann von Bülow) erfunden. Er ist der beste Freund von zu Donnersberg und als dessen Ghostwriter nicht nur für fast alle politischen Ideen verantwortlich, die der sonst meinungsfreie Politiker hervorbringt, sondern vor allem auch für dessen falsche Doktorarbeit.
"Als Karl-Theodor Guttenberg in der Öffentlichkeit die Plagiate in seiner Doktorarbeit damit begründete, dass er als gestresster Familienvater den Überblick über die Quellen verloren habe, da stellte sich bei mir sofort das Bild eines einsam schuftenden Doktoranden ein, an dem seine kleinen Kinder und die Ehefrau zerren – nur dass dieser in meiner Vorstellung gar nicht Guttenberg selbst gewesen ist. Ein Politiker wie Guttenberg hat schließlich Ghostwriter und Mitarbeiter, die für ihn Reden oder Presse-Statements schreiben. Und so entstand die Idee einer Freundschaftsgeschichte zwischen einem Politiker und seinem Berater", verriet Dorothee Schön. Den Berater machte sie dann zugleich zum Ich-Erzähler der Geschichte, was im deutschen TV eher unüblich ist, hier aber gut funktionierte. 
Da der Plot als solcher vom Leben bereits geschrieben wurde, konnten sich die Minister-Macher darauf konzentrieren, Details und Anspielungen in den Film einzubauen. Da ruft am Ende etwa der Herr Wulff beim "Blitz-Kurier"-Chef an, der sich fragt, was der wohl wolle. Auch die Modelleisenbahn von Horst Seehofer spielte eine Rolle. Herrlich auch die Persiflage auf die 3D-Bild als in einer Szene Murkels Mann seiner Frau die 3D-Brille überreicht, damit diese die Zeitung lesen kann. Auch den Fall Schavan hat man mit einem Satz aus dem Off ("Wer zuletzt lacht, lacht am besten") eingebaut.
Aber: "Der Minister" ist kein platter Comedy-Film, sondern eine Satire. Sie führt den Zuschauer zurück in die Guttenberg-Zeit und hält Medien und Wählern den Spiegel vor Augen (nicht nur den mit den "fabelhaften Guttenbergs"). Echte Zitate finden immer wieder in den Film. Auch die Bilder von Guttenberg auf dem Time Square, bei "Kerner" in Afghanistan oder auf den Boden sitzend im Bundeswehr-Flugzeug kommen vor. Der Zuschauer lacht, wird aber auch gezwungen sich damit auseinanderzusetzen, wie er den Minister damals sah und wie das rückwirkend zu betrachtend ist. 
Insofern bot "Der Minister" auch ein Lehrstück über Populismus und Verführbarkeit in der Demokratie. Schön, dass es das im deutschen Privat-TV noch gibt. Die Figur der Angela Murkel sagt im Film zum Fall zu Donnersberg, dass sie sich schäme, ihm Rückendeckung gegeben zu haben. Das tue sie allerdings nur heimlich, denn zeigen dürfe sie es nicht. "Der Minister" bot den Zuschauern auch die Möglichkeit sich rückwirkend für den Fall Guttenberg so ein bisschen zu schämen und gleichzeitig darüber zu lachen.
"Der Minister" kann auf Sat.1 hier online angeschaut werden

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