Springer: Print vor „Strukturanpassungen“

Klar und ehrgeizig formulierte Vorstandschef Mathias Döpfner auf der Bilanz-Pressekonferenz der Axel Springer AG seine Marschrichtung: "Unser Ziel", heißt es auf dem ersten Chart, das CEO Mathias Döpfner präsentierte, ist es "das führende digitale Medienunternehmen" zu werden. Mit der aktuellen Bilanz sehen sich die Berliner auf dem besten Weg dorthin. Zudem will man weiter investieren. Allerdings müssen sich die Print-Abteilungen auf "Strukturanpassungen" einstellen.

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Unter dem Oberbegriff Print verstehen die Manager allerdings nicht nur Zeitungen und Zeitschriften, sondern auch die Druckereien. Vor allem bei diesen sieht Döpfner einen besonders hohen "Anpassungsbedarf". Dabei nahm Döpfner während der PK bereits das Wort "Sozialpläne" in den Mund. Einen besonders hohen Stellenabbau innerhalb der Redaktionen werde es laut dem Vorstandschef allerdings nicht geben. Zudem hält er die Einstellung einzelner Publikationen weder für "absehbar noch wahrscheinlich". Finanzvorstand Lothar Lanz spricht davon, das Print-Segment "wetterfest" machen zu wollen.

Die nackten Zahlen für das abgelaufene Jahr präsentierten die Springer-Manager nicht ohne einen gewissen Stolz. Bei den digitalen Medien (1,174 Milliarden Euro) erwirtschaftete das Medienhaus erstmals mehr Umsatz als mit dem – jetzt wohl endgültig – ehemaligen Kerngeschäft der deutschen Zeitungen (1,126 Milliarden Euro). Während Digital um 22 Prozent zulegte, schrumpfte das Geschäft mit Zeitungen hierzulande um 3,3 Prozent.

Insgesamt steht Springer gewohnt gut da – der operative Gewinn kletterte um knapp sechs Prozent auf 628 Millionen. Euro. Der Gesamtumsatz stieg um knapp vier Prozent auf 3,31 Milliarden Euro. Für den CEO war 2012 ein "besonderes Jahr. Es hat vielleicht so viel Spaß gemacht hat, wie kein Jahr zuvor“. An diesem Punkt sei erwähnt, dass der Vorstand auch wohl noch nie so viel verdiente wie zwischen Januar und Dezember 2012. Auch 2013 wird sich die Laune des Managers wohl nicht einzutrüben. Döpfner freut sich bereits auf "ein Jahr des Umbruchs, des Aufbruchs und der Investitionen".

Bestimmt werden die nächsten Monate vor allem durch die Transformationen hin zum Digitalen. Die neue Spitzenposition des Online-Geschäfts innerhalb des Konzern bezeichnete Döpfner als "einen Wendepunkt". Längst ist der Anteil der digitalen Medien am Unternehmensergebnis für den CEO "die wichtigste Kennziffer". Zur Zeit liegt dieser bei 37 Prozent – Tendenz stark steigend.
Damit die Medien AG im aktuellen Jahr weiterhin kräftig ins Digitale investieren kann, sind die Berliner sogar bereit, auf ein paar Prozentpunkte beim kommenden Gewinn zu verzichten.

Die Digitalstrategie von Springer basiert auch weiterhin auf den drei Säulen "Inhalte-Portale, Performance-Marketing und Rubriken". Allerdings kündigte Döpfner einige Neujustierungen an. So soll der Fokus noch stärker auf der Internationalisierung und – erstmals – jetzt auch auf Neugründungen liegen. Bislang bauten die Berliner ihre bestehenden Marken aus bzw. transformierten sie in die digitale Welt. Eine weitere neue Nuance in der überarbeiteten Strategie liegt darin, nicht nur gestandene Firmen zu akquirieren, sondern auch ganz junge Startups, die erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Das heißt nicht, dass Springer nicht weiter investieren will.

Vor allem in Hinblick auf die Spekulationen über einen Kauf der Scout24-Gruppe von der Telekom schränkt Döpfner ein: "Erwarten sie keine spektakulären Akquisitionen. Die sind nicht im Sicht." So weiß er angeblich noch nicht einmal, ob die Scoutgruppe zum Verkauf stünde. "Wenn sich die Telekom dazu entschließt, dann wären wir gerade gezwungen uns das anzusehen."

In seiner Kurzpräsentation stellte der Springer-Chef einen Verlag vor, der mit einem Luxusproblem zu kämpfen hat. "Eigentlich wollten wir erst in drei Jahren die Hälfte unserer Umsätze im Digital-Bereich erzielen“. Allerdings schränkt er auch gleich ein: „Dieses Ziel haben wir aufgegeben, weil es nicht ambitioniert genug ist."
Bei aller Freude über neue digitalen Geschäftsmodelle in den Rubrikenmärkten und anderen Töchtern, hält Döpfner auch weiterhin den markengebundenen Qualitätsjournalismus für einen der wichtigsten Assets seines Hauses. "Unsere wichtige Kernkompetenz ist der Inhalt. Die Qualität des Journalismus ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal in der digitalen Welt."

Die Top-Prioritäten für 2013 sind die digitale Transformation, die Einführung weiterer digitaler Abonnements und die Unternehmenskultur. Nach Meinung des CEOs wird das "alte Randgeschäft das neue Kerngeschäft. Wir müssen uns auf die neuen Online-Unternehmen einstellen, nicht die jungen Unternehmen auf uns." Für Springer hieße das: "Weniger Bürokratie, mehr Innovationskraft."

Die Börse reagierte weniger begeistert auf die Zahlen des Medienhauses. Zum Ende der Bilanz-PK lag das Papier bei 34,60 Euro und damit 1,69 Euro oder 4,64 Prozent im Minus. Möglicherweise hatte der Markt eine höhere Dividende oder die Verkündung eines Zukaufes erwartet. Übrigens: Auch die unweigerliche Frage nach der Wahrscheinlichkeit, dass die Berliner ProSiebenSat.1 übernehmen, musste Döpfner beantworten. Sie liege allerdings bei "nahe Null".

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