dapd 2.0: die 28-Tage-Agentur

Einen Monat nach der Übernahme durch Ulrich Ende ist die dapd offenbar wieder am Ende: Eine Sprecherin des Amtsgerichts Charlottenburg bestätigte, dass am Freitagmorgen ein Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden war. Am frühen Nachmittag informierte Ende die Belegschaft über diesen Schritt und erklärte er - laut Newsroom.de -, dass er einen entsprechenden Antrag stellen musste, weil 62 Kündigungsschutzklagen mit nicht absehbaren finanziellen Folgen anhängig seien.

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Weiter berichtet Newsroom.de, dass die Kündigungsschutzklagen ein Volumen hätten, "das nicht absehbar gewesen" sei. Da diese Klagen offenbar eine gewisse Aussicht auf Erfolg hätten, habe ein Investor den zugesicherten Betrag nicht überwiesen.

Bislang sollen die Investoren statt der benötigten vier Millionen Euro, nur 1,5 Millionen Euro gezahlt haben. Als direkte Reaktion darauf forderte der DJV bereits die Geldgeber auf, schnellstmöglich die zugesagten Mittel zur Verfügung zu stellen, „damit die Firma, die am 1. Februar erst ihren Betrieb aufgenommen hat, nicht nach einem Monat schon wieder abgewickelt werden muss.“

Bereits im Oktober musste die Agentur ein erstes Mal beim Amtsgericht vorstellig werden. Zur Zeit sind noch rund 180 Mitarbeiter bei der Agentur beschäftigt

Zudem sprach der Bundesvorsitzende Michael Konken davon, dass diese neueste Entwicklung ein „erneuter Schlag ins Gesicht für die Mitarbeiter“ sei. „Nach Monaten der Unsicherheit haben sie nun endlich wieder daran geglaubt, eine Perspektive zu haben.“

Mitte Januar hatte Ende die dapd Nachrichten Beteiligungs-GmbH mit Sitz in Tutzing gegründet und die Namen erster Investoren verraten. Damit die neue Gesellschaft das juristische Erbe der alten dapd antreten konnte und als handlungsfähig angesehen wurde, musste Ende eine Einlage von mindestens einer Million Euro vorweisen.

Als ersten Investoren-Namen verriet Ende den Unternehmer Christoph Bausinger. Dessen Firma Hunternet hat ihren Sitz in Wiesbaden, Bausinger selber soll sich zurzeit in Australien aufhalten. Zweiter bekannter Investor ist Buchverleger Wolfgang Pabst. Dieser betreibt in Lengerich den wissenschaftlichen Verlag Pabst Science Publishers (u.a. "Jahrbuch Intensivmedizin"). Pabst steige mit "deutlich weniger" als einer Million Euro bei der Agentur ein, heißt es.

Offizieller Starttermin für die neue Agentur war am 1. Februar. Ihr mögliches Ende wurde 28 Tage später wieder besiegelt. Den ersten Gang zum Amtsgericht brachte das damalige Management um die Investoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw Anfang Oktober hinter sich. Im November mussten dann bereits 98 der 299 Mitarbeiter gehen.

Die Berliner müssen jetzt erneut bei der bei der Arbeitsagentur Insolvenzgeld beantragen. Nur wenn dieser Antrag akzeptiert wird, kann es für den dpa-Konkurrenten weiter gehen.

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