Jauch, Maschi, Brüderle und das Nichts

Was wäre davon zu erwarten, wenn Sebastian Vettel sich hinsetzte, um über ein Tempolimit in der Formel-1 zu diskutieren? Oder wenn man Al Capone eine Runde hätte leiten lassen, in der es um die Gefahren des organisierten Verbrechens geht? Nichts. Genau das bekam der TV-Zuschauer gestern nach dem Schweiger-”Tatort” bei “Günther Jauch” serviert, als der ARD-Großverdiener über hohe Manager-Entlohnungen talkte. Als Gaststars dabei: Carsten “AWD” Maschmeyer und Rainer “Dirndl” Brüderle.

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Wenn Jauch in der Sendung vom gestrigen Sonntag zum x-ten mal fragte, ob das denn nun “gerecht” sei, dass die arme Krankenschwester oder der Altenpfleger soundsoviel weniger verdiene als der reiche Martin Winterkorn von VW, dann hätte man eigentlich am liebsten “Halt!” gerufen und gefragt, was denn der Herr Jauch so verdient und ein Kameramann bei seiner Produktionsfirma und ob er das nicht auch so ein bisschen aus den Fugen geraten findet. Zwischen den Zeilen und dem Stirnrunzeln konnte man sich so ungefähr denken, welche Haltung Jauch zum Thema hatte. Als er dem VW-Arbeiter etwa vorrechnete, dass die 15 Millionen für Winterkorn doch gar nicht sooo viel sind, wenn man bedenkt wieviel Gewinn der Konzern macht und wieviele Mitarbeiter der hat.

Zumal Winterkorn immerhin kein öffentliches Geld verbrät und VW anerkanntermaßen gut managt. Bei Jauchs Performance im öffentlich-rechtlichen TV dagegen sind mittlerweile deutliche Fragezeichen angebracht. Da saß er also wieder mit seinen großen Karteikarten, las seine Fragen ab und machte große Augen. Wenn er sich gleich traute, etwas in seiner Wahrnehmung Verwegenes oder Freches zu tun, etwa AWD-Gründer Maschmeyer mit den üblichen gestanzten Vorwürfen zu konfrontieren, dass er für den Ruin von vielen Kunden verantwortlich ist, dann rutschte er kurz in seinem Stuhl rum. Günther Jauch – der ewige Konfirmand.

Weil er das eigentliche Thema Übergroß-Verdiener nur mit sehr spitzen Fingern anfassen mochte, verlegte sich Jauch lieber auf Nebenschauplätze. Und dafür hatte er ja Brüderle und Maschmeyer, sozusagen als Gaststars, geladen. Maschmeyers Verfehlungen hatten mit dem eigentlichen Thema der Sendung freilich nichts zu tun und es war klar, dass Jauch nur kurz darauf würde eingehen können. Maschmeyer wandt sich dementsprechend wie ein Aal. Er sagte Dinge wie: “Wenn man Bonifikation und Provision gleichsetzt, ist eines zu sehen. Bonifikation auf Cybermoney, wo auf Staatspleiten geleveraged wird und auf Währungen ist eine Sache. Das hat sich völlig von der Realwirtschaft abgekoppelt.” Dafür, dass Jauch bei diesem Bullshit-Sprech nicht verbal reingegrätscht ist, hätte man ihm am gerne seine mutmaßlichen ARD-Fantastilliarden zusammengestrichen.

Die endgültige Bankrott-Erklärung als Leiter einer politischen Talkshow lieferte er dann ganz am Ende. Da schaffte es Jauch in seiner verdrucksten Art, Rainer Brüderle auf das fast schon vergessene Dirndlgate anzusprechen. Wieder komplett am Thema vorbei, aber jetzt, wo der Brüderle schon mal dasaß, ließ sich vielleicht noch ein Zitat für die Medien rausleiern. Brüderle entzog sich auch hier wieder einer Stellungnahme und erneuerte lediglich sein schwaches “Kein Kommentar”. Das war nicht anders zu erwarten bei einer ganz kurz vor Schluss noch schnell lustlos dahingeworfene Frage.

Maschmeyer nutzte die Gelegenheit und rief vor dem Abspann noch rein, dass die Gebührenzahler ja auch nicht entscheiden dürften, wieviel Jauch verdient und der Staat sollte nicht festlegen dürfen, wieviel Geld ein Künstler bekommt. Jauch guckte bedröppelt und sagte allen Ernstes: “Dann haben wir das heute Abend mal geklärt”. Günther Jauchs ARD-Bezüge sind ja geheim, obwohl er in seiner Sendung mal wahrheitswidrig behauptet hatte, sein Vertrag sei öffentlich. Aber ganz egal, was der mutmaßliche Großverdiener der ARD für seinen Sonntagstalk erhält – nach dieser Sendung kann man festhalten: Es ist zu viel.
Der Jauch-Talk in der ARD-Mediathek

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