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Dreiste Hotel-Reklame mit dem „Tatort“

"Explosion im Renaissance Hamburg Hotel": Diese Überschrift ging am Dienstagmorgen über die Nachrichtenticker. Es handelte sich um eine Pressemitteilung zweier Hamburger Hotels, die stolz darauf hinwiesen, Kulisse für den Til Schweiger-"Tatort" am kommenden Sonntag zu sein. Der "Tatort" als Werbevehikel. Dabei gaben sich die Produzenten im Film selbst einige Mühe, bloß keinen Schleichwerbeverdacht aufkommen zu lassen. Geworben wird nun trotzdem.

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Til Schweiger alias Kommissar Nick Tschiller fährt im "Tatort" einen Mercedes – um die wichtigste James Bond-Frage direkt zu beantworten. Aber anders als bei "Wetten, dass..?" oder eben James Bond wird das Firmenlogo nicht allzu aufdringlich in Szene gesetzt.
Beim ersten Tatort mit Til Schweiger scheint man bewusst darauf geachtet zu haben, sich keinem Schleichwerbe-Verdacht auszusetzen, immerhin gab es schon so genug Schlagzeilen. Nicht nur, dass die Kamera bei Schweigers Film-Dienstwagen im Bild häufig vor dem Mercedes-Stern haltmacht – auch die Autos bei einer Verfolgungsjagd sind ganz korrekt unterschiedlichen Fabrikanten zuzuordnen.
Solche Bemühungen werden ausgerechnet von zwei Hamburger Hotels konterkariert. Die verkünden in ihrer Pressemitteilung spektakulär: "In den Szenen im Hamburg Marriott Hotel fragt Kommissar Nick Tschiller (Til Schweiger) in den Abendstunden an der Rezeption nach einer Zimmerkarte und steigt anschließend in einen Hotel-Fahrstuhl." Für Foto-Material möge man sich bitte an den NDR wenden, der in Sachen Hotel-PR offenbar gerne assistiert. "Kommissar Tschiller steigt in einen Hotel-Fahrstuhl" … was für eine Breaking-News, die da vom dpa-Dienstleister News Aktuell als Pressemitteilung auf den Ticker gegeben wurde.
Madeleine Marx, die stellv. Hoteldirektorin des Renaissance Hamburg und Hamburg Marriott Hotels sagt: "Die Ausstattungs-Crew hat unsere Renaissance Suite beeindruckend gut vorbereitet und präpariert, so dass die Suite mit der Gesamtfläche von 215 Quadratmetern völlig unversehrt geblieben ist. Ebenso die spezielle Designer Tapete." Da werden sich aber einige freuen, dass trotz der Explosion der Tapete nichts passiert ist. In der Meldung ist auch zu lesen: "Das 50-köpfige Filmteam gastierte vom 12. bis einschl. 14. November des letzten Jahres in den beiden First Class Hotels in der Hamburger Innenstadt."
Auf Nachfrage von MEEDIA stellt das Hotel klar: "Das Team gastierte in den Hotels ausschließlich für die Dreharbeiten, ohne Übernachtung." Die Hotels seien bei der Filmförderung als mögliche Drehorte gelistet, so sei der Kontakt zustande gekommen. Die Produktionsfirma Constantin Television habe zudem für die Dreharbeiten gezahlt.
Wer den Film sieht, merkt zudem: Wie bei den Zeitungen wurde auch beim Hotel der Name verändert. Schleich-Werbung a la "Marienhof" oder "Wetten, dass..?" bleibt dem Zuschauer also erspart – im Glanz des neuen Krimi-Stars sonnen sich beteiligte Firmen dann aber doch ganz gerne.

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