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Die Power-PR-Offensive der Facebook-Chefin

Heute ist es so weit: Sheryl Sandsbergs mit Spannung erwartetes Buch "Lean in" über die Rolle von Frauen in der modernern Arbeitswelt erscheint. Natürlich überlässt die Facebook-Chefin die öffentliche Wahrnehmung nicht dem Zufall. Sandberg hat in den vergangenen Tagen zur regelrechten Medienoffensive geblasen, die gestern im CBS-Interview "60 Minutes" ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Die Kontroversen dürften damit nicht weniger werden: Die Facebook-Chefin erklärte darin, dass Männer, die mehr Hausarbeit machen, auch mehr Sex haben würden.

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Es ist einsam an der Spitze – einsam als Frau. Sheryl Sandberg ist eine der wenigen Frauen in absoluten Führungspositionen in der US-Wirtschaft. Die frühere Google-Managerin ist als COO bei Facebook Mark Zuckerbergs Vize – tatsächlich aber die Person, die hinter den Kulissen das operative Geschäft schmeißt.

Man kann sich Sandberg als weibliche Version von Tim Cook vorstellen, als er noch bei Apple hinter Steve Jobs zurückstand. Die 43-Jährige ist ganz oben angekommen – doch auf dem Weg dahin ist ihr aufgefallen, wie wenig Geschlechtsgenossinnen ihrem Beispiel gefolgt sind – die frühere Google-Kollegin Marissa Mayer und die heutige HP-Chefin Meg Whitman sind die einzigen Powerfrauen, die im Silicon Valley den CEO-Posten eines milliardenschweren Tech-Konzerns bekleiden.

Über diesen Mangel an weiblichen Führungskräften und überhaupt der Rolle der Frau in der modernen Arbeitswelt hat Sandberg nun mit "Lean In" ein Buch geschrieben, das bereits vor dem heutigen Erscheinen in den USA hohe Wellen schlägt.

Sandberg will die feministische Revolution wieder entfachen
"Es ist an der Zeit, uns einzugestehen, dass unsere Revolution zum Stillstand gekommen ist", beklagt sich die Facebook-Chefin in "Lean in" – und auch gestern im CBS-Interview "60 Minutes". "Wollen Sie die Revolution wieder entfachen?", fragt Moderatorin Norah O’Donell nach. Sandberg pausiert einen bedeutungsvollen Augenblick und erklärt dann mit Nachdruck: "Ich denke schon."

Die 43-jährige Facebook-Milliardärin erklärt in ihrem Buch, dass ihr beruflicher Aufstieg oft von Schuldgefühlen begleitet worden wäre. "Frauen führen Erfolg oft auf harte Arbeit, Glück und die Hilfe anderer Leute zurück", erklärt Sandberg bei CBS, "Männer dagegen erklären ihren Erfolg immer mit ihrem eigenen Können."

"Zieh dich nicht zurück, häng dich rein"
Frauen würden sich im Beruf oft selbst im Weg stehen, sieht Sandberg die Wurzel des Problems. "Zieh dich nicht zurück, häng dich rein", rezitiert Sandberg die Botschaft ihres Buches. Doch die stößt selbst bei Feministinnen nicht nur auf Gegenliebe.

Die Autorin Joanne Bamberger erklärte im viel beachteten Beitrag "Karrierefrauen im Mütterkrieg", der jetzt auch bei Spiegel Online erschienen ist, Sandberg sei keine zweite Simone Beauvoir und würde Frauen stattdessen spalten, da sie Schuldgefühle hervorrufe: Frauen würden sich schuldig fühlen, "weil sie nicht mehr Ehrgeiz haben. Schuldig, weil sie es wagen, ihre Kinder und Partner für ebenso wichtig zu halten wie ihre Karriere."

PR-Großoffensive: Time-Cover, Cosmopolitan-Special, Bloomberg-Party

Doch die Facebook-Vizechefin hat ihr großes Thema gefunden – und das ist offenkundig nicht das weltgrößte Social Network. Mit einer PR-Großoffensive, wie es sie von einer Frau in der Öffentlichkeit in den USA seit dem Erscheinen der Autobiografie von Hillary Clinton nicht mehr gegeben hat, zieht Sandberg in diesen Tagen in ihren Medienkrieg.

Neben dem 60-Minuten-Interview bei CBS zur besten Sendezeit promotet die frühere Google-Managerin ihr Buch mit einer Titelgeschichte im Time Magazine, einem 40-Seiten Special in der Cosmopolitan und einer Launch-Party mit New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg.

Sandberg: "Männer, die sich mehr um den Haushalt kümmern, haben mehr Sex"

Und das teilweise mit ziemlich beachtlichen Thesen: "Eine Heirat ist nicht nur die größte persönliche Entscheidung, die man im Leben fällt, es ist auch die größte Karriereentscheidung." Warum? Es sei eben nicht möglich, alles auf einmal zu managen – deswegen wäre bei der Auswahl des Ehegatten gut zu überlegen, wie er sich in den Haushalt einbringe.

Tatsächlich glaubt Sandberg, dass Männer, die sich mehr um den Haushalt kümmern, im Bett belohnt werden. Studien hätten belegt, dass zu Hause stärker engagierte Männer mehr Sex mit ihren Frauen haben würden, eröffnet Sandberg die nächste Runde der Geschlechter-Debatte.

Die Antwort des starken Geschlechts ließ nicht lange auf sich warten: Eine halbe Stunde nach der Ausstrahlung von "60 Minutes" nahm sich Business Insider-Gründer Henry Blodget der Sache an: "Das wäre ja interessant, wenn’s wahr wäre!" erregte sich Blodget. "Eine neue Studie besagt jedoch das Gegenteil: Männer, die sich mehr um den Haushalt kümmern, haben weniger Sex." Die Steilvorlage zum nächsten Buch der Geschlechter-Debatte wäre damit gefunden…

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