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Der Medientrend Brutalo-Märchen

"Hänsel und Gretel: Hexenjäger" schmeißt "Kokowääh 2" von Platz 1 der Kinocharts, Serien wir "Grimm" und "Once upon a Time" holen bei Vox und Super RTL Top-Quoten. Hollywood verwurstet derzeit besonders gern traditionelle Märchen in actionreiche Mystery-Spektakel. Ein Ende des Hypes ist nicht in Sicht: Schon in den kommenden Wochen starten weitere Märchenfilme, 2014 spielt Angelina Jolie in "Maleficent" die böse Heexe aus "Dornröschen". MEEDIA erklärt den Trend zum Popcorn-Märchen-Remake.

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Fast 400 Mio. US-Dollar spielte "Snow White and the Huntsman" im vergangenen Jahr weltweit in den Kinos ein. Der Film war damit der vorläufige Höhepunkt der Mystery-isierung alter Märchen. Wann genau der Trend los ging, lässt sich nicht so recht bestimmen. Schon 2011 war "Red Riding Hood" noch mit verhaltenem Erfolg angelaufen, das zweite Schneewittchen-Remake "Spieglein, Spieglein" kam 2012 auf 166 Mio. US-Dollar Umsatz und "Snow White and the Huntsman" schließlich auf 396 Mio.

Derzeit läuft nun "Hänsel und Gretel – Hexenjäger" in den deutschen Kinos. Am ersten Wochenende beendete der Film den Siegeszug von "Kokowääh 2" und stürmte mit fast 1.000 Zuschauern pro Kino auf Platz 1 der Charts. Weltweit hat er bereits 181 Mio. US-Dollar eingespielt. In dieser Woche läuft "Die fantastische Welt von Oz" in Deutschland an, die Vorgeschichte zum "Zauberer von Oz" – und in der kommenden Woche folgt die extrem teure Produktion "Jack and the Giants", ein Remake des englischen Märchens "Hans und die Bohnenranke". Weitere Hollywood-Märchen sind in Planung, z.B. "Maleficent", ein modernisiertes "Dornröschen" mit Angelina Jolie als böse Hexe.

Auch im Fernsehen wurde der Trend dankend aufgenommen. Fast zeitgleich liefen "Once upon a Time" und "Grimm" im Oktober 2011 in den USA an. "Once upon a Time", die harmlosere der beiden Serien, läuft erfolgreich bei Super RTL. Die erste Staffel erzielte Marktanteile von bis zu 5,7% bei den 14- bis 49-Jährigen und landete kein einziges Mal unter den Super-RTL-Normalwerten von ca. 2,2%. "Grimm" schoss bei der Staffel-Premiere vor 14 Tagen bei Vox auf sagenhafte 16,7% und erzielte auch mit Folge 4 noch sehr starke 12,9%.

Doch woran liegt es nun, dass Hollywood mit seinen Märchen-Remakes so gut ankommt? Zum einen ist es die Tradition. Keine Generation der vergangenen 100 Jahre wuchs ohne Märchenfilme auf. Vom Stummfilm "Frau Holle" aus dem Jahr 1906 bis zu "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" führt die Wikipedia Hunderte Märchenfilme auf. Fantasy-Erfolge wie "Harry Potter", "Herr der Ringe" und "Twilight" haben sicher auch ihren Anteil daran, dass sich Hollywood erneut dauf die Märchen stürzt, die immer währende Suche nach verfilmbaren Stoffen führt irgendwann immer wieder zu "Schneewittchen" & Co. zurück.

Dass die neueste Genration der Nacherzählungen so aussieht, wie sie aussieht, also cool, schnell, bunt und mit viel Action, liegt am Lauf der Zeit. Ebenso die Tatsache, dass von den eigentlichen Geschichten kaum noch etwas übrig ist – außer den Figuren. Doch genau deswegen sind sie wohl so erfolgreich, erreichen eine neue Generation von Konsumenten. Die Brutalität mancher der Filme und Serien ist dabei gar nicht unbedingt so aufsehenerregend, schließlich sind auch Grimms Originale schon voll mit Mord und Totschlag. Dass es aber auch traditioneller geht – also ohne Action und deutlich werksgetreuer, zeigt die ARD alljährlich im Weihnachtsprogramm. 26 Märchen hat sie bereits mit zum Teil sehr prominenten Schauspielern neu verfilmt. 2012 hat "Rotkäppchen" beispielsweise einen Marktanteil von 17,5% geholt. Eins steht angesichts der vielen Erfolge wohl auf jeden Fall fest: Auch die nächsten Generationen werden traditionelle Märchenfiguren in neuer Verpackung bekommen.

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