MWC: China-Handys auf dem Vormarsch

Apple, Samsung und Nokia sollten sich warm anziehen: Diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man einen Blick auf die Innovationen wirft, mit denen asiatische Hersteller beim Mobile World Congress in Barcelona auftrumpfen. Während Nokia sein Billig-Segment ausbaut, schielen die Chinesen auf den Markt für Luxus-Smartphones. Die werden vor allem immer schneller und immer größer. Sogar so groß, dass ein Hersteller ein Gerät mit Dolby-Surround-Sound anbietet. Ein digitaler Messerundgang.

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Dass Phablets voll im Trend liegen, machte schon die CES deutlich. Als würde sich die Branche auf die Ursprünge in den koffergroßen Funktelefonen zurückbesinnen, setzen die Smartphonebauer auf immer größere Display-Diagonalen. Beginnen wir den virtuellen Messebesuch mit dem wohl vermeintlichen Star des MWC in Barcelona: dem HTC One. Ein Smartphone, das den Titel “Flaggschiff” durchaus verdient. 4,7 Zoll groß ist das Display mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln. Intern werkelt ein 1,7 Gigahertz schneller Vierkernprozessor, darüber hinaus soll das HTC-Gerät über ein tolles Soundsystem verfügen. Der Speicher ist auf 32 Gigabyte begrenzt. Die Kamera verfügt augenscheinlich über nur vier Megapixel, allerdings soll der Sensor empfindlicher als bei der Konkurrenz sein. Wie Samsung setzt auch HTC beim One auf ein stark angepasstes Android-Betriebssystem. Zum stolzen Preis von 679 Euro ist das Smartphone ab dem 15. März erhätlich.

Eine Marke, die sich deutsche Smartphone-Nutzer künftig merken sollten, ist Huawei. Der chinesische IT-Konzern war bislang für seine Billig-Modelle bekannt, die unter anderem bei Aldi vertrieben wurden. Doch mittlerweile scheint Huawei die Smartphone-Oberklasse für sich entdeckt zu haben.
Davon zeugt auch das Ascend P2, das der Hersteller als schnellstes Smartphone der Welt bewirbt. Damit ist nicht der auf 1,5 Gigahertz getaktete Vierkernprozessor gemeint, sondern der ultraschnelle LTE-Chipsatz, mit dem Nutzer noch schneller surfen können sollen. Bis zu 150 Megabit pro Sekunde sollen möglich sein. Wie auch das HTC One setzt Huawei beim Ascend P2 auf ein 4,7 Zoll großes Display, verbaut allerdings eine Kamera mit 13 Megapixeln. Für diese Ausstattung kann sich der Preis von 449 Euro (Verkausstart im April) sehen lassen.

Eine völlig andere Strategie scheint Nokia einzuschlagen: Die Finnen wollen 2013 offenbar vor allem mit preiswerter Hardware punkten. Das Nokia 105 etwa solle nur 15 Euro kosten. Dafür kann man mit dem Gerät aber auch nur telefonieren, simsen und Radio hören. Nur zur Info: Das Display verfügt über eine Auflösung von 128 x 128 Pixeln, der interne Speicher ist acht Megabyte groß. Für 199 Euro bringt Nokia außerdem das Lumia 520 auf den Markt. Dafür bekommt der Nutzer aber auch eine abgespeckte Hardware: Der Zweikernprozessor arbeitet mit einer Taktrate von einem Gigahertz, die Auflösung des vier Zoll großen Displays liegt bei 800 x 400 Pixeln. Alles in allem ein Mittelklasse-Gerät, das allerdings auch nur mittelmäßig viel kostet. Vorinstalliert ist übrigens kein Android, sondern Windows Phone 8.

Aber zurück zu den Chinesen: ZTE präsentierte in Barcelona das erste Smartphone mit Firefox OS. Der Name: Open. Die Ausstattung: bescheiden. Das 3,5 Zoll große Display verfügt lediglich über eine Auflösung von 320 x 480 Pixeln, der Speicher ist nur 512 Megabyte groß, der Prozessor auf ein Gigahertz getaktet. Das Mozilla-Smartphone ist als preiswerte Android-Alternative für Schwellenländer gedacht. Ein Preis steht allerdings noch nicht fest. Dass ZTE auch anders kann, beweist das Grand Memo: 5,7 Zoll, HD-Display, eine Kamera mit 13 Megapixel und sogar Dolby-Surround-Sound liefert das Gerät.

Wie auf jeder Technikmesse dürfen natürlich auch auf dem MWC die Exoten nicht fehlen. Etwa das Yotaphone aus Russland. Das 4,3 Zoll große Gerät ist ein Hybrid aus Smartphone und E-Reader mit E-Ink-Display auf der Rückseite. Fujitsu, eigentlich auf Business-IT spezialisiert, präsentiert mit dem Arrows X ein Gerät, das seinen Besitzer nur nach einem Fingerabdruckscan Zugriff gewährt.

Währenddessen setzt Asus weiterhin auf seine Tablet-Smartphone-Kombinationen. Das Padfone Infinity ist ein Smartphone mit fünf Zoll und einer Auflösung 1920 x 1080 Pixeln. Befeuert wird das Gerät von einem Vierkernprozessor mit 1,7 Gigahertz, die Kamera löst mit 13 Megapixeln auf. Steckt man das Padfone in seine Dockingstation, wird aus dem Smartphone ein 10-Zoll-Tablet. Rund 1000 Euro kostet die Kombination.

So scheint sich die Mobilbranche längst einig zu sein: Europas Smartphone- und Tabletnutzer bekommen  immer größere, schnellere und teure Geräte zum schnellen Surfen, während Schwellenländer mit preiswerter Hardware beliefert werden. Ein Erfolgsmodell, wie die jüngsten Zahlen vom Marktforschungsunternehmen IDC belegen. Demnach verkaufte Huawei im vierten Quartal 2012 fast doppelt so viele Smartphones wie im Vorjahresquartal. Der Marktanteil liegt bei 4,9 Prozent, der dritte Platz hinter Samsung und Apple also. Während die Koreaner lediglich ihre Modellreihen updaten und der Konzern aus Cupertino der Messe seit jeher fernbleibt, machen die Chinesen das Rennen um den Smartphonemarkt der Zukunft scheinbar unter sich aus.

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