Warum das ZDF die bessere ARD ist

Die jüngste Personalrochade im öffentlichen-rechtlichen TV ist bezeichnend für den unterschiedlichen Zustand von ARD und ZDF. Jörg Pilawa verlässt das ZDF, um zur ARD zurückzukehren. Dafür wechselt die Schlagersängerin Helene Fischer zum ZDF. Mit der ungemein populären Fischer hat das Zweite eindeutig den besseren Fang gemacht. Und auch ansonsten präsentiert sich das ZDF in jüngster Zeit erstaunlich frisch und modern. Vor allem im Vergleich mit dem Behörden-Moloch ARD.

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Beim ZDF hält sich die Trauer über den Weggang von Jörg Pilawa zur ARD offenbar in engen Grenzen. Die Bild am Sonntag kolportierte, dass Pilawas Wirken ZDF-intern bestenfalls als “durchschnittlich” bewertet würde. Was auf den ersten Blick wirkt wie das unfreundliche Nachtreten des im Personal-Poker unterlegenen Senders, ist auf den zweiten Blick eine durchaus realistische Einschätzung. Pilawa ist es im Zweiten tatsächlich nie gelungen, echte Akzente zu setzen. Er moderierte unauffällig Pflichtaufgaben wie die “Ein Herz für Kinder”-Spendengala oder die Show “Deutschlands Superhirn” weg. Seine eigene Quizshow “Rette die Million!” war nicht mehr als ein weiterer müder „Wer wird Millionär?“-Abklatsch. Und dass Pilawa nach Sat.1 und der ARD seit einiger Zeit im ZDF eine weitere Ausprägung seiner “Quizshow” präsentiert, gleicht einer konzeptionellen Bankrott-Erklärung des Mannes, der einst zu Protokoll gab, er wolle nicht der “ewige Quiz-Onkel” sein.

Ganz anders die ZDF-Neuverpflichtung und ARD-Abgängerin Helene Fischer. Die Schlagersängerin feierte am zweiten Weihnachtsfeiertag vergangenes Jahr mit ihrer “Helene Fischer Show” im Ersten (knapp 5,4 Mio. Zuschauer) einen riesigen Erfolg. Ihre Platten verkaufen sich wie geschnitten Brot – Fischer hat den Zenith ihres Erfolgs noch nicht erreicht. Sie hat das Zeug zu einer deutschen Allround-Entertainerin aufzusteigen. Den ZDF-Probelauf mit Gastrolle im Dauerbrenner “Traumschiff” absolvierte sie zum Jahreswechsel ebenfalls souverän. Kein Zweifel: Beim Wechsel Pilawa/Fischer macht das ZDF den besseren Fang.

Aber nicht nur in dieser aktuellen Personal-Rochade sieht die ARD im Vergleich zum ZDF alt aus.

Stichwort: Humor

Das ZDF hat mit der “heute show” und “Neues aus der Anstalt” zwei komplett unterschiedliche, auf ihre Art aber sehr erfolgreiche Humor-Formate etabliert. Das ist kein kleines Kunststück in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, in der Bedenkenträger im Regelfall bei jedem nicht ganz politisch korrekten Witz Schlange stehen. Man erinnere sich nur an die Aufregung in den ARD-Gremien als Harald Schmidt und Oliver Pocher einst über das “Nazometer” witzelten. Mit der Sitcom “Lerchenberg”, die zu Ostern ausgestrahlt wird, übt sich das ZDF sogar in der Humor-Königsdiziplin Selbstironie. Zwar wird die vierteilige Minireihe in bewährter Manier leider im Nachtprogramm versteckt, aber dass überhaupt so ein Stück produziert wurde, ist schon ein kleines Wunder.

