Home Office: produktiv, aber wenig kreativ

Heimarbeit funktioniert nicht - zumindest nicht für Yahoo. Diese Erkenntnis hat Konzernchefin Marissa Mayer dazu veranlasst, das Home-Office-Programm vorerst einzustellen. Damit will man der gesunkenen Arbeitsmoral im eigenen Haus entgegenwirken. Offenbar hatten Mitarbeiter den Freiraum genutzt, um nebenher eigene Start-ups zu gründen. Aktuelle Studien geben Mayer Recht: Wer zu Hause arbeitet, schafft zwar mehr, ist aber gleichzeitig weniger kreativ. Auch deutsche Unternehmen stellen das Konzept in Frage.

Anzeige

Funktioniert Heimarbeit für Unternehmen – oder nicht? Darüber wird gerade vor allem in den USA heftig diskutiert. Ausgelöst hat die Debatte die Entscheidung von Yahoo-Chefin Marissa Mayer, sämtliche Home-Office-Mitarbeiter wieder in die Konzern-Büros zu beordern. Damit setzt die 37-Jährige auf eine Firmenkultur, die mehr auf Zusammenarbeit baut, wie dem Memo der Personalabteilung zu entnehmen ist, aus dem die New York Times zitierte. Es ist nicht der erste Vorstoß Mayers, Yahoo-Angestellte stärker an das Unternehmen zu binden. Gleich zum Einstand als CEO verkündete die Ex-Google-Managerin, dass es ab sofort kostenlos Essen und iPhones für jeden geben würde.

Mayer ist nicht allein mit ihrer kritischen Einstellung zum Home Office. Auch die Bank of America hatte 2012 damit begonnen, Heimarbeiter wieder in die Firmenbüros zurückzuholen. Beliebte IT-Arbeitgeber wie Google und Facebook erlauben – wie laut dem US-Arbeitsministerium 63 Prozent aller amerikanischer Unternehmen – den Mitarbeitern von Zeit zu Zeit, die Arbeit von zu Hause zu erledigen. Allerdings legen beide Konzerne Wert auf Zusammenarbeit und direkten Austausch. Wie der Yahoo-Memo weiter zu entnehmen ist, würde nicht nur die Arbeitsgeschwindigkeit dem Home Office zum Opfer fallen. Darüber hinaus sei eine kurze Diskussion in der Caféteria oder ein spontanes Meeting unter Kollegen für die Innovativität eines Unternehmens weitaus förderlicher. Das funktioniert aber nur, wenn die Mitarbeiter auch vor Ort sind.

"Axel Springer arbeitet mit Nachdruck an einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Daher haben wir einen Rahmen für flexibles Arbeiten und Teilzeitmodelle geschaffen”, erklärt  Alexander Schmid-Lossberg, Leiter des Geschäftsführungsbereichs Personal der Axel Springer AG, gegenüber MEEDIA. “Bei der Gestaltung der Arbeitszeiten finden Vorgesetzte und Mitarbeiter in aller Regel Wege, welche die Interessen von Mitarbeiter und Unternehmen in Ausgleich bringen. Entscheidend ist, dass unsere Mitarbeiter ihre Aufgaben so gut wie möglich bewältigen können, nicht ihre pemanente Präsenz am Arbeitsplatz. Die intensive Nutzung von unternehmenseigenen Laptops, Tablets oder Smartphones schafft dabei eine große Flexibilität.”

Bei der 1&1 Internet AG wird bewusst im Einzelfall bewertet, ob die Arbeit im Home Office sinnvoll und praktisch umsetzbar ist, erklärt ein Sprecher gegenüber MEEDIA. “Entsprechende Vereinbarungen werden, sollten die Umstände es ermöglichen, direkt vom Mitarbeiter zusammen mit der zuständigen Führungskraft und der Personalabteilung getroffen.” Grundsätzlich bedingten aber viele der Arbeiten, gerade in den technischen Bereichen, eine Anwesenheit vor Ort.
Dieser Eindruck wird gefestigt durch aktuelle Studien. John Sullivan, Professor für Management an der San Francisco State University, hat herausgefunden, dass Home Office zwar die Produktivität von Mitarbeitern erhöht. Allerdings seien sie dann auch weniger innovativ. “Wenn Sie Innovation wollen, brauchen Sie Interaktion”, erklärt Sullivan gegenüber der New York Times. “Wenn Sie Produktivität brauchen, dann sollten Sie Ihre Leute von zu Hause aus arbeiten lassen.”

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige