Anzeige

Arianna Huffingtons kruder Talk-Auftritt

Lange Zeit galt Arianna Huffington als die Vorzeigefrau der Internetbranche. Sie ließ sich als "Königin der Blogger" feiern und hatte mit der Huffington Post vermeintlich die Zukunft des Journalismus aufgezeigt. Den Erfolg des Blogkonglomerats monetarisierte sie 2011 mit dem Verkauf an AOL, wo sie zur Contentchefin aufstieg. Doch seitdem wurde ihr Einfluss bei AOL beschnitten. Wer ihren TV-Auftritt bei Comedian Bill Maher am Wochenende verfolgte, dürfte sich fragen, wie es Huffington überhaupt so weit bringen konnte.

Anzeige
Anzeige

Lange Zeit galt Arianna Huffington als die Vorzeigefrau der Internetbranche. Sie ließ sich als "Königin der Blogger" feiern und hatte mit der Huffington Post vermeintlich die Zukunft des Journalismus aufgezeigt. Den Erfolg des Blogkonglomerats monetarisierte sie 2011 mit dem Verkauf an AOL, wo sie zur Contentchefin aufstieg. Doch seitdem wurde ihr Einfluss bei AOL beschnitten. Wer ihren TV-Auftritt bei Comedian Bill Maher am Wochenende verfolgte, dürfte sich fragen, wie es Huffington überhaupt so weit bringen konnte.

Die Alpha-Frauen der Internetbranche bestimmen in diesen Tagen die Schlagzeilen. Marissa Mayer übernahm Yahoo und setzte schnell eigene Akzente – auch wenn die nicht jedem gefallen, wie etwa jüngst mit ihrem Vorstoß zur Beendigung der Heimarbeit.

Ihre frühere Google-Kollegin Sheryl Sandberg leitet seit fünf Jahren die operativen Geschicke bei Facebook und bestimmt in diesen Tagen mit ihrem Buch "Lean In" wie wohl keine zweite Frau die Debatte über die Rolle des schwachen Geschlechts in der modernen Arbeitswelt.

Krönung der Karriere: Lebenswerk an AOL für 315 Millionen verkauft…

Das wirft die Frage auf, was eigentlich aus einer anderen großen Vorzeigefrau der Internetbranche geworden ist? Arianna Huffington galt mit dem Aufkommen ihrer Internet-Zeitung Huffington Post als eine der Powerfrauen des Silicon Valley.

Tatsächlich bewies die gebürtige Griechin auch einen ausgeprägten Geschäftssinn, als die 62-Jährige vor zwei Jahren ihr Lebenswerk an AOL für stolze 315 Millionen Dollar verkaufte und sich in der früheren Time Warner-Tochter auch noch die Führungsposition als Contentchefin sicherte.

Dort zeigte sie Zähne – und feuerte bald mit Michael Arrington, dessen Blog TechCrunch von AOL für eine vergleichsweise kleine zweistellige Millionensumme übernommen wurde, die Ikone der US-Start-up-Branche.

…aber 225 Millionen Dollar liegen lassen

Doch seitdem geht es bergab für Huffington: Im vergangenen Jahr wurde ihre Rolle bei AOL zurechtgestutzt. CEO Tim Armstrong nahm ihr den Titel der übergeordneten Content-Chefin wieder weg und machte sie wieder zu dem, was sie bis dahin war: Chefredakteurin der Huffington Post. Monate später holte AOL Techcrunch-Chef Michael Arrington und MG Siegler mit neuer Kolumnisten-Tätigkeit wieder zurück nach Hause – Huffington war öffentlich bloßgestellt worden.

Anzeige

Auch finanziell lief mit AOL nicht alles optimal: Durch ihr Beharren, bei der Übernahme unüblicherweise in Bargeld statt in Aktien ausgezahlt zu werden, hat Huffington bis heute rund 225 Millionen Dollar liegen lassen – in der Spitze war es sogar mehr als die doppelte Summe der 315 Millionen Dollar. Die AOL-Aktie hat seit dem Tag der Übernahme bis heute um 75 Prozent – und damit weit mehr als die Technologiebörse Nasdaq – zugelegt.

Peinlicher Auftritt bei Bill Maher

Dass Huffington es insgesamt vielleicht nicht so mit der Börse hat, bewies die Frau eines früheren Öl-Millionärs erst am Wochenende in einem TV-Auftritt bei Comedian Bill Maher. Offenbar als Gast mit Internet-Hintergrund gebucht, sollte sich die 62-Jährige zum aktuellen Apple-Bashing und dem Börsenabsturz des Techpioniers äußern.

"Das ist ein anderes Thema hier", belehrte Huffington Maher selbstbewusst.  "Das Problem ist, dass die Börse auf Erwartungen beruht. Sie können eine kleine Firma sein, aber die Erwartungen übertreffen", gab Huffington noch die Expertin. Um dann zu einem Klopper anzusetzen, den man nicht mal von einem Start-up-Praktikanten erwarten würde: "Das ist auch der Grund, warum sich Amazon entschlossen hat, sich von der Börse zurückzuziehen."

"Huffington-Zinger: Amazon hat sich entschlossen, sich von der Börse zurückzuziehen"

Wie bitte? Noch mal: "Das ist der Grund, warum sich Amazon entschlossen hat, sich von der Börse zurückzuziehen." Entweder Arianna Huffington weiß mehr als der Rest der Welt und verbreitet das exklusiv im Comedy-TV – oder sie ist über das zweitwertvollste Internet-Unternehmen so schlecht informiert wie über einen namenlosen Goldförderer in Nigeria.

Dabei tut Huffington so, als wisse sie mehr: "Sie wollen die Zwangsjacke der Quartalsbilanzen ablegen", doziert Huffington, die ihnen "die Welt…,…die Straße, äh…, die Wall Street auferlegt hat", verhaspelt sich die Internet-Unternehmerin ganz so, als wisse sie wirklich überhaupt nicht, worüber sie da gerade redet.

Fest steht: Amazon ist seit 1997 börsengelistet. Konzernchef Jeff Bezos hat bis heute nicht mal in einem Nebensatz angedeutet, dass er den weltgrößten Online-Einzelhändler von der Börse nehmen möchte. Arianna Huffington hat schon mal einen besseren Eindruck hinterlassen als in diesen Tagen…

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*