dapd: die Mär von den teuren Klagen

Die zweite Pleite der Nachrichtenagentur dapd sorgt für Entsetzen bei den Betroffenen. Viele schütteln nach wie vor den Kopf über die Begründung des Kurzzeit-Geschäftsführer Ulrich Ende, dass Kündigungsschutzklagen von 62 Mitarbeitern ein Grund für die zweite Insolvenz gewesen sein sollen. Diese Begründung ging Ende vergangener Woche durch zahlreiche Medien. Aber die Klagen waren schon lange bekannt. Auch die Zahl der anhängigen Klagen wird von Betroffenen angezweifelt.

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So heißt es von betroffenen Ex-dapd-Mitarbeitern, dass es sich mittlerweile nur noch um 48 anhängige Kündigungsschutzklagen handeln soll. 14 Klagen seien durch Abfindungszahlungen bereits abgewickelt worden. In diesem Zusammenhang ist auch die Rede davon, dass bisher eher geringe Abfindungen von bis zu 2.000 Euro pro Person gezahlt wurden. Dass ein Unternehmen dadurch in eine Pleite getrieben werden kann, erscheint in höchstem Maße unglaubwürdig.

Die Gewerkschaft Deutsche Journalisten Union (DJU) in Berlin erklärte bereits vergangene Woche nach Bekanntwerden der zweiten dapd-Pleite, dass es schon länger bekannt gewesen sei, dass es eine hohe Zahl von Kündigungsschutzklagen gebe. Die Kündigungsschutzklagen seien auf Fehler der vorherigen Geschäftsführung zurückzuführen und dürften jetzt nicht als Schutzargument zur Begründung einer wirtschaftlichen Schieflage benutzt werden, so die Gewerkschaft. Auf Nachfrage hieß es bei der DJU, die dapd habe bei den Kündigungen im Rahmen der ersten Insolvenz u.a. versäumt einen korrekten Sozialplan vorzulegen und die Sozialauswahl bei den Kündigungen nicht eingehalten.

Die ersten Kündigungen bei der dapd waren Ende November vergangenes Jahr erfolgt. Danach hatten gekündigte Mitarbeiter eine gesetzliche Frist von 21 Tagen, um Kündigungsschutzklage einzureichen. Davon, dass hier plötzlich ein unerwartet hohes finanzielles Risiko in Form von Klagen aufgetaucht ist, kann also keine Rede sein. Die Gründe für die zweite Pleite der dapd müssen woanders liegen. Nicht wenige schauen in diesem Zusammenhang auf Ulrich Ende und seine beiden Geschäftspartner Christoph Bausinger und Wolfgang Pabst, die als dapd-Retter angetreten waren. Laut DJU-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß geht die zweite Pleite der dapd, “einzig und allein auf eine anscheinend nie existierende Strategie für ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell in Verbindung mit zu eng kalkulierten Finanzrahmen zurück”. Die dapd kann derzeit mit einem Insolvenzgeld-Vorschuss der Arbeitsagentur zunächst bis April weiterarbeiten. Nun müssen Agentur und Mitarbeiter vor dem gerettet werden, was die vermeintlichen Retter hinterlassen haben.

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