“Beste personalisierte Zeitung der Welt”

Publishing Mark Zuckerberg macht sich ans Eingemachte: Der zentrale Newsfeed wird umgebaut und erfährt dabei seine größte Veränderung seit der Einführung vor sieben Jahren. Künftig dominieren Bilder noch mehr den Nachrichtenstrom auf dem weltgrößten sozialen Netzwerk. Facebook entschlackt sein Web-Angebot massiv und passt die Anzeige der Meldungen damit mehr der mobilen App an. Das natürlich nicht ohne Hintergedanke: Facebook wird im neuen Design noch interessanter für Werbekunden. Die Aktie haussiert.

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Frühjahrsputz bei Facebook: Auf der mit Spannung erwarteten Pressekonferenz auf dem Firmencampus in Palo Alto präsentierte das weltgrößte Social Network die erwartete Generalüberholung seines Nachrichtenstroms.

Das neue Facebook wirkt um einiges aufgeräumter: "Schluss mit dem Durcheinander", tadelt sich Facebook für den bisherigen News-Overkill selbst und verspricht dafür die "Einführung klarer, schöner Meldungen", die tatsächlich optisch an Google+ erinneren. Nutzer haben nun die Möglichkeit, die Anzeige der Neuigkeiten in den Kategorien Fotos, Musik, Abonnements, Spiele und Gruppen  zu individualisieren, die auf der linken Navigationsseite wie kleine Desktop-Icons erscheinen.

Facebook ahmt Flipboard nach

Mark Zuckerberg verstieg sich in gewohntem Selbstbewusstsein zum Vergleich, Facebook sei künftig so "die beste  personalisierte Zeitung der Welt". Tatsächlich folgt das nach Google, Amazon und eBay viertwertvollste Internet-Unternehmen der Welt dem Trend von Flipboard, das wie eine personalisierte Social Network-Zeitung erst auf dem iPad und dann auch auf iPhone begeisterte.  

Facebook gab zu, dass man sich von der eigenen Handy-Version habe inspirieren lassen. Im Klartext: Die Mobilstrategie wird weiter ausgeweitet. Es gilt der Grundsatz: Mobile first. Was Facebook-Nutzer auf ihrem Smartphone sehen, wird nun auch im Web die neue Normalität.

Geht im neuen Newsfeed der Live-Charakter verloren?

So übersichtlich der Newsfeed künftig auch daherkommt – gleichzeitig geht mit dem Relaunch wieder etwas Vertrautes verloren. In diesem Fall ist es der Live-Charakter der rechten oberen Newsspalte, in der immer die aktuellsten Aktivitäten der Freunde einflossen, ganz gleich, ob es das Hinzufügen eines Fotos oder nur das Liken einer neuen Seite, eines Kommentars oder das Abspielen eines Songs in Apps wie Spotify war.

Zwar bietet Facebook den separaten Kanal "Neue Meldungen" weiter an – es bleibt allerdings abzuwarten, ob durch die Auswahl der einzelnen News-Kanäle die Echtzeitanzeige nicht weiter verwässert wird. In der Vergangenheit war die durch den Algorithmus Edge Rank festgelegte Gewichtung der Aktivitäten-Anzeige immer wieder kritisiert worden.

Wall Street gefallen die werbefreundlicheren Foto-Formate

Dass Facebook seinen Newsfeed so sichtbar entschlackt und die Anzeige von Fotos und Videos nun so stark in den Vordergrund stellt, ist mehr als eine Design-Spielerei. Tatsächlich wies Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bei der Präsentation darauf hin, dass Fotos inzwischen bereits  50 Prozent der geteilten Inhalte im Newsfeed ausmachen.

Hier bieten sich nun noch bessere Vermarktungsmöglichkeiten für das weltgrößte soziale Netzwerk an, das mit den großauflösenden Bildformaten noch idealere Werbeplattformen für seine Anzeigekunden bietet.

Für Facebook-Aktionäre war die eigentlich gute Nachricht des gestrigen Tages: Anteilsscheine des weltgrößten Social Networks verteuerten sich an der Wall Street nach der Präsentation des neuen Newsfeeds um immerhin vier Prozent.

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