Das Wettrennen um die Amazon-Insider

Exklusiv, exklusiver, am exklusivsten: Die Arbeitsbedingungen bei Amazon scheinen die deutsche Presse einfach nicht loszulassen. Nachdem die Kritik am Versandkonzern auch zwei Wochen nach der ARD-Reportage “Ausgeliefert” nicht abebben will, tauchen immer mehr vermeintliche Exklusiv-Geschichten über die Arbeitsmethoden im “Amazonas” auf. Während weitere Klein-Verleger die Zusammenarbeit mit dem weltgrößten Buchhändler aufkündigen, schweigt einer: Amazon scheint die Krise aussitzen zu wollen.

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Bei Amazon ist der Mitarbeiter “nur eine Nummer”, berichtet die Frankfurter Rundschau. Alles wird gezählt, berichtet ein Amazon-Angestellter. Jedes Paket, jeder Toilettengang – einfach alles, um die Effizienz der Mitarbeiter zu steigern und noch mehr Pakete noch schneller zum Kunden zu bringen. Auch Vice lässt einen Leiharbeiter zu Wort kommen, der in der Weihnachtszeit in einem Amazon-Betrieb jobbte. Die Erkenntnis ist dieselbe: “Was ich erlebt habe, war etwas Altes”, lautet das Resümé. “Ich habe erfahren, was Arbeit ist, Arbeit in ihrer Ur-Form: Arbeit und sonst nichts. Hier zählen keine Soft Skills, Fremdsprachen oder ob man ein netter Typ ist—das hier ist Arbeit.”

Und auch Focus Online weiß Amazon-Interna zu berichten. Die Redaktion sprach mit einem Angestellten der Personalabteilung. Der Druck sei enorm, die Arbeitsbelastung hoch, Überstunden stünden auf der Tagesordnung, heißt es. Amazon scheint die schlechte Presse aussitzen zu wollen. Auf Facebook etwa setzte das Social-Media-Team am 18. Februar den letzten Beitrag ab, die Kommentare sind weiterhin negativ.

Die schlechte Stimmung unter Kunden scheint auch weiterhin auf die kleinen Verlage abzufärben. Verleger André Thiele verabschiedete sich in einem offenen Brief an Amazon aus der Kooperation mit dem weltgrößten Buchhändler. Er folgt auf Christopher Schroer, der sich bereits zuvor mit einem offenen Brief an Amazon-CEO Jeff Bezos verabschiedete.
Der Konzern selbst hatte sich am 18. Februar zuletzt geäußert. "Es ist uns eindeutig nicht gelungen, die Einhaltung unserer hohen Standards auch durch den Dienstleister, der für Unterbringung, Transport und den Einsatz der Sicherheitskräfte bei unseren Zeitarbeitskräften verantwortlich war, zu gewährleisten", ließ das Unternehmen in einer Pressemitteilung verlauten. "Aus diesem Grund beende man die Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen. Seitdem ist es still geworden um den Versandhändler. Dass Schweigen nicht unbedingt die beste Strategie angesichts der schweren Vorwürfe durch Medien, Politik und Kunden ist, sollte Amazon spätestens seit dem Shitstorm nach der ARD-Reportage vor zwei Wochen gelernt haben.

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