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Wie WiWo-Tichy über die Tagesschau lästert

In der "Tagesschau" vom Montag redete Sprecher Thorsten Schröder in einem Beitrag zum Gedenken an die Erdbeben und Tsunami-Katastrophe vor zwei Jahren in Japan davon, dass die 16.000 Toten allein auf den Reaktor-Unfall in Fukushima zurückzuführen seien. Grünen-Politikerin Claudia Roth machte sich die mindestens missverständliche Formulierung bei Facebook zu eigen. Roland Tichy, Chefredakteur der WirtschaftsWoche nahm dies zum Anlass, bei Twitter faktenfrei über die "Tagesschau" zu lästern.

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Im O-Ton sagt "Tagesschau"-Sprecher Thorsten Schröder in der kritisierten Anmoderation vom Montag: "Japan gedenkt heute der Opfer der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vor zwei Jahren. Ein Erdbeben der Stärke neun hatte damals den Nordosten des Landes erschüttert und eine bis zu zwanzig Meter hohe Tsunamiwelle ausgelöst. In der Folge kam es zu einem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Fukushima. Dabei kamen ungefähr 16.000 Menschen ums Leben. Tausende gelten immer noch als vermisst."
Durch diese Formulierung, die in der 7 Uhr- und 8 Uhr-"Tagesschau" benutzt wurde, wird fälschlicher Weise der Eindruck erweckt, die Toten seien auf den Reaktorunfall zurückzuführen. In der Tat sind sie jedoch den Naturkatastrophen zum Opfer gefallen. Ab 9 Uhr korrigierte die Redaktion die Moderation. Schröder sagt dann, dass die Menschen der ungefähr 16.000 Opfer gedenken. Erst anschließend werden die Kernschmelzen erwähnt, zu denen es "in Folge der Naturkatastrophe" gekommen sei.
Im Netz regte sich dennoch Protest über die unsaubere Formulierung. Bei "Die Achse des Guten" wird der Beitrag unter dem Stichwort "Öffentlich rechtlicher Qualitätsjournalismus" zitiert. Auch die Gründen-Chefin Claudia Roth geriet wegen des Fukushima-Gedenkens in einen veritablen Shitstorm.
Auf ihrem Facebook-Profil ist am Montag zu lesen: "Heute vor zwei Jahren ereignete sich die verheerende Atom-Katastrophe von Fukushima, die nach Tschernobyl ein weiteres Mal eine ganze Region und mit ihr die ganze Welt in den atomaren Abgrund blicken ließ. Insgesamt starben bei der Katastrophe in Japan 16.000 Menschen, mehr als 2.700 gelten immer noch als vermisst." 
In den Kommentaren beklagen Nutzer "gezielte Falschinformationen", "perverse Stimmungsmache" und "Gehirnschwund". Ein Nutzer schreibt: "Frau Roth, es ist zynisch, menschenverachtend, respektlos und niederträchtig, wie Sie hier 16000 Opfer einer Naturkatastrophe, 16000 Menschen, die allein und ausschließlich durch den Tsunami ums Leben gekommen sind, für Ihre Antiatomideologie missbrauchen! Das ist unterste Schublade!" 
Das Team der Grünen-Parteivorsitzenden sah sich gezwungen, wenig später eine Klarstellung zu posten: "Es tut uns leid, dass wir aufgrund der Knappheit des Textes leider den Eindruck erweckt haben, als wären die insgesamt rund 16.000 Tote in Folge des Reaktorunfalls in Fukushima gestorben. Richtig ist natürlich, dass sie in Folge des am 11. März 2011 durch ein schweres Erdbeben ausgelösten Tsunamis gestorben sind, der auch zu den drei Kernschmelzen in Fukushima führte. Wir bitten diesen unbeabsichtigten Fehler zu entschuldigen." Die Entschuldigung überzeugt viele Leser jedoch nicht, sie kritisieren weiter, schreiben, die Entschuldigung sei nicht glaubhaft. 
Und dann ist da noch der Chefredakteur der WirtschaftsWoche, Roland Tichy. Er nahm die verpatzte Meldung der "Tagesschau" zum Anlass, bei Twitter ordentlich über die ARD-Nachrichten zu lästern. Als ihn dann ein Nutzer auf den Facebook-Eintrag von Claudia Roth hinwies, antwortet Tichy: "vermutlich braucht ihr Pressesprecher keinen Einfluss auf die ‚Tagesschau‘ nehmen, er arbeitet bereits dort…" Auch auf Tichys Facebook-Profil sammelten sich schnell Nutzerkommentare, die der ARD Grünen-Propaganda vorwerfen.
Der WiWo-Chef twittert kurz darauf in kurzer Folge: "Quelle der fehlerhaften ‚Tagesschau‘-Meldung über erfundene 16.000 Atom-Tote: Tatsächlich Die fbSeite von Claudia Roth. Nicht zu fassen" und "Quelle der ‚Tagesschau‘-Falschmeldung: Claudia Roths Facebookeintrag wird Tagesschaumeldung. Nicht zu fassen GEZ". 
Aber: Der Nachrichten-Beitrag lief um 7 Uhr und um 8 Uhr morgens, der Facebook-Eintrag der Grünen-Politikerin wurde um 14:33 Uhr veröffentlicht. Die "Tagesschau" kann den Facebook-Kommentar von Claudia Roth gar nicht als Quelle gehabt haben. Wenn überhaupt, hat das Team von Claudia Roth die Tagesschau-Meldung übernommen. Nachdem er auf die Ungereimtheiten hingewiesen wurde, will der WiWo-Chef seine Twitter-Kommentare auf Nachfrage ironisch verstanden wissen.
Update (12.03.13, 16:45 Uhr):
Auf MEEDIA-Anfrage hinsichtlich der Formulierung in der Tagesschau am 11.03. antwortete Dr. Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD-aktuell: 
"Es ist bei Nachrichten der Normalfall, dass sich Meldungen im Laufe eines Tages verändern – so auch am Morgen des 11. März. Das "Dabei" in der Meldung um 7 Uhr war korrekt, da es sich inhaltlich auf das Erdbeben bezog. Da aber offensichtlich einige Zuschauer diesen Bezug missverstanden haben, war die Formulierung in der aktualisierten Fassung noch besser." 

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