Stichwort: Nachrichten

Die Kern-Kompetenz des öffentlich-rechtlichen TV. Im direkten Vergleich wirken die ZDF-”heute”-nachrichten stets frischer und moderner als die “Tagesschau”-Sendungen der ARD. Jene verströmen immer noch den Beamten-Muff der 60er Jahre. Bei der „Tagesschau“ gilt es bereits als Mini-Revolution, wenn man die Zuschauer direkt begrüßt. Das ZDF hat sich zuerst ein modernes, digitales Nachrichtenstudio eingerichtet. Die ZDF-Mediathek ist der ARD-Mediathek technisch überlegen und viel besser zu bedienen. Einzig bei der Veröffentlichung der Digital-App war die “Tagesschau” schneller. Allerdings sieht die gerade veröffentlichte “heute”-App auch wieder besser aus und ist viel übersichtlicher geraten.

Stichwort: Talkshows

Dass die massive Häufung der ARD-Talkshows allein dem Sender-Proporz der ARD geschuldet ist und die Programmplätze unter der Woche verstopft, ist offensichtlich. Beim zentral organisierten ZDF hat man dagegen ein schlüssiges Talk-Konzept. Markus Lanz talkt dreimal pro Woche mit bunt zusammengewürfelten Gästen und leichtem Boulevard-Einschlag. Maybrit Illner macht jeden Donnerstag ihre politische Talkshow. Die Zuschauer honorieren das. Während sich die ARD-Talkshows mühen, ihr Publikum zu finden, hängt Lanz die ARD-Talks in Sachen Marktanteil trotz der späten Sendezeit oftmals locker ab. Die Sendung mit den Söhnen von Altkanzler Helmut Kohl schaffte vergangene Woche sogar einen Spitzen-Marktanteil von über 20 Prozent.

Stichwort: Personal-Politik

Das ZDF schafft es viel besser als die ARD Sendergesichter aufzubauen. Beim ZDF steht Claus Kleber für Information, Maybrit Illner für politischen Talk, Markus Lanz für Show, Oliver Welke für Satire, Carmen Nebel für leichte Unterhaltungsmusik. Bei der ARD werden haufenweise Moderatoren verpflichtet und Konzepte angerissen, ohne dass dies jemals durchdacht wirkt. Bestes Beispiel war das grandiose Scheitern von Thomas Gottschalk mit seiner Vorabendshow. In kleinerem Stil trifft das aber auch auf den mutlosen Testballon mit dem Satire-Format “Das Ernste” zu.

Stichwort: Skandale

Das föderale System der ARD scheint deutlich anfälliger für Betrug und Korruption zu sein, als das zentralistisch organisierte ZDF. Fast alle großen Medienskandale des öffentlich-rechtlichen TV betrafen die ARD. Egal ob der Kika-Betrugsskandal (verantwortliche Anstalt ist der MDR), der Schleichwerbeskandal bei der Soap “Marienhof”, oder die Drehbuch-Affäre rund um die frühere NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze – die ARD hat bei Skandalen die Nase vorn. Jüngst enthüllte der Spiegel zwar auch einige alte Schleichwerbe-Fälle bei “Wetten dass..?” aus der Zeit von Thomas Gottschalk. Im Vergleich mit den ARD-Skandalen handelt es sich hier aber um Peanuts. Zudem wurden die Missstände vom aktuellen Intendanten Thomas Bellut bereits weitgehend abgestellt.

Sicher: Auch beim ZDF ist nicht alles Gold. Es gibt auch bei den Mainzelmännchen Gebührenverschwendung, Erbhöfe, Verwaltungs-Wahn und irrwitzige Programm-Entscheidungen. Und das Problem, dass junge Zuschauer sich verstärkt vom öffentlich-rechtlichen TV abwenden, kennt man beim ZDF auch. Allerdings wird hier mit einigen neuen Formaten in Digitalkanälen wenigstens versucht, so ein bisschen gegenzusteuern. Die Vermutung liegt nahe, dass die vielen Probleme und Unzulänglichkeiten der ARD ihren Ursprung im föderalen System des Senderverbunds haben. Die ARD hat eben nicht nur einen Verwaltungs-Wasserkopf, sondern gleich neun. Sie ist, wenn man so will, ein öffentlich-rechtlicher Moloch auf Steroiden. Hier vervielfältigen sich Proporz, politische Einflussnahme, Erbhöfe, Gelegenheiten zur Korruption und unsinnige Programmentscheidungen. Zu Ungunsten der Zuschauer.

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