Macht Bertelsmann die deutsche Huff-Po?

Ausgerechnet Bild-Chef Kai Diekmann heizt die Gerüchte um eine deutsche Ausgabe der Huffington Post an. Via Twitter verbreitet Diekmann das Gerücht, der deutschen Ableger der Huffington Post erscheine “bei den Freunden von Bertelsmann”. Wahrscheinlich würde das Online-Portal dann bei der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr angedockt. Es ist nicht das erste Mal, dass eine deutsche HuffPo-Version in Verbindung mit G+J gebracht wird.

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Schon 2011 kündigte Jimmy Maymann, der bei AOL für die Internationalisierung der Huffington Post zuständig ist, bei MEEDIA den Start einer deutschen Ausgabe des in den USA erfolgreichen Newsportals an. Lange Zeit fand man aber keinen deutschen Verlag, der für eine deutsche Ausgabe mit der HuffPo kooperieren wollte. Spiegel, Burda, der Süddeutsche Verlag und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben abgewunken. Auch Gruner + Jahr soll sich zunächst dagegen entschieden haben.

Ein Grund für die breite Ablehnung sind auch die Positionen der Verlage zum Leistungsschutzrecht. Auch in den USA ist die HuffPo umstritten, weil in großem Ausmaß Berichte anderer Medien aggregiert werden. Einer der Punkte also, den das Leistungsschutzrecht künftig honoriert bzw. unterbunden haben will. Dadurch fielen die Pro-Leistungschutzrecht-Kämpfer Springer und Burda schon einmal als Käufer aus.
Allerdings hat Arianna Huffington, Gründerin des Portals, dem Hause Burda ihre Prominenz in Deutschland überhaupt zu verdanken. Dafür verantwortlich war unter anderem Ex-Burda-Manager Marcel Reichart, der für Hubert Burda den DLD-Kongress ins Leben rief und die Beteiligungsfirma DLD Ventures geleitet hat. Reichart sorgte zusammen mit Burda dafür, dass Huffington im Rahmen des DLD einer großen Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Reichart wechselte 2012 von Burda zu Bertelsmann, wo er als "Executive Vice President digitale Unternehmensentwicklung und Partnerschaften" das Digitalgeschäft vorantreiben soll. Mit seinen guten Beziehung zu Huffington liegt es nahe, dass Bertelsmann, beziehungsweise G+J als möglicher Partner wieder in Frage kommt. Dafür spricht auch, dass der Verlag künftig verstärkt ins Digitalgeschäft investieren will. Auf 200 Millionen Euro will Stan Sugarman, Digitalchef von Gruner + Jahr, das Digitalgeschäft am Baumwall steigern. Möglich machen sollen vor allem Zukäufe in Höhe von 100 Millionen Euro. Im Gegensatz zu Hubert Burda Media will Sugarman nicht auf E-Commerce setzen, sondern mit inhaltlichen Angeboten wachsen.

Auch das manager-magazin berichtete Anfang Februar, dass beide Parteien wieder die Gespräche aufgenommen hätten. Der Ausbau des Digital-Geschäfts hat am Baumwall Top-Priorität, denn das klassische Verlagsgeschäft steht weiter unter Druck. Eine Kooperation mit der Huffington Post könnte da relativ schnell bedeutende Reichweiten-Zuwächse im Web bringen.

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